Coronavirus: Deshalb führten manche Impfungen zu Hirnthrombosen
Ein Forschungsteam hat das Rätsel zu Thrombose-Erkrankungen nach Corona-Impfungen gelöst.

Das Wichtigste in Kürze
- Vektor-Impfstoffe lösten während Corona extrem selten Hirnthrombosen aus.
- Eine Immunreaktion führte laut Forschern zu fehlgeleiteten Antikörpern.
- Die Erkenntnisse ebnen den Weg für sicherere Impfstoffe.
Medizinisch selten, medial omnipräsent: Bestimmte Corona-Impfstoffe lösten in manchen Fällen Hirnthrombosen aus.
Betroffen waren ausschliesslich Vektor-Impfstoffe wie Vaxzevria von AstraZeneca und das Präparat von Johnson & Johnson.
Bei mRNA-Impfstoffen traten diese Komplikationen nicht auf. In Deutschland wurden 106 Fälle festgestellt, 21 Menschen starben daran.
Ein internationales Forschungsteam hat nun den Grund entschlüsselt. Seine Studie im «New England Journal of Medicine» dürfte ein Baustein sein, um die nächste Impfstoff-Generation sicherer zu machen.
Seltene Genmutation barg Gefahr
Die Thrombosen entstanden durch eine komplexe Immunreaktion, zeigt die Studie. Das Immunsystem richtete sich gegen das Adenovirus-Protein VII im Impfstoff.
Ein Abschnitt dieses Proteins ähnelt dem menschlichen Plättchenfaktor 4, der bei der Blutgerinnung wichtig ist.
Nur Menschen mit einer bestimmten genetischen Variante entwickelten diese Komplikation. Bei ihnen konnte sich während der Immunreaktion eine Genmutation bilden. Die führte zur Produktion fehlgeleiteter Antikörper.
Durch diese Antikörper entstehen Blutgerinnsel im Gehirn und gleichzeitig ein Mangel an Blutplättchen. Mediziner bezeichnen dies als Thrombose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom (TTS).
«Diese Kombination aus zufälliger Mutation und genetischer Besonderheit kommt ausgesprochen selten vor. Daher ist das Risiko für diese Komplikation sehr gering», erklärt Co-Autorin Linda Schönborn von der Universitätsmedizin Greifswald.
Vom Risiko zur Lösung
Studienleiter Andreas Greinacher sieht grosse Chancen in den Forschungsergebnissen. Der Wissenschaftler: «Jetzt können wir die verantwortliche Stelle im Protein VII des Impfstoffs gezielt verändern und Vektor-Impfstoffe für alle sicherer machen.»
Die EU-Kommission widerrief die Zulassung von Vaxzevria im Mai 2024 auf Antrag von AstraZeneca. Das Unternehmen nannte wirtschaftliche Gründe für den Rückzug.
Auch das Präparat von Johnson&Johnson ist vom Markt verschwunden. Denn während die Nachfrage einbrach, kostete die Zulassung weiter.
Corona-Impfungen verhinderten mehrere Millionen Todesfälle weltweit. Die Ständige Impfkommission empfiehlt bestimmten Personengruppen weiterhin jährliche Auffrischungsimpfungen gegen den Coronavirus.





















