Schweizer Technologie: Tech-Sektor schwächelt – fehlt Innovation?
Die Schweizer Technologie-Industrie kommt nicht vom Fleck – über die Gründe herrscht Uneinigkeit.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Schweizer Tech-Industrie verzeichnet 2025 stagnierende Umsätze und Exporte.
- Swissmem macht vor allem schwache Auslandsmärkte und hohe Zölle verantwortlich.
- Eine neue Studie sieht dagegen strukturelle Probleme bei der Innovationskraft.
Die Schweizer Tech-Industrie hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Laut dem Branchenverband Swissmem stagnierten 2025 die Umsätze (-0,3 Prozent). Auch die Exporte legten kaum zu (+0,7 Prozent). Besonders stark war der Rückgang in den USA (-7,6 Prozent) und in China (-11,2 Prozent). Einzig der EU-Markt entwickelte sich positiv (+3,5 Prozent).
Swissmem spricht von einem «verlorenen Jahr». Präsident Martin Hirzel verweist auf hohe US-Zölle, geopolitische Unsicherheiten und eine weltweit zurückhaltende Investitionstätigkeit. Der starke Franken belaste zusätzlich. Zwar haben sich die Auftragseingänge im zweiten Halbjahr leicht verbessert. Die Kapazitätsauslastung der Betriebe liegt mit 81,5 Prozent aber weiterhin deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Zudem gingen 6’600 Stellen verloren.
Für Swissmem ist klar: Die Probleme sind vor allem konjunkturell. Die Industrie sei grundsätzlich gut aufgestellt, leide jedoch unter schwierigen Absatzmärkten im Ausland. Entsprechend fordert der Verband stabile politische Rahmenbedingungen, sichere Beziehungen zur EU und bessere Handelsabkommen.
Wenig Innovation und langsame Digitalisierung
Eine neue Studie von Forschenden der FHNW, des KOF, der EPFL und der Universität St. Gallen kommt zu einem anderen Befund als der Branchenverband. Die Studie bescheinigt der Schweizer Wirtschaft Ermüdungserscheinungen bei der Innovationskraft und Nachholbedarf bei der Digitalisierung.
Die Forschenden untersuchten Innovationsaktivitäten in sechs Branchen – darunter Pharma, Medizintechnik, Maschinenbau, IT und Finanzdienstleistungen. Das Resultat: Zwar entwickeln viele Unternehmen neue Produkte oder verbessern ihre Prozesse. Doch meist handelt es sich um schrittweise Verbesserungen. Wirklich neue Ideen, die Märkte grundlegend verändern, sind seltener geworden.
In einer Medienmitteilung sprechen die Forschenden von einem «Weckruf für die Schweiz». In Bereichen wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit drohe das Land an Dynamik zu verlieren. Die Studienautoren betonen, dass die Schweiz weiterhin starke Branchen und international wettbewerbsfähige Unternehmen habe. Dennoch zeigten sich Anzeichen von «Ermüdung und Fragmentierung».
Besonders kleine und mittlere Unternehmen haben laut Studie Mühe, mit der digitalen Entwicklung Schritt zu halten. Oft fehlen Fachkräfte oder finanzielle Mittel. Gleichzeitig sehen viele Firmen zunehmende Regulierung als Belastung. Komplexe Vorschriften und häufige Änderungen könnten grössere Innovationsprojekte bremsen.
Die Forschenden schlagen verschiedene Massnahmen vor, um die Innovationskraft zu stärken. Dazu gehören einfachere und klarere Regeln, bessere Finanzierungsmöglichkeiten für Start-ups und KMU sowie gezielte Unterstützung bei Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Zudem soll der Zugang zu Fachkräften erleichtert und die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Forschung verbessert werden. Ziel ist es, wieder mehr grundlegend neue Produkte und Geschäftsmodelle zu ermöglichen.













