Kommunikation: Dank Digital Detox das Handy mal weglegen
Das Smartphone ist eine Lust und doch eine Last. Immer mehr Menschen nehmen sich den Vorsatz, weniger Zeit mit der digitalen Kommunikation zu verbringen.

Das Wichtigste in Kürze
- Fast die Hälfte der Bevölkerung gilt als handysüchtig.
- Spezielle Apps helfen beim Digital Detox.
Das Wort «Nomophobie» gab es vor einigen Jahren noch gar nicht. Auf Deutsch bedeutet es so viel wie «Smartphone-Sucht». Das englische Wort ist eine Kurzform von «No-Mobile-Phone-Phobia», also der krankhaften Angst, ohne Smartphone zu sein.
Dass diese auch in der Schweiz weit verbreitet ist, bewies eine Keystone-Umfrage aus dem Jahr 2024: Demnach wiesen 40 Prozent der Befragten eine deutliche bis ausgeprägte Nomophobie auf. Lediglich 23 Prozent gaben an, sie hätten keine Mühe, auf ihr Handy zu verzichten.
Fast jeder von uns greift täglich mehrmals zum Smartphone – sei es, um Nachrichten zu checken, kurz etwas zu googeln oder in sozialen Medien zu scrollen. Doch wo liegt die Grenze zwischen normaler Nutzung und einer Abhängigkeit?
Handysucht ist kein klar abgegrenzter Zustand, sondern entwickelt sich oft schleichend. Problematisch wird es vor allem dann, wenn man das Gerät kaum noch aus der Hand legen kann – selbst in Situationen, in denen es unangebracht oder sogar gefährlich ist.
Typische Anzeichen einer Abhängigkeit
Ein erstes Warnsignal kann sein, wenn man nervös oder gereizt wird, sobald das Handy nicht in Reichweite ist oder der Akku leer geht. Auch ständiges Kontrollieren von Benachrichtigungen, selbst ohne echte Notwendigkeit, ist ein häufiges Symptom.

Wer etwa beim Essen, im Gespräch mit anderen oder sogar nachts im Bett regelmässig aufs Smartphone schaut, sollte sein Nutzungsverhalten kritisch hinterfragen.
Psychische Auswirkungen nicht unterschätzen
Besorgniserregend wird es, wenn die intensive Handynutzung das soziale Leben, die Arbeit oder den Schlaf beeinträchtigt. Manche Menschen verlieren das Gefühl für Zeit und verbringen täglich mehrere Stunden am Bildschirm – oft ohne es selbst richtig zu merken.
Das kann langfristig zu Konzentrationsproblemen, innerer Unruhe oder Schlafstörungen führen. Ein bewusster Umgang hilft Natürlich bedeutet viel Handynutzung nicht automatisch eine Sucht.
Entscheidend ist, ob man noch selbst bestimmt, wann und wie man das Smartphone nutzt – oder ob das Gerät den Alltag dominiert. Wer bewusst Pausen einlegt, Apps gelegentlich deaktiviert oder feste handyfreie Zeiten einplant, kann der Abhängigkeit gut entgegenwirken.
Die Last der ständigen Kommunikation
Ursprünglich war die verbesserte Erreichbarkeit ein Segen: Menschen konnten von unterwegs Bescheid sagen, dass sie sich verspäteten oder kurze Informationen austauschen. Doch mittlerweile ist der Strom der Kommunikation fast endlos. Textnachrichten, Voicemails, Push-Nachrichten und vieles mehr prasseln ständig auf das Smartphone ein.

Darunter leidet die Konzentration und letztendlich das Wohlbefinden. Kein Wunder, dass sich Digital Detox immer weiter verbreitet. Wie bei der echten Drogensucht wird auch hier von Detox gesprochen, also von Entgiftung: Hier ist es das digitale Gift der ständigen Kommunikation und Informationsflut, dem man sich entziehen will.
Wie funktioniert Digital Detox?
Wer es schon einmal versucht hat, weiss, wie schwer es ist, das Handy zu ignorieren. Seit zehn Minuten liegt es unbemerkt im Halbdunkel, während Sie gerade konzentriert in eine Filmhandlung hineingleiten. Doch dann leuchtet der Bildschirm auf. Gelingt es Ihnen, stark und beim Film zu bleiben, oder schauen Sie nach, welche Nachricht gerade eingegangen ist?

Damit haben Sie schon einen ersten wichtigen Tipp, damit Digital Detox klappen kann. Bewahren Sie das Smartphone an einem Platz ausserhalb der Reichweite auf.
Legen Sie es zum Beispiel auf einen Beistelltisch, den Sie vom Fernsehsessel oder der Couch nicht sehen können. So bemerken Sie eingehende Nachrichten nicht. Ist der Film wirklich gut, realisieren Sie am Ende erstaunt, dass Sie zwei Stunden nicht an das Smartphone gedacht haben.
Dies funktioniert auch an anderen Orten. Lassen Sie es im Büro in der Handtasche, damit Sie konzentrierter am Schreibtisch arbeiten können. Zu Hause bleibt es im Wohnzimmer liegen, während Sie in der Küche eine Mahlzeit zubereiten.
Offline-Inseln und Zeiträume definieren
Legen Sie bestimmte Zeiten fest, an denen das Smartphone nicht zu sehen und zu hören ist. Die ersten 30 Minuten und die letzten 30 Minuten des Tages zum Beispiel. Morgens kommen Sie erst einmal in Ruhe zu sich, ehe Sie die Welt mit ihrer Kommunikation in Ihr Bewusstsein dringen lassen.
Schalten Sie abends ebenso in Ruhe ab, zum Beispiel mit Meditation, Journaling oder beim Lesen. Erweitern Sie diese Zeiträume allmählich auf 60 Minuten und mehr.

Richten Sie sich dazu Smartphone-freie Zonen ein. Hier sollte das Schlafzimmer an erster Stelle stehen. Lassen Sie das Handy abends im Wohnzimmer. Eine weitere Offline-Insel ist das Badezimmer.
Hier widmen Sie sich bei einem Vollbad oder der Körperpflege ganz sich selbst. Lassen Sie das Gerät bei Spaziergängen und Velotouren zu Hause, damit Sie den Kopf frei bekommen, ohne ständig neue Informationen verarbeiten zu müssen.
Kleine Helfer beim Digital Detox
Das Smartphone selbst kann Sie ebenfalls unterstützen. Einen grossen Teil der Kommunikation erhalten Sie nur, weil Sie es so eingestellt haben. Deaktivieren Sie Push-Nachrichten von Portalen, Newsseiten und Mailprogrammen.
Bei Messengern wie Discord können Sie eine Nicht-Stören-Statusmeldung aktivieren. Sie bekommen dann keine neuen Nachrichten, während Sie Ihre digitale Pause geniessen.

Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe Apps, die beim Digital Detox unterstützen. Bei einigen legen Sie fest, zu welchen Zeiten Sie keine Kommunikation wünschen. Die App blockiert dann alle Störquellen wie Messenger, Mailprogramme und natürlich Social Media.
Sollte dann der brennende Wunsch erwachen, doch mal bei Instagram nachzuschauen, können Sie es einfach nicht öffnen, solange es blockiert ist.
Einige empfehlenswerte Apps sind Quality Time mit der Take-A-Break-Funktion, OFFTIME und Flipd. Besonders witzig ist Forest: Hier wächst ein virtueller Baum – aber nur, solange Sie offline bleiben. Sobald Sie wieder zum Smartphone greifen, geht der Baum ein. Nach und nach werden Sie sehen, wie Ihre Bäume immer weiter wachsen.















