SRF nennt neu Nationalität von Tätern – kurz vor Abstimmung
Kurswechsel beim Schweizer Fernsehen: Straftäter sollen künftig klarer benannt werden, inklusive Herkunft.

Das Wichtigste in Kürze
- SRF nennt ab sofort die Nationalität von Tätern, Opfern und Verdächtigen.
- Auslöser war die Kritik nach der Geiselnahme in Yverdon durch einen Asylbewerber.
- Die Ombudsstelle stützte die Beschwerde wegen fehlender Angaben zur Herkunft.
Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) ändert seine Praxis: Künftig wird bei Straftaten die Nationalität der Täter, Opfer und Tatverdächtigen konsequent genannt.
Das geht aus einer internen Mitteilung an die SRF-Angestellten hervor, wie «CH Media» berichtet.
Reaktion auf Kritik und Ombudsstelle
Auslöser war ein Vorfall im Februar 2024: Ein 32-jähriger Asylbewerber aus dem Iran nahm in einem Zug bei Yverdon-les-Bains 13 Geiseln, bedrohte sie mit Axt und Messer.
Die Polizei erschoss ihn beim Zugriff. Während Polizei und Medien die Herkunft nannten, blieb sie in ersten SRF-Berichten unerwähnt.
Daraufhin wurde bei der Ombudsstelle der SRG eine Beschwerde eingereicht – und gutgeheissen. Die Instanz betonte, dass sachgerechte Berichterstattung nicht nur Diskriminierung vermeiden, sondern auch wesentliche Fakten zur Einordnung liefern müsse.
Leitlinie angepasst – mit fraglichem Timing
Mit einiger Verzögerung passt SRF nun die publizistische Leitlinie an: Man wolle sich an «journalistische Realitäten» anpassen, heisst es intern. Künftig solle die Nationalität genannt werden, ohne Abwägung im Einzelfall.
Der Entscheid fällt drei Wochen vor der Volksabstimmung über die SRG-Initiative «200 Franken sind genug». SRF betont, der Zeitpunkt sei zufällig. «Ein Zusammenhang mit der bevorstehenden Abstimmung besteht nicht.»
SVP jubelt, SP warnt
SVP-Nationalrat Benjamin Fischer begrüsst die Wende: «Auch die Journalisten von SRF sollen sagen, was ist.»
Fischer setzt sich politisch dafür ein, dass die Herkunft standardmässig in Polizeimeldungen genannt wird. Der Nationalrat hat seinen Vorstoss bereits gutgeheissen.
SP-Nationalrätin Tamara Funiciello kritisiert den Schritt scharf: «Vereinfachte Stereotypen zu verbreiten, schützt niemanden – ausser die Täter, die nicht dem Stereotyp entsprechen, das propagiert wird.» Gewalt sei komplex, Herkunft nur ein möglicher Aspekt unter vielen.
Auch Polizei im Fokus
Die Frage nach der Nennung von Herkunft und Nationalität bewegt auch Polizeibehörden. In Zürich wurde dies zeitweise aus politischen Gründen unterlassen.
Nach einem Volksentscheid gilt heute: Die Herkunft wird genannt, nicht aber ein allfälliger Migrationshintergrund bei Schweizer Staatsbürgern.
Zuletzt wollte das Bundesamt für Polizei gar die Hautfarbe aus dem Fahndungssystem streichen. Nach Kritik lenkte Justizminister Beat Jans (SP) ein. Nun zieht auch das Schweizer Fernsehen nach.

















