Wegen des Coronavirus mieden im letzten Herbst selbst schwer kranke Herzpatienten den Notfall. Die Diagnosen sind um 40 Prozent zurückgegangen.
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Ein Mann erleidet ein Herzinfarkt (Symbolbild) - Pixabay

Das Wichtigste in Kürze

  • Im letzten Jahr gingen Herzinfarkt-Diagnosen um 40 Prozent zurück.
  • Es könnte sein, dass Patienten aus Angst vor Corona der Notfallaufnahme fern blieben.

Im letzten Jahr gab es weit weniger Herzinfarkt-Diagnosen als noch im Jahr zuvor. Das zeigen neue Daten der Krankenversicherung Helsana über die, die Tamedia-Zeitungen berichten. Demnach sank die Anzahl der Diagnosen im Jahr 2020 um 40 Prozent auf 3900. Besonders drastisch war der Einbruch mit mehr als 50 Prozent im Frühling 2020 während es ersten Lockdowns.

Das heisst: Während des Corona-Jahres blieben möglicherweise sogar Kranke, die in Lebensgefahr waren, lieber zu Hause, als die Ambulanz zu rufen. Es wird vermutet, dass sie der Notfallaufnahme aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus fernblieben – oder aus falscher Rücksichtnahme gegenüber dem bereits überforderten Personal.

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Blieben möglicherweise schwer kranke Menschen im letzten Jahr wegen des Coronavirus der Notfallaufnahme fern? - Keystone

Die Grundlage der Helsana-Zahlen bilden demnach die Behandlungen von 1,4 Millionen Grundversicherten. Die Daten sind laut dem Bericht auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet und damit repräsentativ. Gezählt sind demnach alle Patienten, bei denen ein Herzinfarkt diagnostiziert wurde und deshalb mindestens eine Nacht im Spital bleiben mussten, aber nicht unmittelbar nach der Diagnose operiert wurde.

Helsana-Gesundheitswissenschaftlerin Caroline Bähler erläutert: «Wir zeigen mit den Daten also nur einen Ausschnitt der Herzinfarkt-Versorgung.» Doch der Helsana-Report deckt sich offenbar mit den neuesten Zahlen der Schweizerischen Gesellschaft für Kardiologie: Auch bei den Stent-Prozeduren gab es 2020 einen Rückgang von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

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Helsana stellte einen Rückgang von Herzinfarkt-Diagnosen im Corona-Jahr 2020 fest. - keystone

Stents werden nach einem Herzinfarkt in die Herzgefässe eingesetzt, um eine Verengung zu beheben. Für Expertin Bähler steht deshalb fest, dass es 2020, «Herzinfarkt-Patienten gab», die in einem Spital hätten untersucht werden sollen – «was aber nicht passiert ist.»

Auch Zurückhaltung der Zuweise spielte eine Rolle

Christophe Wyss, Kardiologieprofessor am Hirslanden-Spital in Zürich spricht gegenüber den «Tamedia-Zeitungen» von einer «Unterversorgung». Studien aus dem Ausland hätten bereits gezeigt, dass wegen der Pandemie mehr Herzpatienten ausserhalb der Spitäler gestorben sind, weil sie nicht oder zu spät behandelt wurden.

Helsana-Studienleiter Manuel Elmiger glaubt an mehrere Gründe für den starken Rückgang der Herzinfarkt-Behandlungen. So habe nicht nur die Angst der Patienten vor dem Coronavirus, sondern auch die Zurückhaltung der Zuweiser zum Rückgang beigetragen. Diese seien unsicher gewesen, ob überhaupt genügend Spitalkapazitäten zur Verfügung stünden. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) habe zudem für den Lockdown die Spitäler dazu angewiesen, auf «nicht dringend angezeigte medizinische Eingriffe und Therapien zu verzichten».

Fühlten Sie sich während des Lockdowns weniger gestresst?

Möglich sei auch, dass es im Corona-Jahr tatsächlich weniger Herzinfarkte in der Bevölkerung gegeben habe. Durch den Lockdown hat sich beispielsweise das Leben entschleunigt, wodurch für viele der Stress reduziert wurde. Auch die Hygieneschutzregeln könnten mitgeholfen haben. So sorgten diese etwa für weniger Atemwegsinfektionen, welche wiederum das Risiko eines Herzinfarktes erhöhen können.

Spannend: Ähnliche Muster wie bei den Herzinfarkten stellte Helsana bei weiteren Notfällen fest. Etwa bei Herzinsuffizienz oder Herzstillstand sowie bei den Schlaganfällen. Es wird davon ausgegangen, dass die Gründe für den dortigen Rückgang die gleichen sind.

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