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Von Salt angedreht: Seniorin (92) hat fünf Handyverträge

Sina Barnert
Sina Barnert

Bern,

In Bern locken Mitarbeitende von Salt Senioren in Abofallen. Das hat System und beschert den Abo-Verkäufern saftige Provisionen – auf Kosten der Kundschaft.

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In der Salt-Filiale am Bärenplatz in Bern versuchen Mitarbeitende, Senioren Handyverträge aufzuschwatzen. - SRF «Kassensturz»

Das Wichtigste in Kürze

  • Salt-Mitarbeitende locken in einer Berner Filiale Senioren in Abofallen.
  • Eine 92-jährige hat deswegen fünf Handyverträge und vier Handys sowie fünf Musikboxen.
  • Für den Ombudsmann ist klar: In der Filiale wurden Senioren über den Tisch gezogen.

Wer am Berner Bärenplatz in die Filiale von Telekom-Anbieter Salt geht, muss sich hüten.

Denn dort locken Mitarbeitende Kunden teilweise mehrfach in Abofallen. Auch dann, wenn diese lediglich für eine Auskunft oder mit einem Problem in den Shop kommen.

Besonders von der Masche betroffen: Senioren, die in Telekom-Fragen nicht so versiert sind. Oder wegen ihrer Gesundheit Mühe haben, die Abofallen abzuwehren.

Umstände, die sich die Mitarbeitenden zunutze machen. Und älteren Menschen teils unglaubliche Angebote andrehen.

Salt lässt Kundin in Abofalle tappen

So beispielsweise der 92-jährigen Elisabeth Lange. Sie will zu Salt wechseln, um Geld zu sparen. Doch es kommt alles ganz anders, wie der «Kassensturz» berichtet.

Statt zu sparen, zahlt Lange ordentlich drauf. Denn die Seniorin wird von Salt zu einer Strafzahlung verdonnert. Und ist zusätzlich in eine gewaltige Abofalle getappt, die sie monatlich nun 200 Franken kostet.

Bist du schon einmal in eine Abofalle getappt?

Doch wie konnte das passieren?

Bei ihrem Wechsel zu Salt liess sich Lange einen Handy-, Internet- und TV-Vertrag machen. Und überliess es dem Telekom-Anbieter, ihr altes Abo bei der Konkurrenz zu kündigen.

Dies passierte aber nicht. Stattdessen kündigte Salt der Seniorin den neuen Internetvertrag, weil noch ein alter bestand. Kostenpunkt dafür: Knappe 500 Franken.

Fünf Handyverträge, vier Handys und fünf Musikboxen

Und auch mit dem Handy-Abo gab es gewaltige Probleme. Als die 92-Jährige wegen Problemen mit ihrem Smartphone in die Filiale am Bärenplatz geht, wird ihr nicht geholfen.

Die Mitarbeitenden schwatzen der Seniorin stattdessen weitere Handyabos auf. Am Ende verfügt Lange über fünf Handyverträge. Dazu bekommt die Seniorin vier Handys und fünf Musikboxen von Salt, die sie gar nicht braucht.

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Die 92-jährige Elisabeth Lange tappte bei Salt in eine Abofalle. - SRF «Kassensturz»

Lange erklärt: «Ich hatte nur eine Frage zu meinem Telefon.» Doch anstatt diese zu beantworten, hätten die Mitarbeitenden gleich Papiere hervorgeholt.

«Es wurde gesagt, dass ich nur unterschreiben könne. Dann sei das Problem gelöst», so Lange. Dann hätten die Mitarbeitenden die Papiere nur leicht verschoben und sie zu weiteren Unterschriften gedrängt.

Tochter von dementem Senior beschwert sich

Eine Praxis, die in der Filiale offenbar öfter vorkommt. So auch im Fall eines dementen und schwerhörigen Seniors, wie seine Tochter Regina Bühler dem «Kassensturz» berichtet.

Auch er habe sich im Shop am Bärenplatz in Bern lediglich Hilfe für ein Problem erhofft.

Bist du Kunde von Salt?

Stattdessen hätten ihm die Mitarbeitenden jedoch fünf neue Handyverträge und fünf neue Handys angedreht. Zudem wird auch noch ein neues Internet- und TV-Abo für ihn abgeschlossen.

Dagegen wehrt sich die Tochter. Sie besucht die Filiale mehrfach und wendet sich an den Kundendienst.

Senioren wurden «über den Tisch gezogen»

Doch erst eine Beschwerde bei der zuständigen Ombudsstelle lässt Salt schliesslich einlenken.

Ombudsmann Oliver Sidler erklärt, die Mitarbeitenden von Salt hätten das Alter und die Unerfahrenheit der Senioren ausgenutzt.

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Für Oliver Sidler ist klar: Senioren wurden «über den Tisch gezogen». - SRF «Kassensturz»

«Man hat ihnen Verträge untergejubelt, die sie gar nicht gewollt haben.» Man könne davon ausgehen, dass die betroffenen Senioren «über den Tisch gezogen» worden seien.

Und auch Salt selbst räumt ein: «Nach heutiger Prüfung ist klar, dass in den betreffenden Fällen Fehler gemacht wurden. Das hätte nicht passieren dürfen und entspricht nicht unseren Beratungsstandards.»

Kommentare

User #1795 (nicht angemeldet)

Ich finde man sollte wieder die Flatraten für Internet abschaffen.

User #5925 (nicht angemeldet)

Schweiz ist bekannt für gesalzene Rechnungen. Frechheit!

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