Mit «Pandemia», einer Analyse der Corona-Politik und der Schilderung von Schicksalen mehrerer Erkrankter, ist Rudolf Anschober ein Bestseller gelungen.
Rudolf Anschiber
Rudolf Anschober (Grüne), Ex-Gesundheitsminister in Österreich, spricht auf einer Pressekonferenz. Foto: Hans Punz/APA/dpa - sda - Keystone/APA/Hans Punz

Das Wichtigste in Kürze

  • Rudolf Anschober stürmt an die Spitze der Sachbücher-Bestseller in Österreich.
  • «In dieser Dimension ist das überraschend», sagte der Ex-Gesundheitsminister dazu.

Österreichs ehemaliger Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) ist als Autor eines Corona-Sachbuchs erfolgreich. Mit «Pandemia», einer Analyse der Corona-Politik und der Schilderung von Schicksalen mehrerer Erkrankter, ist der 61-Jährige im April auf Platz 1 der Bestsellerliste der Sachbücher in Österreich geklettert. «In dieser Dimension ist das überraschend», sagte Anschober der Deutschen Presse-Agentur.

Der Erfolg zeige das immense Interesse an der Aufarbeitung der ersten Corona-Jahre: «Die Pandemie verändert jeden.» Einer der Grundfehler der Politik sei es gewesen, die Impfskeptiker und die Impfgegner in einen Topf zu werfen. Unter den 30 Prozent der Nichtgeimpften in Österreich sei nur jeder Dritte gegen die Injektion, der Rest warte auf weitere Überzeugungsarbeit.

Die sich verbreitende Sorglosigkeit angesichts sinkender Infektionszahlen sei eine heikle Sache, so Anschober. «Das Aufrütteln aus dieser sorgenfreien Stimmung ist das Schwierigste überhaupt», warb Anschober für eine Kampagne vor dem Herbst. Das saisonale Geschehen auf der Südhalbkugel werde bald zeigen, worauf sich die Menschen unter anderem in Europa in der kälteren Jahreszeit einstellen müssten.

Hält europäischen Massnahmen-Flickenteppich für problematisch

Ideal wäre eine gemeinsame europaweite Strategie ohne Flickenteppiche unterschiedlicher Massnahmen, so der Ex-Minister. «Die Menschen haben kein Vertrauen in die Politik, wenn in benachbarten Regionen wie Bayern, Tschechien und Salzburg jeweils andere Regeln herrschen». Die Impfpflicht, die in Österreich auf Eis liegt, sei unumgänglich, wenn im September der Kurs nicht auf eine Impfquote von 90 Prozent zeige.

Anschober war in der Koalition von ÖVP und Grünen von Januar 2020 bis April 2021 Gesundheitsminister und hatte zeitweise in der Beliebtheit den damaligen Kanzler Sebastian Kurz überholt. Im ersten Jahr der Pandemie hat er etwa 150 Corona-Verordnungen auf den Weg gebracht. Unter der Last des umfangreichen Ressorts gab er schliesslich aus gesundheitlichen Gründen auf. «Es war zu viel, mir ist die Kraft ausgegangen.»

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