Europäer zweifeln an US-Unterstützung im Kriegsfall

Aaron Studer
Aaron Studer

Belgien,

Eine neue Studie zeigt, dass das Misstrauen der Europäer gegenüber den USA wächst. Die Stimmung ist negativ – solange Trump noch im Amt ist.

donald trump
Die Europäer zweifeln daran, ob die USA uns im Kriegsfall unterstützen würden. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Umfrage in 15 EU-Ländern sieht die USA nicht mehr nur als Freund und Helfer.
  • Die Zustimmung für ein eigenes und unabhängiges europäisches Sicherheitskonzept wächst.
  • Jedoch nicht auf Kosten von Kürzungen im eigenen Land.
  • Die Schweiz plant ebenfalls ein höheres Militärbudget – 1 Prozent des BIP bis 2030.

Eine neue Umfrage zeigt: Das Vertrauen der Europäer in die USA ist auf einem Tiefstand. Nur noch jeder Zehnte in Europa betrachtet die Vereinigten Staaten als Verbündeten. Das geht aus einer Erhebung des European Council on Foreign Relations (ECFR) hervor.

Die Umfrage des EU-Thinktanks wurde im Mai 2026 in 15 EU-Ländern durchgeführt. Die Ergebnisse wurden am Mittwoch veröffentlicht. Kurz vor wichtigen Gipfeltreffen der G7 und der Nato in Frankreich und der Türkei.

Europäer zweifeln an US-Beistand im Ernstfall

In allen 15 befragten Ländern glaubt die Mehrheit nicht, dass die USA im Falle eines Angriffs Europa helfen würden.

Nur noch elf Prozent der Befragten sehen Amerika als Verbündeten, der «unsere Interessen und Werte teilt». Vor einem halben Jahr waren es noch 16 Prozent, im November 2024 noch 22 Prozent.

Glaubst du, die USA würden im Falle eines Krieges in Europa einschreiten?

Ein Viertel der Befragten hat ein negatives Verhältnis zu den USA: Dreizehn Prozent der Europäer bezeichnen die USA inzwischen als Rivalen. Weitere zwölf Prozent sehen sie sogar als direkten Gegner.

Die häufigste Einschätzung, bei rund der Hälfte der Befragten, ist jene eines «notwendigen Partners», mit dem man zusammenarbeitet. Obwohl man ihm nicht vollständig vertraut.

Die Studienautoren sprechen deshalb von einem «tiefen europäischen Misstrauen gegenüber den USA». Als Auslöser nennen sie unter anderem die aggressive Nahostpolitik von US-Präsident Donald Trump. Auch seine Drohungen gegenüber Grönland sowie seine Zweifel an der Zukunft der Nato sind ein Grund.

Europäer wollen mehr eigene Verteidigung aufbauen

Wegen des Misstrauens gegenüber Washington wächst der Rückhalt für eine eigenständige europäische Sicherheitspolitik.

Jana Kobzová, Co-Autorin der Studie, sagt: «Die Europäer sind zunehmend offen für höhere Verteidigungsausgaben. Sie zeigen, was entscheidend ist, ein auffallend grosses Vertrauen darauf, dass benachbarte Länder ihnen im Krisenfall zu Hilfe kommen würden.»

Im Schnitt befürworten vier Prozent mehr Europäer als noch im Vorjahr höhere nationale Verteidigungsausgaben.

Skepsis bleibt bei gemeinsamer EU-Finanzierung

Bei der Frage, ob die EU gemeinsam Schulden aufnehmen soll, um Verteidigung zu finanzieren, sind die Meinungen gespalten: 47 Prozent der Befragten befürworten diesen Ansatz, 35 Prozent lehnen ihn ab. Besonders hoch ist die Zustimmung in Portugal, Dänemark und den Niederlanden.

Wenig Unterstützung gibt es hingegen für die Idee, öffentliche Ausgaben zu kürzen, um Verteidigungsbudgets zu erhöhen.

EU
Die Europäer sind zunehmend für höhere Verteidigungsausgaben. Aber nicht, wenn dadurch woanders gekürzt wird. - ECFR - ecfr.eu

Und: Nur 29 Prozent wollen die Nato durch eine reine EU-Verteidigungsstruktur ersetzen.

Eine klare Mehrheit glaubt zudem, dass sich das Verhältnis zu den USA verbessern wird. Aber erst, sobald Trump nicht mehr im Amt ist.

Die Schweiz zieht mit

Auch die Schweiz ist Teil dieser Entwicklung. Obwohl sie kein Nato-Mitglied ist, diskutiert sie zunehmend über eine engere Zusammenarbeit mit europäischen Sicherheitsstrukturen.

Das Aussendepartement EDA schreibt: «Für die Schweiz sind kooperative und integrative Sicherheitsansätze der effizienteste Weg, um sicherheitspolitischen Herausforderungen zu begegnen.»

Im Übrigen plant der Bundesrat, die Verteidigungsausgaben bis 2030 auf ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu steigern. Eine Standesinitiative des Kantons Bern fordert sogar zwei Prozent.

Kommentare

User #2178 (nicht angemeldet)

Auf der ganzen Welt werden die Freudenfeuer lodern und es wird gesungen und getanzt, wenn Trump endlich abtritt und nur noch beim Minigolf im Gefängnishof zu sehen sein wird.

User #2178 (nicht angemeldet)

"Ihr Kommentar enthält eine Anspielung auf Gewalt gegen eine Person." Nein, das ist falsch! Das war eine völlig normale Anspielung auf den Lauf der Zeit.

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