Ist die Zertifikatspflicht ein Impfzwang? Und sollten die Tests gratis bleiben? Diese Fragen wurden in der «Arena» diskutiert.
«Arena»
Cheyenne Wyss liess sich wegen der Zertifikatsplicht an der ZHAW impfen. Für Mitte-Humbel war dies ein freier Entscheid. - SRF, Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • In der «Arena» wurden die Zertifikatspflicht und die Testkosten diskutiert.
  • Mitte-Humble fordert Gratis-Tests für alle unter 25 Jahren.
  • Ein 16-Jähriger findet den Impfdruck durch das Zertifikat gut.

Seit Montag gilt in der Schweiz die Zertifikatspflicht für viele Bereiche des sozialen Lebens. In Restaurants, Bars und Fitnessstudios kommt nur, wer gegen das Coronavirus geimpft, davon genesen oder darauf getestet ist. Die Fronten haben sich deshalb nochmals verhärtet. Grund genug also, das Thema auch noch in der «Arena» auszudiskutieren.

Doch nicht nur für Freizeitaktivitäten wird das Zertifikat benötigt, sondern auch für die Hochschulen. Und aus diesem Grund liess sich die Studentin Cheyenne Wyss, Gast in der «Arena», impfen. «Ich bin geimpft, damit ich meinen Alltag weiterführen kann, es geht nicht um Freizeit, sondern um Alltag und Zukunft.»

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Flavia Wasserfallen, Nationalrätin SP: «Testkosten würden viele Einschränkungen mit sich bringen.»
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Cheyenne Wyss: «: Ich musste mich für das Studium impfen lassen.»
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Lukas Reimann, Nationalrat SVP: «Das geht gar nicht, es gibt ein Recht auf Bildung.»
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Regina Göldi: «Die Zertifikatspflicht ist eine Impfpflicht durch die Hintertüre.»
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Gian Derungs: «Irgendwie müssen wir die Leute dazu bringen, sich impfen zu lassen.»
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Ruth Humbel, Nationalrätin Mitte: «Impfen ist eine moralische Pflicht.»

«Das geht so in diesem Land nicht», poltert SVP-Nationalrat Lukas Reimann. Es gebe ein Recht auf Bildung. Mitte-Nationalrätin Ruth Humbel entgegnet, dass es trotzdem eine freie Entscheidung gewesen sei: «Sie liess sich impfen, um ungehindert Zugang zum Studium zu haben und die Testerei nicht auf sich nehmen zu müssen.»

Konsens in «Arena»: Tests sollen gratis bleiben

Doch die Tests sollen – zumindest Stand jetzt – bald kostenpflichtig werden. Ein gewaltiger Dorn im Auge eines anderen Gasts in der «Arena», denn das treffe Lehrlinge und Studenten am meisten. «Mit dem Zertifikat und den kostenpflichtigen Tests wurde den Jungen endgültig der Stecker gezogen», so Regina Göldi.

Doch zumindest da sind sich die Teilnehmer der «Arena» einig: Tests sollen gratis bleiben. SVP-Reimann fordert dies ebenso wie Flavia Wasserfallen von der SP: «Testkosten sollten noch nicht eingeführt werden, da sie zu viele Einschränkungen mit sich bringen würden», so die Nationalrätin.

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In Bern demonstrierten einige Studierende gegen die Zertifikatspflicht an Hochschulen. - Keystone

Ruth Humbel erklärt, weshalb sie gegen Gratis-Tests war, als diese diskutiert worden waren: «Damals waren wir in einer anderen Situation, das Zertifikat brauchte es nur für den Ausgang und Grossveranstaltungen.» Heute sei man in einer anderen Lage, «der Bundesrat muss mindestens den Personen unter 25 Jahren die Tests bezahlen».

Wyss bezweifelt, dass die Schweiz für einen Testansturm bereit sei, denn sie habe eine Stunde warten müssen. Ab Montag würden dann noch tausende Studenten zum Test müssen. Solche Wartezeiten könne sie als Vollzeit-Studentin mit Nebenjob nicht verkraften. Deshalb sehe sie die Zertifikats- als Impfpflicht.

Mitte-Humbel: «Impfen ist moralische Pflicht»

Auch Göldi hält den Corona-Nachweis für eine «Impfpflicht durch die Hintertüre». Ganz im Gegensatz zu Humbel. Für sie ist die Impfung eine «moralische Pflicht, denn wir wollen alle zusammen aus der Pandemie kommen».

Dass durch das Zertifikat Druck entsteht, findet auch Gian Derungs, doch das sei richtig so. «Denn irgendwie müssen wir die Leute dazu bringen, sich impfen zu lassen», so der 16-jährige Lehrling. Er zerstreut in der «Arena» auch alle Sorgen vor möglichen Langzeitfolgen: «Wenn eine Impfung Nebenwirkungen hat, dann findet man sie in den ersten Monaten und nicht Jahre später.»

Zudem sei das Corona-Vakzin bereits vier Milliarden Mal verabreicht worden und alle hätten genau hingeschaut, ob es Nebenwirkungen gebe. «Langzeitfolgen können praktisch ausgeschlossen werden.» Und die Impfung sei die einzige Lösung, um aus der Pandemie zu kommen.

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