Könnten Schwinger die SRG-Initiative bodigen?
Drei Schwingerkönige sind gegen die SRG-Initiative. Eine grüne Nationalrätin gibt ihnen viel Gewicht. Ihre Muskeln lassen sie aber nicht spielen.

Das Wichtigste in Kürze
- Christian Stucki, Matthias Sempach und Jörg Abderhalden sagen Nein zur SRG-Initiative.
- Die Schwinger holten die Leute mehr ab, sagt Grünen-Nationalrätin Meret Schneider.
- SVP-Nationalrat Thomas Knutti lobt deren Zurückhaltung im Abstimmungskampf.
Fast 400 Kilo bringen die drei Schwingerkönige zusammen auf die Waage. Christian Stucki, Matthias Sempach und Jörg Abderhalden haben aber auch viel Gewicht, wenn es um die SRG-Initiative geht. Davon geht Grüne-Nationalrätin Meret Schneider aus.
Auf Social Media kursiert ein inoffizielles Meme mit den drei Schwingerkönigen. «Die Schwinger sagen Nein zur SRG-Initiative!», sagen sie, die Hand zur Faust geballt. «SRG ist wichtig für unseren Sport!»
Meret Schneider teilte das Meme auf Instagram. Drei Schwinger schienen das wirksamere Argument gegen die Halbierungsinitiative zu sein, schrieb sie dazu. «Als alles, was ich in den letzten 150 Artikeln zusammengebrösmelet habe, aber ja nu.»
«Klassische Sympathieträger»
Die Nationalrätin hat dagegen manchmal das Gefühl, an eine Wand zu reden.
«Die Schwingerkönige sind klassische Sympathieträger», sagt Meret Schneider zu Nau.ch. Sie verkörperten den Schweizer Sport.
SRF überträgt Schwingfeste wie das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) jeweils live. Die Schwinger könnten darauf hinweisen, dass der Sport wegen der Übertragung auf die SRG angewiesen sei, sagt Meret Schneider. «Ohne dabei als links oder woke abgestempelt zu werden.»
Das Nein der Schwinger sei viel wirkungsvoller als ihre Argumente, sagt Schneider. «Da kann ich noch so lange argumentieren, wie wichtig das öffentlich-rechtliche Fernsehen für die Demokratie ist.»
Die Schwingerkönige strahlten dieses Traditionelle und Bodenständige aus. «Damit holen sie die Leute ab und zeigen deutlich, dass das Nein nicht von den Linken kommt.» Sie sei deshalb «sehr dankbar» dafür, dass sich die Schwinger gegen die Halbierungsinitiative aussprächen.
Schwinger schweigen
Ihr Gewicht scheinen die Sportler aber nicht für den Abstimmungskampf nutzen zu wollen. Lediglich wenige Medienberichte haben ihr Nein publik gemacht.
Matthias Sempach ist bei bei SRF hin und wieder als Schwingexperte im Einsatz. Christian Stucki und Jörg Abderhalden traten 2025 als SRF-Experten zurück. Keiner der drei Schwinger will sich auf Anfrage weiter zur Initiative äussern.
«Ich kann einfach bestätigen, dass Matthias Sempach an der Urne ein Nein einlegen wird», sagt Sempachs Mediensprecher Roger M. Fuchs. Er will die Serafe-Gebühr also nicht von 335 Franken auf 200 senken.
«Lieber aktiv für Sport einsetzen»
Seit letztem Sommer ist Jörg Abderhalden Mitglied des Präsidiums von Swiss Ski.
«Jörg Abderhalden hat ein klares Statement gegen die Halbierungsinitiative abgegeben, auch auf seinen Social-Media-Kanälen. Er steht zu 100 Prozent zu seinen Aussagen.» Dies sagt Philipp Bärtsch, Mediensprecher von Swiss Ski, auf Anfrage. «Dasselbe lässt Christian Stucki aus seinen Skiferien ausrichten.»
Im Sportkomitee, das sich gegen die Initiative einsetzt, war bis Freitag keiner der drei Schwingerkönige aufgelistet. Nach der Anfrage bei Swiss Ski tauchen auf der Website plötzlich Jörg Abderhalden und Christian Stucki auf.
Philipp Bärtsch hat die Redaktion zuvor aktiv auf die Anpassung aufmerksam gemacht. In der Hitze des Gefechts sei untergegangen, Christian Stucki und Jörg Abderhalden aufzuschalten, sagt er.

