SRG

Starreporter von SRG soll Kolleginnen belästigt haben

Bettina Zanni
Bettina Zanni

Comano,

Emiliano Bos arbeitet seit fast 20 Jahren für den italienischsprachigen SRF-Ableger RSI. Aktuell soll er wegen Belästigungsvorwürfen suspendiert sein.

RSI
RSI-Reporter Emiliano Bos berichtete unter anderem aus dem Gazastreifen. - Screenshot / RSI

Das Wichtigste in Kürze

  • Emiliano Bos (53) sorgte als erster internationaler Reporter im Gazastreifen für Aufsehen.
  • Wenige Monate später ist er vom TV-Bildschirm verschwunden.
  • Aktuell soll bei RSI eine Untersuchung gegen Emiliano Bos laufen.

Dem italienischsprachigen Ableger von SRF gelang ein Coup. «Er hat es heute geschafft, in den Gazastreifen einzureisen.» Dies kündigte die RSI-Moderatorin im Oktober 2025 vor der Schaltung zu Emiliano Bos an.

Als einziger internationaler Reporter gelang es ihm, aus dem Gazastreifen zu berichten. Seit dem Angriff der Hamas auf Israel am siebten Oktober 2023 verweigert Israels Regierung unabhängigen Medien, den Zugang zum Gazastreifen.

Der Starreporter startete seine Karriere als Zeitungsjournalist in Italien. Inzwischen arbeitet er seit fast 20 Jahren bei RSI und hat Reportagen aus rund 40 Ländern produziert. Sein Spezialgebiet sind Afrika und der Nahe Osten. Von 2015 bis 2021 war er für RSI zudem als USA-Korrespondent in Washington tätig.

Aktuell ist der bekannte Reporter aber vom TV-Bildschirm verschwunden.

«Unangemessen verhalten»

RSI hat Emiliano Bos vorsorglich suspendiert. Laut der Tessiner Zeitung «La Regione» hat der Sender eine interne Untersuchung gegen den 53-Jährigen eröffnet. Grund dafür soll eine Reihe von Belästigungsmeldungen von Kolleginnen sein.

Wird genug gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz unternommen?

Der Reporter soll sich gegenüber einigen Angestellten unangemessen verhalten haben. «Insbesondere soll es einige Dienstreisen im Ausland betreffen», schreibt die Zeitung weiter. Ihren Informationen zufolge tauchten nach einer ersten Meldung weitere auf, sodass der Sender Vorkehrungen traf.

In den nächsten Tagen soll die Untersuchung abgeschlossen sein.

Privatsphäre als Grund

Stefano Pedrazzini, Mediensprecher von RSI, bestätigt weder dementiert die Informationen.

«Um die Privatsphäre und Integrität der betroffenen Personen zu schützen, ist es nicht möglich, auf einzelne Fälle einzugehen.» Dies teilt Pedrazzini auf Anfrage mit.

Er macht darauf aufmerksam, dass gemäss den betrieblichen Vorschriften die vorgesehenen Überprüfungsverfahren eingeleitet würden. Falls nötig, würden Vorsichtsmassnahmen ergriffen. «Einschliesslich der vorübergehenden Suspendierung der betroffenen Person.» Dies, um die beteiligten Personen zu schützen und einen ordnungsgemässen Ablauf der Untersuchungen zu gewährleisten.

Es herrsche Nulltoleranz

Beim Sender herrsche Nulltoleranz für jegliche Form von Belästigung, Diskriminierung oder die persönliche Integrität verletzendes Verhalten. Dies stellt der RSI-Mediensprecher klar. Jede Meldung werde «äusserst ernst genommen» und gemäss den in den Unternehmensrichtlinien festgelegten Verfahren bearbeitet.

«Einschliesslich einer möglichen Kündigung müssen die Sachverhalte angemessen geklärt und eingehend geprüft werden.» Dies passe, bevor endgültige Massnahmen ergriffen würden.

Pedrazzini merkt an, dass dieser Grundsatz in keiner Weise die Null-Toleranz-Politik von RSI schmälere. «RSI garantiert zudem, dass Personen, welche ihre Integrität verletzende Situationen melden, Gehör, Schutz und Unterstützung finden.» RSI nehme jede eingegangene Meldung äusserst ernst.

Vorwürfe bei RSI und SRF

Emiliano Bos hat auf eine Anfrage der Redaktion am Montag nicht reagiert. Seinen Instagram-Account mit über fünf Tausend Followern scheint er inzwischen deaktiviert zu haben. Ein Klick auf den Link auf Google führt ins Leere.

RSI gehört wie SRF und RTS zur SRG. Das Medienhaus macht nicht zum ersten Mal mit Belästigungsvorwürfen Schlagzeilen.

2020 verliess Darius Rochebin, Moderator des «Téléjournal» von RTS den Sender. Voraus gingen Enthüllungen der Zeitung «Le Temps», wonach frühere Mitarbeiter Rochebin sexuelle Belästigung vorwarfen.

2023 folgte Der nächste Fall.

Die ehemalige SRF-Moderatorin und Wirtschaftsredaktorin Patrizia Laeri berichtete, dass ein Redaktor sie als Praktikantin zu küssen versucht habe. Der betreffende Redaktor war inzwischen in einer Kaderposition tätig. Nach Laeri meldeten sich weitere Mitarbeitende mit Vorwürfen gegen ihn. 2023 entschieden SRF und der Mitarbeiter in gegenseitigem Einvernehmen, das Arbeitsverhältnis aufzulösen.

Kommentare

User #3870 (nicht angemeldet)

Hab mein SRF Italien Sender-Abo noch nicht verlängert. Lohnt es sich ?

User #5976 (nicht angemeldet)

Emiliano Bos ist ein gebürtiger Italiener.

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