Ukraine Krieg

    Ukraine Krieg: Winzige Metallpfeile töteten Zivilisten in Butscha

    Nicola Aerschmann
    Nicola Aerschmann

    Ukraine,

    Im Ukraine-Krieg sollen Zivilisten durch Flechette-Artillerie getötet worden sein. Pathologen haben in Butscha entsprechende Metallpfeile in Leichen gefunden.

    Flechette Ukraine Krieg
    Ein Projektil der Gattung Flechette. (Archivbild) - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Beim Massaker in Butscha wurde auch Flechette-Artillerie eingesetzt.
    • Dutzende Personen sollen solchen Metallpfeilen zum Opfer gefallen sein.
    • Diese Art von Waffen ist zwar umstritten, aber nicht verboten.

    Die Bilder und Berichte vom Massaker in der Stadt Butscha gehören zu den grausamsten aus dem Ukraine-Krieg. Russische Soldaten sollen vor ihrem Rückzug zahlreiche Zivilisten getötet haben. Dabei kam offenbar unter anderem eine besonders gefürchtete Waffengattung zum Einsatz – die sogenannte Flechette-Artillerie.

    Zeugen haben gegenüber der «Washington Post» von einem solchen Beschuss erzählt. Wie der «Guardian» berichtet, bestätigen im Kriegsgebiet tätige Pathologen und mehrere Waffenexperten die Aussagen. So sollen Dutzende Menschen dadurch getötet worden sein.

    Flechette Butscha
    In Butscha gefundene Flechettes. - Twitter/@FeWoessner

    Svitlana Chmut gibt gegenüber der «Washington Post» an, am 25. und am 26. März Flechette-Projektile auf ihrem Hof entdeckt zu haben. Kurz danach haben sich die Russen im Ukraine-Krieg aus dem Kiewer Vorort Butscha zurückgezogen.

    Wie Gerichtsmediziner Vladyslav Pirovskyi dem «Guardian» berichtet, wurden gleiche Projektile in Leichen in Butscha gefunden: «Wir fanden mehrere wirklich dünne, nagelartige Objekte in den Körpern von Männern und Frauen in der Region.»

    Flechette kam nicht nur im Ukraine-Krieg zum Einsatz

    Das Prinzip der Flechette-Artillerie: Eine Granate enthält bis zu 8000 kleine Metallpfeile, die zwischen drei und vier Zentimeter lang sind. Bei der Explosion lösen sich die Objekte. Sie verteilen sich auf einem bis zu 300 Meter breiten und 100 Meter langen Gebiet.

    Dringen die Pfeilchen (Französisch: Flechettes, daher der Name) in einen Körper ein, brechen sie in zwei Teile. Einer davon biegt sich zu einem Haken und verursacht schlimme Verletzungen.

    Ukraine Krieg
    Ukraine Butscha: 25 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Kiew, bietet sich nach dem Rückzug der russischen Armee im Ukraine-Krieg ein Bild des Grauens. - dpa

    Die Flechette-Artillerie wurde schon im Ersten Weltkrieg verwendet. Allerdings kamen die Pfeilchen auch in jüngerer Vergangenheit zum Einsatz. So sollen beispielsweise die USA im Vietnamkrieg oder Israel im Gazastreifen solche Waffen gebraucht haben.

    Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International forderten bereits ein Verbot der Waffengattung. Bisher ist deren Einsatz nach dem Völkerrecht nicht verboten.

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