Die Omikron-Variante des Coronavirus bestimmt den Verlauf der Pandemie. Was dies für Landesversorgung, Spitäler und Bevölkerung bedeutet, jetzt live aus Bern.
Point de Presse auf Fachebene mit Experten des Bundes, der Kantone und der Task Force.

Das Wichtigste in Kürze

  • Omikron bestimmt nun den Verlauf der Pandemie in der Schweiz.
  • Die Fallzahlen erreichen dadurch Rekordwerte, die Hospitalisationen sinken zeitgleich.
  • Die Experten von Bund und Wissenschaft informieren über die aktuelle Lage.

Mit der Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus verändern sich die bisher etablierten Muster der Kennzahlen: Während die Fallzahlen täglich neue Rekorde erreichen, sinken die Hospitalisierung- und Todeszahlen.

Die Taskforce warnt allerdings bereits seit Wochen vor den Folgen der hohen Fallzahlen. Diese würden zu vielen Krankheitsfällen und damit auch Arbeitsausfällen in kritischen Bereichen wie dem Gesundheitssytem führen. Ausserdem komme es bei einer weiteren Zunahme zu einer Überlastung der Testkapazitäten.

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Tanja Stadler, Präsidentin der National COVID-19 Science Task Force, links, diskutiert mit Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle beim Bundesamt für Gesundheit BAG, am 11. Januar 2022 in Bern. - Keystone

Deswegen wird in der Politik und in Wirtschaftskreisen viel über die Verkürzung oder Aufhebung der Quarantäne-Regeln diskutiert.

Am wöchentlichen Point de Presse informieren heute Vertreter des Bundes, der Kantone und der Taskforce über die aktuelle Lage.

Dies sind die wichtigsten Punkte:

- Das BAG korrigiert zu Beginn eine Falschmeldung vom Wochenende: «Zur Bestätigung einer Corona-Infektion ist weiterhin ein PCR-Test notwendig», so Virginie Masserey, Leiterin der Sektion Infektionskontrolle.

- Die Taskforce warnt vor einem Worst-Case-Szenario mit 300 IPS-Einweisungen in allein einer Woche. Doch Präsidentin Tanja Stadler relativiert später auch, dass gemäss berechnetem Modell es im besten Falle auch nur 80 Corona-Patienten sein können. Die aktuelle Datenlage lasse keine genaueren Angaben zu. Entsprechend könnten in der Spitzenwoche der Omikron-Welle, die irgendwann im Januar anstehen soll, zwischen 1000 und 10'000 Personen wegen Covid-19 hospitalisiert werden.

- Trotz Horroszenario sagt Stadler, eine Quarantäne-Verkürzung könne ohne grösseres Risiko erfolgen. Konkret würde die Isolation auf fünf Tage sowie die Quarantäne nur für enge Kontakte auf ebenfalls fünf Tage festgelegt werden können. Durch Omikron und der Impfung seien die meisten Infizierten weniger lang ansteckend. Ausserdem liege der Effekt einer Quarantäne bei derart hohen Inzidenzen nur bei rund 5 Prozent.

- Tanja Stadler wagt auch eine optimistische Prognose: Die Corona-Pandemie könnte im Sommer vorüber sein und das Leben einigermassen normal. Bis dann könnten nämlich genügend Menschen immun sein, weil schon einmal angesteckt oder geimpft. Dies aber mit der Einschränkung, dass neue Virus-Varianten die Lage wieder verschärfen könnten.

- Über 70 Prozent der ausgewiesenen Patienten seien auch tatsächlich wegen Covid-19 im Spital, so Masserey. Ein Viertel der Corona-Patienten ist also aus einem anderen Grund eingewiesen worden. Trotzdem seien alle infizierten Patienten für die Einschätzung der Lage in den Spitäler entscheidend. Die Behandlung erfolge nicht unter normalen Bedingungen und brauche dadurch zusätzliche Ressourcen.

Hier finden Sie das Protokoll der Medienkonferenz:

15.30: Wie bewertet Masserey einen Lockdown? Aus epidemiologischer Sicht sei es klar: Wenn alles geschlossen ist und keine Kontakte stattfinden, dann gebe es keine Ansteckungen, so Masserey.