Erst dank der Recherche von Nau.ch habe das Sportkomitee dies festgestellt und die Aufschaltung nachgeholt. Matthias Sempach erscheine dort nicht, weil er sich unabhängig vom Sportkomitee zur Halbierungsinitiative geäussert habe.
Bei den Unterstützern der SRG-Initiative, die die Gebühren senken wollen, kommt das Schweigen der Schwinger gut an. «Mir ist es lieber, wenn sich die Schwingerkönige aktiv für den Schwingsport einsetzen, als sich zu politischen Themen zu äussern.»
Dies sagt Manuel Strupler, SVP-Nationalrat und eidgenössischer Kranzschwinger. «Ansonsten sollten sie in die Politik wechseln, am besten in die SVP.»
«Wissen, woher die Sponsoren kommen»
Thomas Knutti überrascht, dass die Schwinger die Halbierungsinitiative nicht unterstützen. «Grossmehrheitlich sind Schwinger sonst auf unserer Linie», sagt der SVP-Nationalrat. Ihre Zurückhaltung im Abstimmungskampf lobt er als weise.
«Sie wissen auch, woher die Sponsoren der Schwingfeste kommen», sagt Knutti. Mancher SVPler habe eine Trychel gesponsert, um den Sport zu unterstützen.
Knutti kann sich deshalb nicht vorstellen, dass sich die Schwinger bei der SRG-Initiative dermassen weit aus dem Fenster lehnen. Ohnehin müsse SRF beurteilen, welche Sendungen bei Annahme der Initiative nicht mehr umsetzbar seien. «Die Drohkulisse der verschiedenen Interessensgruppen, welche Sendungen alle verschwinden, regt mich gewaltig auf.»
«Wichtiger Mosaikstein»
Die Gegner und Befürworter der SRG-Abstimmung liefern sich laut der SRG-SSR-Trendbefragung ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Mitte Januar hätten 52 Prozent der Stimmberechtigten bestimmt oder eher dagegen gestimmt. 46 Prozent wären bestimmt oder eher dafür gewesen.
Könnte die Halbierungsinitiative also an den Schwingern scheitern?
«Die Schwinger sind ein wichtiger Mosaikstein, aber nicht der Fels, der den Strom unterbricht», sagt Politologe Claude Longchamp. «Demnach können sie die Initiative nicht bodigen.»
«Wichtiger Kommunikator»
Die Sportler haben laut Claude Longchamp aber auf mehreren Ebenen Einfluss. SRG und Sport hingen eng zusammen, sagt er.

Er erinnert daran, dass der Schwingsport die Übertragungsrechte seiner Grossveranstaltungen der SRG verkauft habe.
Auch engagierten sich verschiedene Sportverbände gegen die Initiative, sagt Longchamp. «Zusammen sind sie ein wichtiger Kommunikator im Verbund mit anderen wie Kantonen, Parteien, Verbänden.»
Zudem trete der Sport vielfältig und mehrfach in Erscheinung. «Das halte ich für wichtig, weil die Kampagne ein nicht-politisches, breites Publikum ansprechen muss.»
SVP sei beschränkt glaubwürdig
Imagemässig betrachtet der Politologe Schwinger für ein älteres, ländliches und traditionsbewusstes Publikum als interessant. «Für ein jüngeres, urbanes und modern ausgerichtetes Publikum sind sie eher exotisch.» Doch dies mache nichts. «Denn das entscheidende Segment einer Abstimmung ist parteiungebunden.»
Die SVP hat laut Longchamp zwar eine hohe Affinität zu diesem Publikum. «Aber sie polarisiert stark und ist damit beschränkt glaubwürdig.» Hinzu komme, dass sie hier keine Ausländer bestrafen wolle, sondern dem TV-Publikum ein Leistungsabbau drohe.
Meret Schneiders Eindruck, gegen die Schwingerkönige nichts mehr auszurichten zu haben, stimmt Longchamp teilweise zu.
Beim klassischen Ideal eines Abstimmungskampfes gehe es um Argumente und Gegenargumente in Rede und Gegenrede, sagt der Politologe. Doch Podiumsgespräche und Diskussionsrunden im Radio gingen vorbei, sagt der Politologe.
«Man orientiert sich nicht nur an den Inhalten, sondern auch an den Kommunikatoren.» Die Gefolgschaft einer Seite im Abstimmungskampf sei selber ein Element der Meinungsbildung.



















