Ab Juli gilt in der Vatikanstadt ein neues Grundgesetz. Somit erlaubt der Papst auch Laien und Frauen wichtige Positionen in der Verwaltung zu übernehmen.
Vatikanstadt
Der Petersplatz in der Vatikanstadt. - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Vatikan wurde eine neue Grundordnung vorgestellt.
  • Neu dürfen auch Frauen und Laien die Leitung von wichtigen Behörden übernehmen.
  • Damit bricht Papst Franziskus die Regeln seiner Vorgänger.

Papst Franziskus bricht mit der Tradition. Das neue Grundgesetz ermöglicht eine Reformation des Verwaltungsapparats der Vatikanstadt.

Erstmals in der Geschichte der römischen Kurie können bald Laien und sogar Frauen die Leitung wichtiger Behörden des Vatikans übernehmen. Das wurde am Montag bei der Vorstellung der neuen Grundordnung für die Verwaltung des Kirchenstaates Vatikanstadt betont.

Papst Franziskus hatte am Samstag die neue Apostolische Konstitution «Praedicate Evangelium» veröffentlicht, die am 5. Juni in Kraft tritt. Darin bricht der Pontifex mit vielen Regeln seiner Vorgänger.

Angelus-Gebet im Vatikan
13.06.2021, Vatikanstadt: Papst Franziskus winkt, während er das Angelus-Mittagsgebet am Fenster seines Arbeitszimmers mit Blick auf den Petersplatz spricht. - dpa

Eine Neuerung ist, dass fast alle Dikasterien auch von Personen geführt werden können, die keine Priester, Bischöfe oder Kardinäle sind. «Dies sind keine Ausschlusskriterien mehr», sagte der vom Heiligen Stuhl beauftragte Kirchenrechtler Gianfranco Ghirlanda am Montag. Dikasterien hiessen bislang zum Teil Kongregationen und sind so etwas wie die Ministerien des Vatikans.

Von den künftig 16 Dikasterien seien manche sogar prädestiniert dafür, von Nicht-Geweihten geführt zu werden. So etwa jenes für Laien-Familie-Leben, unterstrich Ghirlanda. Laut der bisherigen Ordnung von 1988 muss ein Leiter einer Kurienabteilung Kardinal oder Erzbischof sein. Durch die Änderung von Franziskus können sich nun auch Frauen Hoffnung auf einen Spitzenjob im Vatikan machen.

Mehr Fluktuation bei führenden Mitarbeitern in Vatikanstadt

Franziskus will, dass seine Kurie die tatsächliche, christliche Welt widerspiegelt. Er setzt die Verbreitung der Heiligen Schrift und die Arbeit für Bedürftige in den Mittelpunkt der Kurienverfassung; er selbst steht dem neuen Dikasterium für Evangelisierung vor.

Die führenden Mitarbeiter der Kurie sollen künftig noch mehr aus den Diözesen von überall auf der Welt kommen. Franziskus wünscht sich mehr Fluktuation. Deshalb sollen die Posten in der Kurie auch nur für fünf Jahre vergeben werden.

Allerdings gebe es die Möglichkeit, nach den ersten fünf Jahren für weitere Amtszeiten zu verlängern. Dies, «wenn man gute Arbeit macht», sagte Ghirlanda, der neben Kardinal Marcello Semeraro und Bischof Marco Mellino die Kurienordnung vorstellte.

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