Die Frage sei jeweils, was man in der Zeit mache mit den Massnahmen. Mit Massnahmen könnten die Infektionen gebremst werden. Wenn man die Zeit nutze, um etwa die Bevölkerung zu impfen, dann seien Schliessungen oder andere Massnahmen sinnvoll. Wenn man in dieser Zeit nichts mache, dann verschiebe man das Problem nur auf später, so Stadler.

15.27: Die Modelle zeigen auf, was in Zukunft eintreffen könnte. Doch sie würden genau dazu dienen, die unerwünschten Situationen zu vermeiden. Daher müsse man bei deren Bewertung vorsichtig sein, so die Bewertung von Masserey zu den Szenarien der Taskforce.

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Szenario 1 der Taskforce zur Entwicklung mit Omikron.
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Szenario 2 der Taskforce zur Entwicklung mit Omikron.
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Szenario 3 der Taskforce zur Entwicklung mit Omikron.

15.24: Gibt es noch Bestrebungen des BAG die Zahl der geimpften Personen zu erhöhen? Das BAG empfehle die Impfung natürlich weiterhin, die Informationskampagne laufe weiterhin. Ausserdem diskutiere man über eine Kampagne, um die Booster-Impfung voranzutreiben, so Masserey.

Die grossen Anstrengungen wie in der Impfwoche seien auch auf Seite der Kantone nicht mehr geplant, so Jamnicki.

15.21: «Je höher der Peak, desto kürzer», so Stadler. Daher werde es vor und nach der Extrem-Zahl von 300 IPS-Fällen schnell wieder nach unten gehen. «Ende Februar sollten wir die Welle in den Fallzahlen hinter uns haben.»

15.16: Sei der Zeitpunkt oder die Höhe der erwarteten Zahlen der Spitzenwoche überraschend? Die grosse Unbekannte sei bereits zu Weihnachten gewesen, wie sich die Bevölkerung verhalten werde. Die Kontakte seien aber ziemlich konstant geblieben.

«Ich würde beides nicht als zu überraschend einstufen», so Stadler.

15.12: Erwartet die Taskforce bis zu 10'000 Spitaleinweisungen in der Spitzenwoche? Alles zwischen 1000 bis 10'000 sei plausibel, so Stadler. Die momentanen Daten erlaubten keine präziseren Aussagen.

Die Behandlung der Patienten dürfte sich durch Omikron nicht grundlegend verändern, so Jamnicki.

15.07: «Bei Grossveranstaltungen gilt 2G und Maskenpflicht», so Masserey. Da sie keine Details zum Adelboden-Rennen kenne, kommentiert sie den konkreten Fall nicht.

15.04: Wie sieht es mit Grossveranstaltungen aus? Alle Kontakte, die man von jetzt an bis zum Höhepunkt verhindere, werden helfen, die Spitze zu brechen, so Stadler. Jeder Kontakt trage dazu bei.

Weltcup-Rennen in Adelboden
Zahlreiche Zuschauer – teils mit, teils ohne Schutzmasken – stehen im Zielbereich des Weltcup-Rennens in Adelboden BE. - Keystone

Ob das BAG zufrieden ist mit der Handhabung der Kantone und damit, wie sich die Teilnehmer verhalten, will Masserey nicht kommentieren.

Gemäss den Erfahrungen der Kantonsärztin Jamnicki stecke man sich vor allem bei privaten Anlässen wie Geburtstagsfesten an.

15.00: Bei 300 IPS-Fällen pro Woche wären sehr bald fast alle Plätze rein durch Corona-Patienten belegt, braucht es da nicht eine Verschiebung sämtlicher Wahleingriffe und einen Lockdown?

Die Schätzung der Taskforce – 80 bis 300 IPS-Fälle innert Wochenfrist – mache die Arbeit der Entscheidungsträger extrem schwierig, so Stadler. Ohne zusätzliche Massnahmen seien 80 Fälle zu bewältigen, 300 allerdings nicht.

