Donald Trump: Ist ihm der Venezuela-Coup in den Kopf gestiegen?
Nach dem spektakulären Zugriff auf Venezuelas Präsidenten Maduro verschärft Donald Trump weltweit den Ton – ist das Strategie oder Machtübermut?

Das Wichtigste in Kürze
- Die US-Aktion gegen Maduro sorgt international für Empörung und völkerrechtliche Fragen.
- Trump droht seither offen Kuba, Mexiko, Kolumbien, Grönland und dem Iran.
- Ein Experte sieht darin eher Kalkül und «Deal-Making» als psychologische Entgleisung.
In der ersten Januarwoche 2026 sorgten die USA für einen internationalen Coup.
In einer grossangelegten Aktion bombardierte das US-Militär Ziele in Venezuela und nahm Präsident Nicolás Maduro fest.
Maduro muss sich nun in den USA wegen Drogenhandels verantworten. Caracas verurteilt den Einsatz als «illegale bewaffnete Aggression» und «Entführung».
Donald Trump droht mit Massnahmen gegen viele Staaten
Präsident Donald Trump bezeichnet den Schlag als notwendigen Schritt gegen «Narco-Terror». Und äussert offen, dass ähnliche Massnahmen gegen andere Staaten denkbar seien.
Binnen weniger Tage nach dem Venezuela-Einsatz richtete er scharfe Worte an Länder wie Kuba, Kolumbien, Mexiko, Grönland und den Iran.
Donald Trump sagte etwa, er «brauche» Grönland «zur Verteidigung». Er bezeichnete Kolumbien als «sehr krankes» Land mit «Kokain-Problemen» und sprach von Kuba als «riesiges Problem».
Sollten Regierungen nicht liefern, «könnte es Schritte geben», sagte Trump weiter.
Spielt Trump wegen Verhandlungen den «wilden Mann»?
Drohungen in alle Himmelsrichtungen: Ist der erfolgreiche Venezuela-Coup Trump etwa in den Kopf gestiegen?
USA-Experte Reinhold Heinisch von der Universität Salzburg ordnet differenziert ein: «Das lässt sich schwer beurteilen – psychologische Ferndiagnosen sind problematisch.»
Das martialische Auftreten von Donald Trump könnte Ausdruck einer Hybris sein. Unter Hybris versteht man eine masslose Selbstüberschätzung, oft verbunden mit Realitätsverlust und Missachtung von Grenzen.
Oder aber: Teil einer «Deal-Making-Strategie», bei der Trump den «wilden Mann» spiele, um bessere Verhandlungspositionen zu erzwingen.
Für Heinisch wäre insbesondere Kuba ein «symbolisch besonders wichtiger Preis»: «Damit würde Trump etwas erreichen, was seit Kennedy keinem Präsidenten gelungen ist. Das würde viele Wähler in Florida begeistern.»
Kuba bietet den USA aktuell eine grosse Chance
Aktuell biete sich bezüglich Kuba eine grosse Chance: «Das US-Militär ist bereits in der Region zusammengezogen, zudem wird Kuba durch den Wegfall venezolanischer Öllieferungen zusätzlich geschwächt.»
Beabsichtigt Trump mit seiner aggressiven Rhetorik, von innenpolitischen Problemen abzulenken?
Heinisch: «Die Vorstellung, dass er die Medien bewusst mit Drohungen flutet, ist nicht völlig abwegig. Aber auch ein Stück Wunschdenken seiner Kritiker.»
Gerade die Maga-Bewegung sei «nicht so gespalten», wie viele erwarten.
Ja, Marjorie Taylor Greene habe sich von Trump distanziert, und die Mehrheit der Amerikaner goutiere seine Drohungen nicht.

«Aber Trump war nie bei mehr als etwa 30 Prozent der Bevölkerung wirklich beliebt. Der Rest unterstützt ihn aus strategischen Gründen oder weil sie die Demokraten noch weniger mögen.»
Ausschlaggebend werde sein, wie die Amerikaner die wirtschaftliche Lage in diesem Jahr wahrnehmen. Die ICE-Proteste dagegen «mobilisieren vor allem jene, die ohnehin nicht für Trump stimmen würden.»
Iran, Grönland, allenfalls Kuba, Kolumbien und Mexiko: Kann die USA überhaupt auf derart vielen Hochzeiten gleichzeitig tanzen?
Strategie gefährlich, passt aber zu Donald Trump
Das sei eine berechtigte Frage, so Heinisch. Denn: «Jederzeit kann ein Thema völlig entgleiten.» Durch die ständigen Aufregungen entstünde eine Art «Trump-Fatigue».
Genau das kritisierten auch konservative Kongressabgeordnete: «Diese mangelnde Steuerung wird zunehmend als Problem gesehen.»
Trump fährt mit seinen Drohungen in alle Richtungen also einmal mehr eine gefährliche Strategie. Aber eine, die seiner bisherigen Amtsführung entspricht.



















