«Enttäuschend»: SRF macht Lehrer vor Abstimmung sauer
Eine SRF-Satireshow nimmt in einem Post eine angehende Lehrerin auf die Schippe. Für manche Lehrpersonen ist dies ein doppelter Schlag ins Gesicht.
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Das Wichtigste in Kürze
- SRF parodiert eine PH-Studentin – kurz vor der Abstimmung über das Lehrpersonalgesetz.
- «Als Sekundarlehrperson finde ich diesen Beitrag von SRF enttäuschend», schreibt ein User.
- SRF verteidigt den Beitrag von «Studio 404».
PH-Studentin Sandra – sie nennt sich «Sändle» – geht die Prüfung in die Hose. Verkrampft haut sie im Fach Musik in die Gitarrensaiten.
Auch bei der Mathematik scheint es zu hapern. «Das gibt zusammen … äääh … zwei», singt sie. Vermutlich kämpft sie gerade mit dem Kinderlied «Mini Farb und dini».
Später fordert der Dozent sie auf, ihre Prüfung zu reflektieren. «Es ist viel Stoff. Von Erziehungswissenschaften bis interaktive Lernpädagogik ist wirklich alles dabei», antwortet sie. Zu sehen ist, wie sie eine Blume ausmalt und einen unbeholfenen Purzelbaum macht.
«Ziemlich befremdlich»
Als der Dozent fragt, wie sie mit einem verhaltensauffälligen Kind umgehe, reagiert die angehende Lehrerin überfordert. Nach kurzem Stocken antwortet sie wie aus der Pistole geschossen: «Ritalin».
Zum Schluss bläut der Dozent «Sändle» und weiteren PH-Studierenden ein, dass Ferien keine Ferien seien. «Unterrichtsfreie Zeit», wiederholt die Klasse danach brav im Chor.
Die Szenen stammen aus einem Instagram-Video der SRF-Satireshow «Studio 404». Das Video hat über 4000 Likes bekommen. Gar nicht zum Lachen finden Lehrpersonen die Parodie.
«Als Student an der PH finde ich diese Darstellung ehrlich gesagt ziemlich befremdlich», schreibt ein User in den Kommentaren. Das Video blende den Kontext der Aufträge von Lehrpersonen aus und gebe einzelne Sequenzen der Ausbildung der Lächerlichkeit preis. «Dies finde ich gerade von einem überwiegend aus der Medienabgabe finanzierten Medienhaus mit Service-public-Auftrag ausgesprochen fragwürdig.»
Ein User schliesst sich an. «Als Sekundarlehrperson finde ich diesen Beitrag von SRF enttäuschend», schreibt er. Satire dürfe überspitzen, aber hier würden seiner Meinung nach vor allem bestehende Klischees über den Lehrberuf verstärkt.
«Fünf Tage vor der Abstimmung»
Am Sonntag stimmt der Kanton Zürich über das Lehrpersonalgesetz ab. Die Vorlage fordert, dass Lehrpersonen höhere Zeitgutschriften erhalten, um den Unterricht vor- und nachzubereiten. Auch sollen sie administrativ entlastet werden.
Die Befürwortenden argumentieren mit der erhöhten Belastung und den Zusatzaufgaben, welche die Lehrpersonen übernehmen müssen.
Für manche Lehrpersonen ist das Video ein doppelter Schlag ins Gesicht. «Fünf Tage vor den Abstimmungen ein solches Video von SRF zu sehen, finde ich einfach traurig», schreibt ein User.
Ein Lehrer bezeichnet den Sketch als «funny». Er bittet SRF aber, solche Sketches nächstes Mal erst nach der Abstimmung zu zeigen.
Es bestehe kein Zusammenhang
SRF wollte mit der Parodie jedoch nicht auf die anstehende Abstimmung abzielen.
Die Themenwahl bei «Studio 404» erfolge nach redaktionellen Kriterien des Formats, sagt SRF-Mediensprecherin Nadine Gliesche auf Anfrage. «Das Video wurde unabhängig von der bevorstehenden Abstimmung produziert und veröffentlicht.»
Es bestehe keinerlei Zusammenhang mit der Abstimmungsvorlage, die entsprechenden Themen seien nicht Gegenstand des Videos.
«Weil Satire bewusst zuspitzt»
Eine Entschuldigung oder Ähnliches dürfen die eingeschnappten Lehrpersonen nicht erwarten.
Satire werde unterschiedlich wahrgenommen und könne Diskussionen auslösen, sagt Nadine Gliesche. Es gebe immer wieder Menschen, die sich durch eine Darstellung nicht oder nur unzureichend repräsentiert fühlten. «Gerade weil Satire bewusst zuspitzt.» Gleichzeitig gehöre es zum Wesen der Satire, mit Übertreibungen und Klischees zu arbeiten.
Die Mediensprecherin macht darauf aufmerksam, dass SRF Rückmeldungen aus dem Publikum grundsätzlich ernst nehme. Da der satirische Charakter des Formats für das Publikum erkennbar ist, sieht das Medienhaus keinen Handlungsbedarf.
Klischees und deren bewusste Überhöhung seien ein Stilmittel, sagt die Gliesche. «Das auch bei Sketches über andere Berufsgruppen, soziale Milieus oder Kantone und deren Bewohnende angewandt wird.» Der Beitrag sei Teil eines Comedy-Formats und keine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Lehrerberuf oder der Ausbildung von Lehrpersonen.
Eine Userin schreibt denn auch: «Ich bin auch Lehrerin, finde das aber sehr lustig. Wir müssen doch Humor in diesem Beruf bewahren.»



