14.56: Wo müssen wir Engpässe befürchten in den schwierigsten Wochen? Die Privatwirtschaft habe bereits die Pläne, wie die Versorgung gewährleistet werden könne. Es könne punktuell zu Engpässen bei nicht lebensnotwendigen Produkten kommen. «Ich denke, wir sind aber gut versorgt», so Ueli Haudenschild, vom Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung BWL.

14.52: Wann erreichen wir den Höchststand? Könnten wir den schon jetzt erreicht haben? Gemäss Szenarien im Laufe der nächsten zwei Wochen, falls die Kontakte auf dem Niveau von Ende Jahr bleiben.

14.48: Sind Triagen nun also vorprogrammiert? Die Spitäler müssen sich vorbereiten, um die Fälle zu bewältigen, so Masserey.

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Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle BAG, am Point de Presse vom 7. Dezember 2021. - Keystone

«Die Modelle reichen von 80 bis 300 IPS-Einweisungen pro Woche», so Stadler. Bei der unteren Schranke sei die Belastung zu bewältigen und liege im Bereich, was die Spitäler bereits seit Wochen leisten. Doch bei der oberen Grenze werde es schwierig. Hinzu kämen noch die Hospitalisierungen ohne Intensivbehandlung.

14.45: Ja, es werden in einer einzigen Woche bis zu 300 Personen wegen Covid-19 auf der IPS landen, so Stadler auf Nachfrage.

14.42: Masserey schätzt, es könnten am Höhepunkt bis zu 10-15 Prozent der arbeitenden Bevölkerung gleichzeitig in Isolation oder Quarantäne sein, je nachdem wie man die Regeln nun anpassen werde.

14.40: Fünf Quarantäne-Tage für enge Kontakte mache bei der aktuellen Inzidenz Sinn, präzisiert Stadler.

14.38: Kann nun das Covid-Zertifikat fallen? Bringt es noch was, wenn die Fälle so hoch sind und das Contact Tracing überfordert ist?

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Das Coronavirus-Zertifikat in Papierform (Symbolbild). - Keystone

Im Moment wolle man sicher nicht das Ansteckungstempo noch erhöhen, so Stadler. Nach der grossen Omikron-Welle wolle man aber natürlich so wenige Massnahmen wie möglich.

14.35: Die Fragerunde beginnt: Ist die Pandemie im Februar vorüber, nach der Omikron-Welle? Danach sei noch 15-30 Prozent der Bevölkerung noch nicht immun, deshalb könne noch eine weitere Welle ausbrechen. «Der Druck für die ganz schweren Verläufe wird danach fallen», so Stadler. Bis im kommenden Herbst könne der Immunschutz jedoch auch wieder fallen oder es könnten neue Varianten auftauchen.

14.30: Hans-Peter Walser, Armee-Chef Kommando Ausbildung spricht über den Corona-Einsatz. 476 Armee-Angehörigen seien derzeit in acht Kantonen – Aargau, Freiburg, Genf, Jura, Luzern, Neuenburg, Nidwalden und Wallis – im Einsatz. 135 davon leisteten freiwillig Dienst.

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Hans-Peter Walser. - Youtube/BAG

Walser spricht auch über die Rekrutenschule 2022. Mindestens für den Monat Januar gelte eine Ausgangssperre. Ausserdem hat die Armee eine FFP2-Masken-Pflicht eingeführt.

14.25: Marina Jamnicki, Kantonsärztin Graubünden, spricht über die Umsetzung des Contact Tracings und der Quarantäne in den Kantonen.

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Kantonsärztin Marina Jamnicki beim Point de Presse am 11. Januar 2022. - Youtube/BAG

Die Kantone kämpften derzeit mit zwei Problemen: Die hohen Fallzahlen und die lange Wartezeit, bis ein Test-Resultat vorliege. Aus epidemiologischer Sicht sei man deshalb zu spät, bis man die Kontaktpersonen informieren könne.

14.23: Infektionen mit Omikron würden schneller ablaufen, als mit Delta. Auch bei Geimpften würde die Infektion schneller ablaufen. Das bedeute, dass die Quarantäne und die Isolation verkürzt werden könne, ohne das Risiko von Ansteckungen stark zu vergrössern, so Stadler.

