Schwules Paar aus SRF: Leihmütter sind «Teil unserer Familie»
Die Leihmutterschaft von Jens Spahn sorgt für Diskussionen. Ein schwules Berner Paar, das sich von TV-Kameras begleiten liess, spricht nun.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Leihmutterschaft von CDU-Politiker Jens Spahn entfachte eine hitzige Debatte.
- Das Berner Paar Raphael und Ciccio hat ihre Kinder ebenfalls dank einer Leihmama bekommen.
- Sie wurden bei «SRF bi de Lüt» zum Publikumsliebling.
Die Leihmutterschaft von CDU-Politiker Jens Spahn und seinem Ehemann Daniel Funke sorgt für hitzige Debatten.
Weil Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist, wurde ihr Sohn Georg in den USA von einer Leihmutter ausgetragen.
Dass ausgerechnet Spahn, dessen Partei am Verbot in Deutschland festhält, diesen Weg wählte, löste heftige Kritik aus. Und befeuerte die Diskussion über Leihmutterschaft erneut. Spahn trat schliesslich zurück.
Auch in der Schweiz bewegt das Thema.
Ein Paar aus Bern kennt die Debatte nur zu gut. Im Schweizer Fernsehen liess es das Publikum an seinem Weg zur Familie teilhaben. Und eroberte dabei die Zuschauerherzen.
Berühmtes Berner-Pärli
Raphael und Ciccio Ravi-Pinto wurden 2020 durch die Sendung «SRF bi de Lüt: Familiensache» bekannt. Das schwule Paar wünschte sich nichts sehnlicher, als eine Familie zu gründen.
Hunderttausende Zuschauer begleiteten den Flugbegleiter und den Informatiker bei ihrer Reise in die USA zu ihrer Leihmutter. Heute sind die beiden Väter von drei Kindern: Tochter Gaia und die Zwillinge Zeno und Giada. Sie wurden von zwei verschiedenen Leihmüttern ausgetragen.

Denn: Gleichgeschlechtliche Paare durften damals in der Schweiz keine Kinder adoptieren. Eine Leihmutter war also ihre einzige Möglichkeit, eine Familie zu gründen.
Zur Erklärung: Der Leihmutter werden dabei eine anonyme Eizelle und der Samen eines der Männer eingepflanzt.
Im Handumdrehen zu Publikumslieblingen
Das Schicksal des Paares machte die beiden im SRF-Quotenhit zu Publikumslieblingen. Die letzte Folge verfolgten 539'000 Menschen, zum Staffelauftakt im Januar waren es sogar 609'000.
Die aktuelle Debatte rund um die Leihmutterschaft verfolgen Raphael und Ciccio aufmerksam.
Gegenüber Nau.ch betonen sie nun, wie wichtig eine sachliche Diskussion sei: «Leider hören wir noch immer viele unwahre Behauptungen und sehr viel Halbwissen.»
Oft werde über die betroffenen Menschen gesprochen, «aber viel zu selten mit ihnen».

Deshalb sollten insbesondere Leihmütter und die durch Leihmutterschaft geborenen Kinder stärker einbezogen werden, findet das Paar: «Wie sie ihre Erfahrungen wahrnehmen, wie sie sich fühlen und welche Beziehungen daraus entstanden sind.»
Ihre Stimmen gehörten ebenso in die Debatte wie jene der Wunscheltern.
Die Berner Papis sprechen auch die rechtlichen Unsicherheiten an, die betroffene Familien stark belasten könnten: «Grundsätzlich würden wir deshalb eine klar geregelte Form der Leihmutterschaft in der Schweiz begrüssen.»
«Nicht ins Ausland verdrängen»
Ein pauschales Verbot – wie es in der Schweiz der Fall ist – verhindere Leihmutterschaft nicht. Stattdessen zwinge es viele Menschen dazu, den Weg ins Ausland zu gehen.
Gerade das sei ein weiteres Argument dafür, Leihmutterschaft nicht einfach ins Ausland zu verdrängen: «Sondern über eine klar geregelte Möglichkeit in der Schweiz zu diskutieren.»

Ihr Wunsch: Transparente gesetzliche Rahmenbedingungen, die die Rechte, die Selbstbestimmung und den Schutz aller Beteiligten sicherstellen. «Dabei muss selbstverständlich sichergestellt werden, dass keine Frau unter Druck gesetzt oder ausgebeutet wird.»
«Teil unserer Familie»
Bis heute pflegt die fünfköpfige Familie engen Kontakt zu ihren Leihmüttern.
Für Ciccio und Raphael waren ihre «Bauchmamis» nämlich nicht einfach Frauen, die ihnen bei der Erfüllung ihres Kinderwunschs halfen: «Sie sind Teil unserer Familie geworden und werden unsere Kinder und uns ein Leben lang begleiten.»

Persönliche Besuche seien wegen der grossen Distanz jedoch selten. «Dank der heutigen technischen Möglichkeiten können wir uns aber regelmässig sehen und am Leben des jeweils anderen teilhaben.»
Und die Berner können versichern: Bei ihnen herrscht das gleiche Grossfamilien-Chaos wie bei allen anderen. «Wir sind eine fünfköpfige Familie und erleben grundsätzlich dieselben schönen, chaotischen, anstrengenden und manchmal völlig absurden Momente wie andere Familien.»
Genau das sei ihnen wichtig: «Abgesehen davon, wie unsere Kinder entstanden sind, unterscheiden wir uns im Familienalltag nicht von anderen Familien.»
Für die beiden steht aber fest: Die Familienplanung ist abgeschlossen. «Mit unseren drei Kindern haben wir bereits mehr bekommen, als wir uns je erhofft hatten. Wir fühlen uns unglaublich beschenkt und sind sehr glücklich mit unserer Familie, so wie sie heute ist.»





















