Neo-Grossrat Philipp Roth (FDP) steht vor herausforderndem Wahlkampf
Der Ittiger Philipp Roth rückt kurz vor den Wahlen in den Grossen Rat nach. Er ist überzeugt von parteiunabhängiger, lösungsorientierter Politik.

Das Wichtigste in Kürze
- Philipp Roth rückt eine Session vor den Wahlen im Grossrat nach für Stephan Lack.
- Der Schwingsport-Fan setzt auf Fairness, Bodenständigkeit und Ehrgeiz.
- Im Interview sagt er, was er sich im Grossrat und für die Wahlen vornimmt.
Er ist zwar noch nicht vereidigt, aber seit letztem Mittwoch gilt Philipp Roth offiziell als gewählter Grossrat für die FDP. Dies hat der Regierungsrat bestätigt. Roth rückt nach, weil FDP-Grossrat Stephan Lack seinen Rücktritt erklärt hat, beziehungsweise gar nicht mehr Grossrat sein darf: Lack zügelt in den Kanton Freiburg.
Roth sass bis 2024 während zwölf Jahren im Ittiger Gemeinderat und ist Präsident des Gewerbevereins BIO (Bolligen, Ittigen, Ostermundigen). Er arbeitet bei Howden Broking als Business Development Manager, ist verheiratet und Vater zweier Töchter.
Im Interview mit dem BärnerBär erzählt Roth, was er sich als Grossrat und für die kommenden Wahlen vorgenommen hat. Aber auch, welcher Namensvetter ihm lieber ist.

BärnerBär: Wie ist das für Sie, wenn Sie unter diesen etwas kuriosen Umständen auf den letzten Zacken zum Handkuss kommen und für eine Session noch Grossrat werden?
Philipp Roth: Die Nachricht, dass ich in den Grossrat nachrücke, erreichte mich Mitte Dezember und hat mich natürlich gefreut.
Dann folgten viele Überlegungen: Wie reagiert meine Familie? Was sagt mein Arbeitgeber? Wie steht die Partei dazu?
Und: Schaffe ich das zeitlich mit Job und Wahlkampf? Zum Glück kann ich auf ein starkes Netzwerk zählen, das mich bei diesem Vorhaben unterstützt.
BärnerBär: Von Neulingen erwartet man generell, dass sie sich erst einmal zurückhaltend einleben. Oder werden Sie in der kurzen Zeit vor den nächsten Wahlen Vollgas geben?
Roth: Ich bin jemand, der zuhört, reflektiert und sich dann gezielt einbringt. Politik ist für mich kein Schnellschuss, sondern eine Frage von Haltung. Ich strebe keine Show-Vorstösse an, sondern will einen seriösen Beitrag leisten, der Substanz hat und den Kanton weiterbringt.

BärnerBär: Für welche Anliegen werden Sie sich primär einsetzen?
Roth: Als Präsident eines Gewerbeverbands und überzeugter Liberaler liegt mir eine wirtschaftsfreundliche Politik am Herzen. Wir müssen ideologische Scheuklappen ablegen und die Realität in den Blick nehmen.
Der Kanton Bern und insbesondere auch die Stadt Bern müssen der eigenen Wirtschaft Sorge tragen. Das bedeutet auch, dass die Standortbedingungen im Kanton Bern für Unternehmen unbedingt verbessert werden müssen.
BärnerBär: Worauf freut man sich als Neo-Grossrat am meisten?
Roth: Auf die erste Session im Rathaus. Das empfinde ich als grosse Ehre.
Und natürlich auf die vielen spannenden Begegnungen über Parteigrenzen hinweg. Der politische Dialog lebt vom Austausch und ich schätze die Vielfalt der Perspektiven.

BärnerBär: Werden Sie eigentlich oft auf Ihre Namensvetter angesprochen – oder mit ihnen verwechselt? Es gäbe da ja den amerikanischen Erfolgsautor Philip Roth, oder den Kranzschwinger Roth Philipp…
Roth: Wenn ich mit dem Schwingerkönig Stucki Christian telefoniere, melde ich mich jeweils mit «Philipp Roth, nicht der Kranzschwinger». Das ist unser kleiner Running-Gag.
Und ja, ich werde gelegentlich auf beide angesprochen. Natürlich immer mit einem Augenzwinkern. So schreiben mir während der Schwingfeste manchmal einige Kollegen, warum ich den einen oder anderen nicht «gebodigt» habe.

BärnerBär: Welchem von beiden fühlen Sie sich eher zugetan?
Roth: Ich bin eng mit dem Schwingsport verbunden und regelmässig an Kranzfesten. Die Werte des Schwingsports – Fairness, Bodenständigkeit, Ehrgeiz – sprechen mir aus dem Herzen.
Obwohl ich eine Leseratte bin, konnte ich mit den Romanen meines Namensvetters nie viel anfangen. Da bevorzuge ich eher Krimis und andere Geschichten.
BärnerBär: Sie kandidieren auf der Unternehmer-Liste «machen.be» und nicht auf der Hauptliste der FDP-Mittelland-Nord. Aber Sie haben jetzt den Bisherigen-Bonus. Wie schätzen Sie Ihre Wahlchancen ein?
Roth: Dass ich im letzten Moment noch in den Grossen Rat nachgerückt bin, hat mich in meiner Absicht, für die Unternehmer-Liste zu kandidieren, bestärkt. Ich bin überzeugt vom Ansatz, parteiunabhängige, lösungsorientierte Politik von und für Unternehmerinnen und Unternehmer zu machen.
Wir sind ein engagiertes Team, das für wirtschaftliche Vernunft und unternehmerisches Denken einsteht. Die Ausgangslage ist herausfordernd, dessen bin ich mir bewusst. Und genau darin sehe ich auch die Chance, neue Wählerinnen und Wähler zu erreichen. Ich freue mich sehr auf diesen Wahlkampf.
Nachgerückt
Der BärnerBär stellt die neuen Mitglieder im Grossen Rat vor, die noch vor Legislatur-Ende für ihre zurücktretenden Partei-Gschpänli nachrücken. Bereits erschienen sind:
Der Kandersteger Hotelier René Maeder (Mitte)
Der Adelbodner Gemeindeobmann Willy Schranz (EDU)
Die Berner Psychologin Valentina Achermann (SP)
Der Seeländer Arzt und Bauer Jann Bangerter (SVP)
Die Berner Kommunikationsberaterin Milena Daphinoff (Mitte)