Bei einer derart hohen Inzidenz liege die Wirkung der Quarantäne ausserdem nur bei rund 5 Prozent. Da nicht alle Infektionen erfasst werden können, würden sich viele ansteckenden Menschen nicht in der Quarantäne befinden.

14.17: Taskforce-Präsidentin Tanja Stadler präsentiert die neuste Erkenntnisse der Wissenschaft. In der ersten Januar-Woche wurden etwa 150'000 Menschen positiv getestet. Damit habe sich inklusive Dunkelziffer etwa 3,5 bis 5 Prozent der Bevölkerung mit Omikron infiziert.

Bis sich etwa die Hälfte der Menschen entweder mit Omikron infiziert habe oder geboostert sei, werde die Zahl voraussichtlich weiter ansteigen. Danach werde sich die Dynamik dank der Immunität ändern.

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Tanja Stadler, Präsidentin der Corona-Taskforce, warnte bereits letzte Woche vor der Überhand der Omikron-Variante des Coronavirus. - Keystone

Nach einem Modell der Taskforce würden sich jedoch in einer einzigen Woche 10-30 Prozent der Bevölkerung in einer einzigen Woche anstecken. Man müsse deswegen zwischen Infektionen und bestätigten Fällen unterscheiden. Dies, weil die Testkapazitäten nicht alle erfassen könnten.

Für das Gesundheitssystem bedeute das eine grosse Belastung. Für die Woche des Höhepunkts der Omikron-Welle erwarte man bis zu 300 IPS-Einweisungen in einer Woche und mehrere Tausend Spitaleinweisungen.

14.15: Masserey korrigiert ein «Missverständnis der Medien» vom Wochenende. «Zur Bestätigung einer Corona-Infektion ist weiterhin ein PCR-Test notwendig.»

14.10: Bei den Neuansteckungen mit der Omikron-Variante dürfte es nach Einschätzung des BAG eine hohe Dunkelziffer geben. Auf eine erhebliche Zahl unentdeckter Fälle weise unter anderem die hohe Positivitätsrate bei den Tests hin, so Masserey. Zudem gerate das Test- und Laborsystem an seine Grenzen und es sei mit asymptomatischen Fällen zu rechnen.

14.00: Virginie Masserey, Leiterin der Sektion Infektionskontrolle des BAG, liefert zu Beginn einen Überblick über die aktuelle Lage. Die Entwicklung werde nun von der Omikron-Variante bestimmt. Der Anstieg der Fallzahlen der letzten Woche habe ein neues Ausmass in dieser Pandemie angenommen.

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Überblick über die Corona-Zahlen bis am 11. Januar 2022. - BAG

Die Zahl der Spitaleinweisungen weise eher auf eine Stabilisierung hin, als auf den in der Grafik dargestellte Rückgang, so Masserey. Es sei noch mit vielen Nachmeldungen zu rechnen. Die Mehrheit der Patienten sei ungeimpft.

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Die Lage in den Spitälern. - BAG

Auch wenn nicht alle Corona-Patienten wegen einer Covid-19-Erkrankung hospitalisiert würden, seien sie für die Einschätzung der Lage in den Spitäler trotzdem entscheiden. Die Behandlung erfolge nicht unter normalen Bedingungen und brauche dadurch zusätzliche Ressourcen. Ausserdem könnte das Coronavirus die eigentliche Erkrankung erschweren.

Über 70 Prozent der ausgewiesenen Patienten seien auch tatsächlich wegen Covid-19 im Spital. Ein Viertel der Corona-Patienten ist also aus einem anderen Grund eingewiesen worden.

Folgende Fachleute nehmen teil:

- Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle, Bundesamt für Gesundheit BAG

- Hans-Peter Walser, Korpskommandant, Chef Kommando Ausbildung, Armee

- Ueli Haudenschild, Mitglied der Geschäftsleitung, Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung BWL

- Tanja Stadler, Präsidentin, National COVID-19 Science Taskforce

- Marina Jamnicki, Kantonsärztin Graubünden, Vorstandsmitglied der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte VKS

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