Das Coronavirus spaltet die Bevölkerung. Einige sehen in der Pandemie-Politik Parallelen zur Nazi-Zeit. «Unzulässig» findet dies ein Historiker und ordnet ein.
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Auf einem Plakat an einer Corona-Demo wird Alain Berset als Adolf Hitler abgebildet. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Immer häufiger ziehen Corona-Skeptiker den Vergleich zu Nazi-Deutschland.
  • Sie sehen die Freiheit gefährdet, fürchten sich vor dem Impfzwang.
  • Ein Historiker der Uni Luzern erklärt, weshalb dieser Vergleich mehr als nur hinkt.

Die Menge der Corona-Skeptiker zieht durch die Gassen. Wut, Frust und Zorn begleiten sie. Sowie ein Plakat, das Alain Berset als Adolf Hitler zeigt. Immer häufiger wird die aktuelle Situation rund ums Coronavirus mit der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland verglichen.

Impfzwang und Nazi-Deutschland

So tat es zuletzt auch der Schweizer Buchautor Erich von Däniken. Auf Twitter spricht er davon, dass die Freiheit jeden Tag aufs Neue verteidigt werden müsse. Heute würde die Realität anders aussehen: «Bei den Nazis hat's genauso angefangen», schreibt von Däniken.

Jetzt warnt Historiker Patrick Kury: «Ein Vergleich der aktuellen Situation mit dem Nationalsozialismus ist ein Unding.» Kury ist Professor für Geschichte an der Universität in Luzern.

Weshalb also wird dieser Vergleich überhaupt gezogen? «Es geht einzig darum, die Massnahmen und deren Verordner in ein schlechtes Licht zu rücken», sagt Kury gegenüber Nau.ch.

Die freie Wahl

Das diktatorische Regime des Nationalsozialismus war prägend und habe sich im kollektiven Gedächtnis verankert. Immer wieder würden die Geschehnisse aus dieser Zeit für Analogien verwendet.

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Ob ein selbstgemachter Hut...
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oder ein selbstgemachtes Schild: Mit allen Mitteln versuchen Corona-Skeptiker gegen die Massnahmen des Bundesrats vorzugehen.
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In der jüngsten Vergangenheit hatten sich die Skeptiker – darunter auch «Freiheitstrychler» – in Bern demonstriert.
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Dabei bliebt es nicht immer ohne Gewalt.

«In der Schweiz verfügen wir über eine demokratisch gewählte Regierung. Jeder kann jederzeit intervenieren, sofern er dies möchte», so Kury. Unrechts-Regime, getrieben von diktatorischen Massnahmen und kriminellen Energien, würden ganz anders aussehen.

«60 Prozent der Bevölkerung haben dem Pandemie-Gesetz, das 2016 in Kraft trat, zugestimmt», sagt der Professor. Was bei der Diskussion oft vergessen würde, sei das eigentliche Ziel. «Es geht darum, die Freiheit der Mehrheit zurückzuerlangen.»

Ausgrenzung durch Coronavirus

Klar sei, dass das Impfen als Eingriff in die persönliche Identität gewertet werden könne. Keine Impfung habe eine Ausgrenzung zur Folge.

Doch habe sich dies in der Geschichte bisher etwa auch bei militärischen Dienstverweigerern ähnlich verhalten. Sie wurden in der Gesellschaft über lange Zeit hinweg auch nicht akzeptiert.

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Sollte man sich fürs Wohl der Allgemeinheit gegen das Coronavirus impfen lassen? - Keystone

Damit alle wieder möglichst schnell ihre Freiheit zurückerlangen können, brauche es die Impfung.

«Es handelt sich dabei um einen Güterabwägung. Welche Freiheit wiegt mehr? Die persönliche, oder die der Allgemeinheit?», so Kury.

Glauben Sie, dass sich die Skeptiker-Bewegung noch weiter verbreitet?

Welches Wohl wiegt schwerer

Zum Wohl der Allgemeinheit gebe es keine absolute Freiheit des Einzelnen. Seine persönliche Meinung: Dieses Gedankengut des Impfzwangs gründe auf unserem Luxus. «Wäre das Coronavirus ähnlich gefährlich wie Ebola oder andere tödliche Viren, was glücklicherweise nicht der Fall ist, dann würde sich eine solche Diskussion erübrigen.»

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