SRF: Kanada-Auswanderer arbeiten 65 bis 70 Stunden pro Woche
SRF hat die Familie Steinmann in Kanada besucht. Ein Jahr nach dem Auswandern gesteht Bäuerin Tamara: Es gibt jeden Tag einen Grund, zurückzugehen.

Das Wichtigste in Kürze
- SRF hat die Familie Steinmann auf ihrer Farm in Kanada besucht.
- Ein Jahr ist vergangen, seitdem sie in der Schweiz alles aufgegeben haben.
- In ihrer neuen Wahlheimat kämpfen sie noch immer mit Herausforderungen.
Die Familie Steinmann hat sich ihren Traum erfüllt: Tamara und Adrian sind mit ihren beiden Töchtern nach Kanada ausgewandert. Um das zu verwirklichen, mussten sie ihren Bauernhof im Neuenburger Jura aufgeben – all ihre Tiere und Maschinen haben sie damals verkauft.
In Kanada wollen die Steinmanns einen bestehenden Hof erwerben. Doch bevor sie den Betrieb kaufen können, werden sie zwei Jahre lang vom Besitzer angestellt.
SRF begleitete die vierköpfige Familie damals bei dem Auswanderungsabenteuer. Und hat sie jetzt, ein Jahr später, erneut besucht.
Farm gehört noch immer nicht den Steinmanns
Auf ihrem neuen Hof in der kanadischen Provinz Quebec haben sich die Steinmanns mittlerweile gut eingelebt. Doch die vergangenen Monate waren nicht immer einfach.
Tamara vergleicht es mit dem Leiterspiel: Es geht zwar aufwärts – Doch manchmal fällt man auch wieder ein paar Schritte zurück.

Zur Erinnerung: Die neue Farm der Steinmanns kämpfte anfangs mit einem Hygieneproblem. In der Folge drohte ihnen sogar eine Milchsperre. Hinzu kam, dass ihr Chef Martin aus gesundheitlichen Gründen zunehmend ausfiel.
Doch Tamara und Adrian haben es geschafft: Mittlerweile ist die Milchqualität des Betriebs viel besser – und die Kühe geben sogar mehr Milch. Der Viehbestand konnte dadurch reduziert werden, das spart Geld.
Allerdings profitieren davon zurzeit noch immer nicht die Steinmanns, sondern die aktuellen Eigentümer der Farm. Die leben zwar noch auf dem Hof, haben sich aus dem Tagesgeschäft aber komplett zurückgezogen.
Kanada-Auswanderer bewirtschaften Hof allein
Heisst: Adrian und Tamara müssen sämtliche Arbeiten auf dem Hof ganz allein bewältigen. Das summiert sich: 65 bis 70 Stunden schuften die Schweizer auf der Farm in Kanada pro Woche! Freizeit haben sie kaum noch.
Wann genau sie den Betrieb definitiv übernehmen können, das wissen die Steinmanns zurzeit nicht. Wegen Migrationsproblemen verzögerte sich der Prozess. «Dauert es ein halbes Jahr, dauert es ein Jahr – aktuell wissen wir es nicht», sagte Adrian.
Im vergangenen November wurde ihr Immigrationsprogramm nun jedoch eingestellt. Was das genau für die Familie bedeutet, ist offen.
Tamara würde nicht mehr auswandern
Fest steht nur eines: Den Steinmanns wird es nicht leicht gemacht. «Manchmal fragst du dich schon: Warum tust du dir das an?», gesteht Tamara offen. Und auch Adrian offenbart, mental an seine Grenzen gekommen zu sein.
Ihren Traum möchten sie trotz Herausforderungen aber nicht aufgeben. Adrian räumt jedoch ein: «Auswandern ist für Leute, die wollen und Biss haben. Sonst bleibst du lieber in der Schweiz.»

Ergänzend dazu sagt Tamara: «Es gibt jeden Tag irgendeinen Grund, zurückzugehen. Aber wenn du dann zwei hast, die sagen: ‹Nein, ich komme nicht mehr mit›, dann ja.»
Für sie steht fest: «Wenn man im Vornherein wüsste, was alles auf einen zukommt, dann würde ich es sicher nicht mehr machen.»
Sie habe auch nie gedacht, dass sie überhaupt mal auswandern werde. Trotz aller Strapazen meint die Bäuerin rückblickend aber: «Ich glaube, es ist gut, dass ich es gemacht habe.»


















