Illegal Alkohol erwerben war für Jugendliche im Jahr 2020 einfacher als auch schon. Eine Hilfe war dabei die Maske.
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Jugendliche gelangen oft zu leicht an Alkohol. Die Pandemie-Massnahmen haben den Jugendschutz noch zusätzlich erschwert. (Archivbild) - sda - KEYSTONE/URS FLUEELER

Das Wichtigste in Kürze

  • 2020 konnten Jugendliche einfacher illegal an Alkohol gelangen.
  • 29 Prozent der Testversuche waren im Corona-Jahr erfolgreich.
  • Grund sind Hygienevorschriften, die das Alter schlechter erraten lassen.

29 Prozent der Testversuche von Jugendlichen, Alkohol zu kaufen, verliefen 2020 «erfolgreich». Das entspricht einer Zunahme von fast neun Prozentpunkten. Die Pandemie-Massnahmen mit der Maskenpflicht haben die Einschätzung des Alters schwieriger gemacht. Dies ist das Ergebnis der Alkoholtestkäufe 2020, wie die Stiftung Sucht Schweiz am Dienstag mitteilte.

Insgesamt hat sie im Auftrag der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) 6040 Käufe in der ganzen Schweiz durchgeführt und ausgewertet. 18 Organisationen wie Gemeinden, kantonale Stellen, Unternehmen oder Vereine haben sie zur Auswertung zur Verfügung gestellt.

8,8 Prozentpunkte mehr als 2019

Insgesamt wurden bei 29,1 Prozent der Fälle illegal Bier und Wein an unter 16-Jährige oder Spirituosen an unter 18-Jährige verkauft. Das bedeutet eine Steigerung von 8,8 Prozentpunkten im Vergleich zu 2019. Nur noch in knapp 75 Prozent der Fälle hat das Verkaufspersonal eine Alterskontrolle durchgeführt (2019: 81,7 Prozent).

Alkoholkonsum am Bahnhof
Jugendliche konsumieren am Bahnhof Alkohol (Symbolbild). - Keystone

Allein einkaufenden Mädchen gelang es dabei öfters, illegal an Alkohol zu gelangen als Knaben. Am besten waren Tankstellen (15 Prozent illegale Verkäufe), Ladenketten und Grossverteiler (29 Prozent) und Restaurants und Cafés (33,5 Prozent). Festwirtschaften und Bars mit über 40 Prozent Fehlverkäufen zieren das Ende der Rangliste. Praktisch frei ist die Bahn für Minderjährige, wenn sie sich den Alkohol übers Internet beschaffen (95 Prozent).

Zahl ist «sehr hoch»

Sucht Schweiz bezeichnet die Zahl der illegalen Einkäufe als «sehr hoch». Die Einschätzung des Alters sei durch die Maskenpflicht noch schwieriger geworden. Die Konzentration auf die Hygienevorschriften hätten den Jugendschutz mancherorts zudem in den Hintergrund gedrängt, so die Organisation in ihrer Analyse.

Der Befund zeige einmal mehr auf, dass technische Hilfsmittel für das Verkaufspersonal wichtig seien. Das Verkaufspersonal sei insbesondere bei grossem Andrang oder bei Veranstaltungen überfordert. Oft würden die Mitarbeitenden an der Verkaufsfront auch von ungeduldigen Kunden unter Druck gesetzt.

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