Gewalt

Zürich startet Anti-Gewalt-Kampagne nur auf Deutsch

Elena Hatebur
Elena Hatebur

Zürich,

Zürich hat eine neue Kampagne gegen Gewalt gestartet. Dass sie nur auf Deutsch ist, wirft aber Fragen auf. Ausländer sind überproportional oft Opfer und Täter.

Kampagne Zürich
Die Stadt Zürich hat eine neue Anti-Gewalt-Kampagne gestartet. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Stadt Zürich hat am Dienstag eine neue Anti-Gewalt-Kampagne präsentiert.
  • Die Botschaften sind nur auf Deutsch – obwohl viele Opfer und Täter Ausländer sind.
  • Die Stadt erwartet jedoch von ihren Einwohnern, dass alle Deutsch verstehen.

Mitten in der Stadt Zürich hängen Plakate, die Männer zum Umdenken bewegen sollen. Es geht um häusliche Gewalt.

Doch ausgerechnet bei der Sprache stolpert die Kampagne. Sie wurde am vergangenen Dienstag von der abtretenden Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) vorgestellt.

Denn die Botschaft richtet sich vor allem an Milieus, in denen häusliche Gewalt überdurchschnittlich oft vorkommt. Statistisch gesehen sind Menschen mit Migrationshintergrund häufiger Opfer – aber auch Täter.

Trotzdem sind die Kampagnenbotschaften nur auf Deutsch formuliert.

Stadtpolizei muss sechs Mal pro Tag ausrücken

Mit der neuen Kampagne will die Stadt Zürich den Fokus vor allem auf junge Menschen richten. Sechs Mal pro Tag müsse die Stadtpolizei wegen häuslicher Gewalt ausrücken, betonte Mauch.

Die neue Kampagne soll nun dazu einladen, «gängige Vorstellungen von Männlichkeit zu hinterfragen und Verantwortung zu übernehmen». Man wolle «ein Zeichen» setzen.

Die Kampagne versucht deshalb, Männer dort abzuholen, wo sie mit den Aussagen konfrontiert werden. Etwa im öffentlichen Raum oder im Internet.

Für viele dieser Männer dürfte die Botschaft jedoch kaum zu entschlüsseln sein. Denn gerade Männer, die nur begrenzt Deutsch sprechen, könnten die Kampagne gar nicht verstehen, wie die «NZZ» zu bedenken gibt.

«Überproportionaler Anteil» bei Menschen mit Migrationshintergrund

Das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann wird im Januar 2025 einen entsprechenden Bericht zu häuslicher Gewalt veröffentlicht. Es bestehe «ein überproportionaler Anteil von Fällen bei Personen mit Migrationshintergrund», heisst es darin.

Wird häusliche Gewalt polizeilich registriert, sind knapp die Hälfte der Opfer Ausländerinnen und Ausländer.

In den registrierten Fällen ab 2009 sind rund 46 Prozent der Täter Ausländer mit einer Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung. Weitere 46 Prozent sind Schweizer Staatsbürger. Sieben Prozent sind Personen aus dem Asylbereich oder mit einem anderen Aufenthaltsstatus.

Es liegt deshalb auf der Hand, die Kampagnenbotschaft auch in andere Sprachen zu übersetzen.

Etwa so, wie es die Stadt beispielsweise auch für eritreische Flüchtlinge handhabt. Diese werden in ihrer Muttersprache Tigrinya über das Zürcher Schulsystem informiert.

Oder so, wie der Kurs «Alltagsleben in Zürich» unter anderem auch auf Japanisch, Russisch und Arabisch angeboten wird. Doch davon sieht die Stadt offenbar ab, wie die Zeitung schreibt.

Stadt erwartet, dass Einwohner Deutsch können

Eine entsprechende Frage der «NZZ», weshalb es die Kampagne nur auf Deutsch gebe, wird nicht beantwortet.

Stattdessen verweist Mauch darauf, dass man eine gewisse Erwartungshaltung an die Einwohner Zürichs habe: Dass sie Deutsch können. Gewalt habe viele Ursachen. Gerade in migrantischen Familien könne etwa eine traumatische Flucht ausschlaggebend sein.

Zudem beginne Gewalt nicht erst mit körperlichen Übergriffen. Vielmehr ginge es auch um gesellschaftliche Vorstellungen von Geschlecht, Macht und Männlichkeit.

Sollten solche Anti-Gewalt-Kampagnen mehrsprachig sein?

Nichtsdestotrotz hat die Stadt Zürich das Thema «häusliche Gewalt» in vergangenen Jahren zu einem Schwerpunkt erklärt. Dazu werden obligatorische Lernprogramme für Täter angeboten – auch in Fremdsprachen.

Mit der neuen Informationskampagne versucht die Stadt nun, potenzielle Täter frühzeitig zum Umdenken zu bewegen. Ob diese Botschaft jedoch bei allen ankommt, bleibt offen.

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