Heli teurer - Hüttenwart würde Salat von Karte streichen

Transportflüge sind für Berghütten teurer geworden. Auf lange Frist könnte sich dies auf das Angebot für die Gäste auswirken.

Kerosin
Gisela Sager und Andreas Mazenauer sind in der Konkordiahütte auf mindestens zwei Transportflüge pro Woche angewiesen. - zVg.

Das Wichtigste in Kürze

  • Helikopterunternehmen erheben einen Zuschlag von vier Prozent für Transportflüge.
  • Grund dafür ist die Ölkrise.
  • Im Notfall würde der Wart der Konkordiahütte den Salat von der Karte streichen.

Ohne Helikopter könnten sich die Gäste weder mit einem Wurstplättli noch mit Älplermagronen stärken. Für die Gastronomie sind die Berghütten auf regelmässige Helikoptertransporte angewiesen. Diese versorgen die Hütten an den entlegensten Orten in wenigen Minuten mit Esswaren und Getränken.

Auch sorgen die Helis dafür, dass die Hütten nicht im Abfall versinken. Auf dem Rückflug transportieren sie den gesammelten Abfall zurück ins Tal.

Für die Flüge müssen die Hüttenwartinnen und -warte aktuell tiefer in die Tasche greifen. Die Air Zermatt verlangt einen Zuschlag von vier Prozent auf den Preis einer Flugminute. Grund dafür sind die Öl- und Kerosinpreise, die seit der Blockade der Strasse von Hormus steigen.

Tatsächliche Kosten seien höher

Auch andere Helikopterunternehmen greifen zu dieser Massnahme.

Air-Glaciers erhebt auf alle kommerziellen Flüge einen Zuschlag von derzeit vier Prozent, bestätigt Mediensprecherin Eliana Zürcher auf Anfrage. Dies betreffe somit, wenn auch nicht ausschliesslich, die Betreiber von Berghütten.

Sollten die Menüs in Berghütten bescheidener sein?

«Die tatsächlichen Kosten, die dem Unternehmen derzeit entstehen, übersteigen diesen an die Kunden weitergegebenen Prozentsatz», hält Zürcher fest.

«Wäre verheerend»

Gisela Sager und Andreas Mazenauer betreiben die Konkordiahütte in den Berner Alpen auf 2850 Metern über Meer. Die regionale BEO Helicopter AG versorgt ihre Hütte mit Lebensmitteln, Energieträgern und anderen Gütern. Die Hüttenwarte bezahlen bereits einen Aufschlag, möchten diesen aber «aus diversen Gründen» nicht nennen.

«Wir sind oft auf zwei Transportflüge pro Woche angewiesen und wenn viel läuft, sogar öfter», sagt Andreas Mazenauer. Diese Flüge seien der grösste Kostenträger.

«Da wir sehr hoch über das Jungfraujoch fliegen müssen, können wir weniger Kilo mit Unterlast ordern als andere Berghütten.» Pro Kilo bezahlten sie schnell einmal 1,30 bis 1,50 Franken.

Hoch zur Berghütte und zurück ins Tal dauert ein Flug laut Mazenauer rund 20 Minuten. «Es wäre natürlich einschneidend, wenn der Kerosinpreis weiter steigen würde», sagt er.

Pro Flugminute müsse man schnell einmal mit 50 Franken rechnen. So hätten sie pro Transport schnell «tausend Franken verbrätelt».

«Sind hier nicht an Zürcher Bahnhofstrasse»

Die Frühjahrssaison der Konkordiahütte endet nach Pfingsten. Mitte Juni startet die Sommersaison. Die Hüttenwarte wollen nicht in Panik ausbrechen. «Das Säbelrasseln am Hormus wird vorbeigehen und Öl-Vorkommnisse gibt es ja grundsätzlich weltweit genug», ist Andreas Mazenauer überzeugt.

Sollten die Kerosinzuschläge die Betreiber der Berghütten belasten, könnten dies auch die Gäste zu spüren bekommen.

«Ein Weg wäre, bei der Konsumation aufzuschlagen», sagt Andreas Mazenauer. Doch dies sei nicht das Ziel. «Wir sind hier nicht an der Zürcher Bahnhofstrasse», sagt er. Zu Berge zu gehen, solle jedem möglich sein.

Denkbar wären für den Hüttenwart Menüanpassungen. Die Crew bewirtet die Gäste mit Suppe, Salat, Menü, Dessert und einem ausgiebigen Frühstück.

«Auf solcher Höhe ist Salat eigentlich ein Luxus», sagt Mazenauer. Eine mögliche Massnahme wäre, den Salat von der Karte zu streichen. Früher seien die Menüs in den SAC-Hütten dagegen sehr bescheiden gewesen.

Zuschlag sei «absolut fair»

Beim Verein Schweizer Hütten sind die Kerosinzuschläge zurzeit kein grosses Thema. Kerosinzuschläge habe es angepasst auf die allgemeinen Ölpreise immer wieder gegeben, sagt Präsidentin Andrea Strohmeier.

Nun seien diese von zwei auf vier Prozent gestiegen. «Pro Rotation macht das auf einer durchschnittlich hoch gelegenen Hütte eine Zehnernote aus», sagt sie.

Kerosin
Andrea Strohmeier ist Präsidentin des Vereins Schweizer Hütten. - zVg.

Den Zuschlag hält der Verband für «absolut fair». Strohmeier begründet dies damit, dass die Grundpreise für die Transportflüge seit Jahren praktisch gleichgeblieben seien: «Weil auch die Leistungsfähigkeit der Helis gestiegen ist.»

Sollten die Zuschläge doch einst die Schmerzgrenze der Hüttenwartinnen und -warte erreichen, hält Strohmeier «moderate Preissteigerungen» für möglich.

Der Schweizer Alpen-Club SAC hat kein voriges Budget, um die Betreiber zu unterstützen. Der Klimawandel erfordert Anpassungen und bauliche Massnahmen bei den Hütten.

Der SAC verlangt von den Sektionen deshalb höhere Beiträge an den zentralen Hüttenfonds. «Die Gelder aus dem SAC-Hüttenfonds reichen nicht aus, um die Bauprojekte alleine zu stemmen», teilte der Verband 2024 mit.

Kommentare

User #2558 (nicht angemeldet)

Sprossensalat?

User #3117 (nicht angemeldet)

Früher waren Hütten Ausgangspunkte für Alpinisten - oft ohne Halbpension - und heute? Vegi, Salötli, Aperol und bitte Bio. SAC und Hütten haben die Leute ja dazu erzogen. Fokus auf das Wesentliche würde auch weniger Tagesgäste und Touristen bedeuten.

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