Crans-Montana – Ärztin: Es wird noch mehr Todesopfer geben
Für die Haut-Transplantation schwerverbrannter Opfer muss neue Haut gezüchtet werden. Laut einer Ärztin dauert dieser Vorgang vier Wochen.

Das Wichtigste in Kürze
- Eine Ärztin rechnet mit weiteren Todesopfer nach dem Brand in Crans-Montana.
- Durch die fehlende Hautbarriere könnten Bakterien in den Körper eindringen.
- Ein Arzt erklärt, wie lange der Prozess der Heilung dauert, und zeigt sich optimistisch.
40 Menschen sind beim Brand in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana gestorben, 119 wurden verletzt. Einige von ihnen wurden bereits in Spitäler im Ausland verlegt. Auch das Berliner Unfallkrankenhaus erwartet am Samstag drei Verletzte. Ärztin Leila Harhaus-Wähner erklärt gegenüber dem «Spiegel», was auf die Opfer zukommen wird.
Den Verbrennungsopfern seien zuerst die Wunden gereinigt, dann das ganze Russige abgetragen worden. «Das kann man sich richtig mechanisch vorstellen.» Anschliessend würden Verbrennungsopfer in der Regel steril verbunden, oft mit Ganzkörperverbänden.
Wichtig sei es, in den ersten Stunden schnell zu handeln. Denn Verbrennungen könnten sich schnell zu systemischen Erkrankungen entwickeln, der ganze Körper reagiere auf die Toxine. Diese treten in die Blutbahn ein und können zu Flüssigkeitsverlust führen.
Viele Verletzte von Crans-Montana erlitten grossflächige Verbrennungen und brauchen Transplantationen. Harhaus-Wähner erklärt: Seien bloss rund 10 Prozent der Haut verloren, könne man von einer anderen Stelle eine ganz dünne, Schicht entnehmen. Diese werde dann auf die verbrannten Areale transplantiert, die Entnahmestelle heile in 14 Tagen wie eine normale Schürfwunde.
Ärztin: Wird weitere Todesopfer geben
Bei vielen Opfern seien aber 50, 60 oder gar 70 Prozent verbrannt, «da bleibt nicht mehr viel eigene Haut übrig». Aus der verbleibenden gesunden Haut entnehme man eine Probe, «die wir im Labor vermehren und so neue Hautzellen züchten. Das dauert etwa vier Wochen». In der Zwischenzeit werde die verletzte Fläche mit künstlichen Hautersatzprodukten bedeckt.
Durch diese Methode könne man selbst bei 80 oder gar 90 Prozent verbrannter Haut helfen. Doch Ärztin Harhaus-Wähner sagt auch, dass das Überleben von Schwerbrandverletzten nicht immer sichergestellt werden könne. «Durch die fehlende Hautbarriere treten Bakterien in den Organismus ein und können schwere Infektionen verursachen.» Es werde deshalb wohl weitere Todesopfer geben.
Und auf die Überlebenden kommt laut Eric Bonvin, Generaldirektor des Walliser Spitalverbunds, eine lange Erholungszeit zu. Es brauche sechs bis neun Monate intensivmedizinische Behandlung, um die Opfer zu stabilisieren, sagt er zu «Sky News». Anschliessend komme eine Rehabilitation, die auch wieder eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen werde. «Es sind ein langer Prozess und viel Arbeit, doch es gibt Hoffnung.»
Ärztin Harhaus-Wähner aus Berlin sagt aber auch, dass die transplantierte Haut nie so sein werde wie normale Haut. Man könne es sich wie eine flächige Narbe vorstellen. Die Haut könne nicht schwitzen und habe keine Haare. Eine häufige Beschwerde sei Juckreiz.
In schlimmeren Fällen könne sich die Narbe zusammenziehen, sodass sich eine Narbenkontraktur entwickle. Vor allem im Gesicht sei dies sofort ersichtlich, könne aber operativ korrigiert werden. «Die Betroffenen sind für ihr Leben gezeichnet.»















