Portugal ist zum Vorzeigeland in Sachen Coronavirus avanciert. Restaurants und Pubs sind geöffnet. Nun wagt das Land am Atlantik gar den Tourismus-Neustart.
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Nach den Lockerungen in Portugal geniessen viele die Freiheiten. Gäste auf der Terrasse des Negra Café in Porto. - zVg

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Fallzahlen des Coronavirus sind in Portugal auf einem tiefen Stand.
  • Nun dürfen Restaurants, Pubs und Cafés auch im Innern wieder öffnen.
  • Auf der Ferieninsel Madeira wagt das Land den Tourismus-Neustart.

Noch Anfang 2021 zählte Portugal europaweit die höchsten Ansteckungszahlen mit dem Coronavirus. Nun aber scheint sich das Land am Atlantik rasant zu erholen – wird sogar zum Corona-Vorzeigeland.

So liegt die 7-Tage-Inzidenz in Portugal bei rund 34 Fällen pro 100'000 Einwohner. Einzig die Algarve und die Insel Madeira verzeichnen wöchentliche Ansteckungszahlen über 50 Fälle pro 100'000 Einwohner.

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Menschen in einem Café in Amadora. Seit Montag sind trotz Coronavirus Gäste auch im Innern von Bars, Cafés und Restaurants erlaubt.
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Leute am 19. April vor einem Shoppingcenter in Amadora, Portugal.
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Menschen in den Strassen von Lissabon.

Zum Vergleich: Die Schweiz hat eine 7-Tage-Inzidenz von rund 163 pro 100'000 Einwohner, Deutschland ebenso und Österreichs 7-Tage-Inzidenz liegt bei rund 176.

Restaurants dank tiefer Zahlen des Coronavirus komplett auf

Wegen der tiefen Corona-Zahlen hat die portugiesische Regierung beschlossen, die Beschränkungen nach und nach zu lockern. Seit diesem Montag sind Restaurants, Cafés und Bars wieder geöffnet – auch deren Innenräume. Seit Anfang April waren bereits die Terrassen von Montag bis Freitag aufgesperrt.

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Sommergefühle in Lissabon trotz Coronavirus. - Instagram/lisbon.travel

Zu verdanken sei all dies einem konsequenten Lockdown mit spürbaren Ausgangs- und Mobilitätsbeschränkungen, erklärte der sozialistische Premier António Costa. Nur so lasse sich die Infektionskurve auf ein kontrollierbares Niveau senken.

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Portugals Ministerpräsident António Costa. - AFP

Portugal öffnet in sehr kleinen Schritten

Das sieht auch Margarida Carvalho so. Die 29-Jährige studiert Sportpsychologie an der Universität von Porto. Die neusten Entwicklungen würden zeigen, dass die bisherigen Massnahmen wichtig gewesen seien.

Seit den Lockerungen vor zwei Wochen gäbe es wieder mehr Menschen draussen, nun würden die Fallzahlen wieder etwas ansteigen. «Aber wenn alle jetzt nach draussen gehen, werden wir zurück in die alte Situation geraten», so die Masterstudentin aus Porto.

Trotzdem sieht Carvalho die Öffnungsschritte in Portugal positiv. «Weil wir Schritt für Schritt öffnen, haben wir die Situation hier besser unter Kontrolle als andere Länder.»

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Gäste auf der kleinen Terrasse des Restaurant Chama in Porto. - zVg

Doch die Massnahmen sind auch so immer noch sehr streng. Es gilt eine Sperrstunde ab 22.30 Uhr, an den Wochenenden sogar ab 13 Uhr. Trotzdem würden die Portugiesen die neu erhaltenen Freiheiten geniessen.

Die Strassen und Plätze seien wieder viel belebter. Die Leute würden ihre Zeit wieder viel mehr auf der Strasse verbringen. Gehen etwa mit Freunden nach der Arbeit ein Bier, Café oder Cocktail trinken.

Die Restaurants seien auch gut besucht: «Sogar die, die vor Corona weniger gut besucht waren, haben jetzt viele Gäste. Dies, weil alle ausgehen wollen – nur um ein bisschen die Freizeit zu geniessen.»

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Margarida Carvalho bei ihrem ersten Restaurantbesuch seit Monaten. - zVg/Filipe Miranda

Doch von Normalität keine Spur: Trotz Lockerungen fühle man sich noch immer zu Hause eingesperrt. «Wir können noch immer nicht die Dinge machen, so wie wir es uns gewohnt sind.»

Das soziale Leben beginnt im Land am Atlantik meist sehr spät. Sei es das Nachtessen im Restaurant oder die Party im Club. «Auch wenn wir bis 22.30 Uhr ins Restaurant gehen können, es ist nicht dasselbe wie zuvor.»

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Gäste geniessen die Sonne auf einer Terrasse eines Restaurants in Port - zVg

Tourismus-Projekt auf Madeira

Trotz aller Vorsicht und der immer noch strikten Massnahmen: Auf Madeira probt Portugal den Tourismus-Neustart. Und dies, obwohl die Fallzahlen des Coronavirus auf der beliebten Ferieninsel höher sind als auf dem Festland.

Dort entsteht gerade einen «grüner Reisekorridor». Heisst: Touristen, die bereits gegen das Coronavirus geimpft sind, dürfen ohne den sonst notwendigen PCR-Test einreisen. Gleiches gilt für jene, die in den letzten drei Monaten eine Coronavirus-Infektion überstanden haben und entsprechende Antikörper nachweist.

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Auf der portugiesischen Insel Madeira gilt ein «grüner Reisekorridor». - Keystone

Derzeit sind Portugals Grenzen für internationale Touristen dicht. Doch ist das Experiment auf Madeira ein Erfolg, behält sich die Regierung vor, den Korridor für das ganze Land übernehmen. Doch bisher hält sich der Erfolg noch in Grenzen. Auch, weil für die sonst zahlreichen Reisenden aus Deutschland bei der Rückkehr von der Insel noch immer eine Quarantänepflicht gilt.

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