Coronavirus: Juso-Chefin Jansen will weiterhin den Lockdown

    Miguel Pereiro
    Miguel Pereiro

    Bern,

    Juso-Chefin Ronja Jansen kritisiert die derzeitige Strategie der «Schock-Durchseuchung» mit dem Coronavirus und wiederholt ihre Lockdown-Forderung von Dezember.

    Lockdown Coronavirus Jansen Berset
    Juso-Chefin Ronja Jansen (l.) und Gesundheitsminister Alain Berset (r.). - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Bereits im Dezember forderte Juso-Präsidentin Ronja Jansen einen Lockdown.
    • Sie bleibt dabei: «Was wir damals gefordert haben, ist nach wie vor sinnvoll.»
    • Der Aufrechterhaltung des Service Public sei bedroht und die Lage ausser Kontrolle.

    Die Corona-Fallzahlen schossen Ende Dezember regelrecht in die Höhe und die Spitäler warnten vor einer Überlastung. Für Juso-Präsidentin Ronja Jansen führte kein Weg an einem Lockdown vorbei. Sie warf der Landesregierung vor, sich der Realität zu verweigern. In zwei Wochen – also nächsten Mittwoch – würde die Schweiz bei dieser Dynamik bei 200'000 Neuinfektionen stehen.

    Die Fallzahlen sind seither tatsächlich steil angestiegen. Am Montag meldete das BAG 63'647 Infektionen mit dem Coronavirus über das Wochenende, also rund 21'000 pro Tag.

    Coronavirus: Mehr Infektionen, weniger Hospitalisierungen

    Die Vorhersage von 200'000 Fällen ist also nicht eingetroffen. Dies könnte aber auch an der Kapazitätsgrenze von 100'000 PCR-Tests pro Tag liegen. Der Anteil positiver Tests war seit Ausbruch des Coronavirus jedenfalls noch nie so hoch wie letzte Woche.

    natalie rickli coronavirus
    Viel Betrieb wegen des Coronavirus auf der Intensivstation des Triemli-Spitals Zürich. - keystone

    Der Bundesrat orientiert sich für seine Corona-Politik allerdings auf die Lage in den Spitälern. Dort liegen immer weniger Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen. Auch die Zahl der Spitaleinweisungen ist seit über einem Monat rückläufig.

    Ronja Jansen bekräftigt Lockdown-Forderung

    Ronja Jansen jedoch bleibt dabei: «Was wir damals gefordert haben, ist nach wie vor sinnvoll. Es ist absurd, dass nach wie vor Grossveranstaltungen stattfinden und Restaurants und Clubs geöffnet sind. Wir verlangen vom Bundesrat eine Anpassung in den entsprechenden Bereichen», sagt sie auf Anfrage.

    Ronja Jansen Juso Coronavirus
    Juso-Präsidentin Ronja Jansen am 25. August in Bern. - Keystone

    Jansen begründet die Forderung mit den Folgen von Long Covid und den grossen Personalausfällen im Gesundheitssystem und allen Bereichen des Service Publics. «Diese sind auch dann eine riesige Gefahr für unser Zusammenleben, wenn die Zahlen der Hospitalisierten nicht durch die Decke gehen.»

    «Hier ist gar nichts unter Kontrolle»

    Mit der Lockdown-Forderung ist die Juso inzwischen allein auf weiter Flur. Auch ihre Mutterpartei hat sich davon abgewendet. Am Freitag lobte SP-Präsident Cédric Wermuth in der «Arena» die Regierung: «Der Bundesrat hat mit seiner Strategie recht behalten». Schaue man auf die Hospitalisierung als Kriterium, sei die Lage unter Kontrolle.

    Jansen widerspricht der Mutterpartei vehement: «Hier ist gar nichts unter Kontrolle. Wir befinden uns im Blindflug.» Die Hospitalisierungszahlen seien dabei nicht das einzige Kriterium.

    Jansen bleibt dabei: Lockdown im Dezember wäre richtig gewesen

    Die Juso-Chefin ist auch im Nachhinein überzeugt, ein Lockdown sei bereits an Weihnachten absolut gerechtfertigt gewesen: «Wir haben rekordhohe Fallzahlen und das Gesundheitssystem ist nach wie vor am Anschlag. Insbesondere durch die Omikron-basierten Ausfälle, die auch die Aufrechterhaltung des übrigen Service Publics bedrohen. Durch einen Lockdown hätte man die Situation entschärfen können.»

    Braucht es einen erneuten Lockdown?

    Stattdessen befänden wir uns mitten in einer Schock-Durchseuchung mit ungewissen Folgen. «Das Risiko tragen wir alle. Doch insbesondere die Menschen, die dem Coronavirus am stärksten ausgesetzt sind und unsere Gesellschaft unter extrem erschwerten Bedingungen als Bus-Chauffeur*innen, Pfleger*innen oder Lehrpersonen am Laufen halten.»

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