Chronoworking: Arbeit nach der inneren Uhr

    Marcel Winter
    Marcel Winter

    Bern,

    Die meisten Menschen arbeiten gegen ihre innere Uhr. Chronoworking will das ändern. Doch klappt die Arbeit damit wirklich besser?

    Arbeit
    Nach der inneren Uhr zu arbeiten fordert oft viel Konzentration. - Depositphotos

    Das Wichtigste in Kürze

    • Nicht alle Menschen sind um acht Uhr morgens wirklich leistungsfähig.
    • Chronoworking verspricht Abhilfe, doch der Alltag setzt klare Grenzen.
    • Wer sich auf die innere Uhr einlässt, kann produktiver arbeiten.

    Unser Wecker klingelt um halb sechs, die erste Sitzung startet um acht Uhr, doch die Konzentration meldet sich erst gegen elf. Das kommt Ihnen bekannt vor? Dann könnte das folgende Thema vielleicht Abhilfe schaffen.

    Genau hier setzt Chronoworking an: Es beschreibt einen Ansatz, bei dem sich die Arbeitszeiten stärker am individuellen Chronotyp orientieren. Dabei ist entscheidend, zu welcher Tageszeit eine Person besonders wach und leistungsfähig ist.

    Können Sie sich beim Arbeiten gut konzentrieren?

    Was hinter dem Begriff steckt

    Die Grundlage liefert die Chronobiologie, die biologische Rhythmen untersucht. Jeder Mensch trägt eine innere Uhr, die unter anderem Schlaf, Blutdruck, Hormonspiegel und Wachheit über den Tag hinweg beeinflusst.

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    Arbeit: Unsere innere Uhr steuert unseren Schlaf sowie das Aufstehen und andere Aktivitäten. - Depositphotos

    Diese Uhr tickt nicht bei uns allen gleich, weshalb Fachleute grob zwischen Frühtypen, Spättypen und einer grossen Gruppe dazwischen unterscheiden. Am Zentrum für Chronobiologie der Universität Basel wird seit Jahren untersucht, wie etwa Licht diesen Rhythmus beeinflusst.

    Chronoworking hat das Ziel, anspruchsvolle Aufgaben möglichst in jene Stunden fallen, in denen die Konzentration leichter fällt.

    Schlechter Schlaf ist nicht gut für die Arbeit

    Wie das Bundesamt für Statistik 2024 festhält, berichtete 2022 ein Drittel der Bevölkerung ab 15 Jahren über Schlafstörungen.

    26 Prozent hatten mittlere Beschwerden, sieben Prozent fielen gemäss dem verwendeten Indikator in die Kategorie der pathologischen Schlafstörungen.

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    Schlechter Schlaf kann unseren gesamten Tag durcheinanderbringen. - Depositphotos

    Gegenüber 1997 nahm der Gesamtanteil um fünf Prozentpunkte zu. Besonders deutlich war der Anstieg bei Frauen und jungen Menschen zwischen 15 und 39 Jahren.

    Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, welchen Anteil unpassende Arbeitszeiten daran haben. Schlafprobleme können viele Ursachen haben. Arbeitszeiten, Arbeitsbelastung und Erwartungen an die Erreichbarkeit sind mögliche Ansatzpunkte für Betriebe.

    Arbeit: Zwischen den Typen

    Frühtypen werden morgens früh wach und sind abends entsprechend früher müde. Bei Spättypen verschiebt sich dieser Rhythmus nach hinten.

    Die meisten Menschen liegen zwischen diesen beiden Polen. Zudem verändert sich der Chronotyp im Lauf des Lebens. In der Jugend verschiebt er sich meist nach hinten, im höheren Alter wieder nach vorne.

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    Der Chronotyp verändert sich im Laufe des Lebens. - Depositphotos

    Der Chronotyp wird durch genetische Faktoren mitbestimmt. Aber auch durch Alter und Umwelteinflüsse wie Licht geprägt. Nimmt man jetzt beispielsweise einen falschen Job an, wo die innere Uhr wieder durcheinandergebracht wird, kann das zu Problemen führen.

    Was Betriebe ändern können

    Eine Möglichkeit für Betriebe etwas zu ändern, wäre, gemeinsame Besprechungen auf den späten Vormittag zu legen und ausserhalb dieser Zeiten mehr Spielraum zu lassen. Frühtypen könnten anspruchsvolle Aufgaben bereits vorher erledigen, Spättypen eher später am Tag.

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    In Betrieben können bereits kleine Veränderungen, wie das Verschieben von Meetings, grosse Auswirkungen haben. - Depositphotos

    Die Erreichbarkeit muss verlässlich geregelt sein, damit die Zusammenarbeit funktioniert. Ebenso braucht es klare Grenzen für den Feierabend und Absprachen zu Stellvertretungen.

    Wo das Modell an Grenzen stösst

    Nicht jede Tätigkeit lässt sich zeitlich verschieben. Im Gesundheitswesen, im Detailhandel, im Gastgewerbe und im Verkehr gibt der Betrieb einen grossen Teil des Takts vor.

    Völlig ausgeschlossen ist eine Berücksichtigung des Chronotyps deshalb nicht. Der Spielraum hängt jedoch von der Personalplanung und den betrieblichen Anforderungen ab.

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    Nicht in jedem Beruf lässt sich das Modell entsprechend anwenden, oder verschieben. - Depositphotos

    Wer spät startet, gilt in manchen Betrieben noch immer als weniger engagiert. Ohne Rückendeckung der Führung dürfte es deshalb schwierig werden, andere Arbeitsrhythmen im Alltag zu akzeptieren.

    Kein Wundermittel

    Chronoworking ist kein Wundermittel und ersetzt keine gute Organisation. Der Ansatz verändert die Verteilung der Arbeitszeit, ohne das Pensum zu reduzieren. Wer überlastet ist, bleibt es auch mit einem angepassten Zeitplan. Als Ergänzung zu bestehenden Gleitzeitmodellen lässt sich die Idee jedoch erproben.

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    Chronoworking muss kein Wundermittel sein, kann aber im Alltag helfen. - Depositphotos

    Für den Anfang kann es helfen, zwei Wochen lang zu notieren, wann Konzentration und Müdigkeit auftreten.

    Das liefert zwar erste Hinweise auf persönliche Muster, bestimmt aber noch nicht zuverlässig den Chronotyp. Die Beobachtungen lassen sich anschliessend im Team besprechen.

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