Um Mutationen des Coronavirus aufzuspüren, verlässt sich das BAG auf PCR-Tests. Detaillierte Sequenzierungen machen nur zwei Labors – und Basel-Stadt.
Coronavirus - Schweiz
Der Bund verspricht sich viel von grossflächigen variantenspezifischen PCR-Tests bei Infektionen mit dem Coronavirus. - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Briten-Mutation könnte schon bald zur dominierenden Variante in der Schweiz werden.
  • Sie wird von den Behörden mittels Sequenzierung oder speziellen PCR-Tests festgestellt.
  • Eine detaillierte Sequenzierung wird aber nur in den wenigsten Fällen vorgenommen.

Lockern oder nicht? Diese Frage beschäftigt die Schweiz. Denn obwohl die Fallzahlen schon länger rückläufig sind, lässt die Angst vor den noch ansteckenderen Virus-Mutanten die Behörden zögern.

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Martin Ackermann, Leiter der Covid-19-Taskforce. - Keystone

Am Dienstag warnte Taskforce-Präsident Martin Ackermann, dass die Briten-Mutation B117 schon bald die dominierende Variante werden könnte. Im Hintergrund laufen die wissenschaftlichen Abklärungen dazu auf Hochtouren.

Sequenzierung vs. spezielle PCR-Tests

Eine Mutation des Coronavirus können die Wissenschaftler auf zwei Arten aufspüren. Entweder durch eine Sequenzierung oder durch einen variantenspezifischen PCR-Test. Die Sequenzierung ist wesentlich aufwendiger – aber auch genauer.

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Tanja Stadler, Bio-Statistikerin an der ETH Zürich, hat sich seit Beginn der Pandemie mit den verschiedenen Mutationen befasst. - Screenshot SRF Puls

«Bei der Sequenzierung charakterisieren wir das gesamte Genom. Das heisst, wir erhalten Information über alle 30’000 Nukleotide», erklärt Tanja Stadler, die an der ETH das entsprechende Team leitet. Ein variantenspezifischer PCR-Test hingegen zeigt einfach an, ob eine Mutation vorliegt oder nicht. Dafür muss man dem Test aber sagen, nach was er suchen soll.

Nur beim Sequenzieren kann also ausgemacht werden, um welche Mutation es sich genau handelt. BAG und Taskforce stützen sich bei ihren Analysen und Prognosen auf Daten aus zwei Labors: Proben der Viollier AG mit Hauptsitz in Allschwil BL werden von der ETH Zürich untersucht. Die Unispitäler Genf und Basel sequenzieren gleichzeitig Genome des Ostschweizer Labors Risch, das Standorte in der ganzen Schweiz hat.

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Die Daten, auf denen die Prognosen von BAG und Taskforce basieren. - Swiss National Covid-19 Science Taskforce

Zusammen analysierten die Teams dieses Jahr pro Woche zwischen 1200 und 2300 Genome von positiven Corona-Proben. Basierend auf diesen Zahlen wird der Anteil von Mutationsfällen des Coronavirus in der Schweiz auf 30 bis 40 Prozent geschätzt.

Das Verfahren ist aber verhältnismässig anspruchsvoll, teuer und dauert mehrere Tage. Ein realistisches Bild des Mutationenanteils kann also immer nur mit ungefähr 14 Tagen Verspätung gezeichnet werden.

Coronavirus: Musterschüler Basel-Stadt

Interessanter für eine gross angelegte Suche nach Mutanten des Coronavirus sind darum variantenspezifische PCR-Tests. Resultate liegen bereits innert kürzester Zeit vor. Hier nimmt der Bund die Kantone in die Verantwortung: Diese müssen bei positiven Proben mit der speziellen PCR-Methode auf die N501Y-Mutation testen und es dem BAG melden.

Die meisten grossen Kantone bestätigen auf Anfrage, dass aktuell nur noch vereinzelte Proben auf Anordnung des Kantonsarztes sequenziert werden. Zum Beispiel, wenn ein Bezug zu Brasilien gefunden wurde oder der Verdacht auf eine Zweitinfektion besteht. Auch wenn die Person schon geimpft war, schaut man genauer hin.

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Das Unispital in Basel sequenziert jede gefundene Mutation des Kantons. - Keystone

Eine Ausnahme ist der Kanton Basel-Stadt: Dieser hat mit seinem Unispital und den Labors einen Deal, das sämtliche gefundenen mutierten Viren auch noch sequenziert werden. Man wolle in Basel die genauen Linien der mutierten Viren kennen, schreibt Sprecherin Anne Tschudin.

Personelle und finanzielle Ressourcen seien regional unterschiedlich, erlaubten am Rheinknie aber solch umfassende Abklärungen. «Ein nationales Vorgehen bezüglich Monitoring mittels Sequenzierung würden wir begrüssen.»

So sollen mittels PCR-Tests bald rund 75 Prozent aller positiven Corona-Tests auf eine Mutation untersucht werden können. Im Gegensatz zur Sequenzierung belegt die Schweiz hier im weltweiten Vergleich einen Spitzenplatz. In der «NZZ» kündigte das BAG darum am Donnerstag an, Ergebnisse variantenspezifischer Tests ab kommender Woche täglich zu veröffentlichen.

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