«Leute sind schneller wütend»: Gewalt in der Schweiz nimmt zu
Gewaltdelikte und häusliche Gewalt steigen in der Schweiz an. Das bestätigt Matteo Cocchi, Präsident der kantonalen Polizeikommandanten.

Das Wichtigste in Kürze
- Matteo Cocchi ist Tessiner Polizeichef und Präsident der kantonalen Polizeikommandanten.
- Er sagt: Seit der Pandemie steigen Gewaltdelikte und häusliche Gewalt konstant an.
- Intern fehle der Datenaustausch zwischen Kantonspolizeien bis heute.
Was macht Menschen aggressiver?
Matteo Cocchi, Kommandant der Tessiner Kantonspolizei, hat eine klare Antwort: «Die Leute sind nervöser, werden schneller wütend und reagieren heftiger.» Beruflicher Druck, sinkender Respekt, zunehmende Polarisierung sind die Gründe, warum Gewaltdelikte seit der Pandemie steigen.
Das berichtet die «Aargauer Zeitung» in einem Interview.
Häusliche Gewalt als dringendes Problem
Besonders besorgniserregend ist für Cocchi die Zunahme häuslicher Gewalt. «Wir müssen auch im präventiven Bereich noch mehr tun», sagt er. Diebstähle seien zwar zurückgegangen. Doch bei Gewaltdelikten zeige die Kurve klar nach oben.
Auch Politikerinnen und Politiker sind betroffen. Social Media mache es erschreckend einfach, jemanden zu bedrohen. Viele fühlten sich hinter einem Bildschirm stärker, sagt Cocchi – «ohne die unmittelbaren Konsequenzen ihrer Worte wahrzunehmen».
Grosseinsatz für den G7-Gipfel
Nicht nur die alltägliche Kriminalität bereitet der Polizei Sorgen. Im Juni findet der G7-Gipfel im nahen Evian statt. 2003 kam es beim damaligen G8-Gipfel ebenfalls in Evian zu gewalttätigen Ausschreitungen auf Schweizer Boden. Cocchi rechnet damit, dass sich das wiederholen könnte.
Polizistinnen und Polizisten aus der ganzen Schweiz werden in die Westschweiz entsandt. Wie viele genau, will die Polizei aus taktischen Gründen nicht kommunizieren. Sicher ist: Die Armee wird subsidiär unterstützen, wie bereits beim WEF.
Kantone sollen endlich Daten teilen können
Ein weiteres grosses Thema ist der Informationsaustausch zwischen den Kantonspolizeien. Heute fehlt jeglicher direkter Datenzugriff. Wer Informationen aus einem anderen Kanton braucht, muss den Umweg über die Staatsanwaltschaft nehmen.
Ab 2029 soll die Plattform Polap Abhilfe schaffen. Sie ermöglicht bei schweren Straftaten wie organisierter Kriminalität oder häuslicher Gewalt den kontrollierten Zugriff auf kantonale Datenbanken.
Gerade bei Wiederholungstätern, die in mehreren Kantonen aktiv sind, könnte das laut Cocchi entscheidend sein. Nur autorisierte Personen erhalten Zugriff, alle Abfragen werden lückenlos protokolliert.
Den aktuellen Zustand hält Cocchi für unhaltbar: «In einer Zeit, in der wir über das Schengener Informationssystem Zugriff auf Polizeidaten von 30 Ländern haben, wirkt das anachronistisch.»


















