Impfstoff ausgegangen: Apotheken sagen Grippe-Termine ab
Die Grippe verläuft diese Saison stark. Manche Personen wollen sich deshalb kurzfristig impfen lassen. Dies ist teilweise unmöglich – und auch wenig hilfreich.

Das Wichtigste in Kürze
- Apotheken und Arztpraxen sagen gebuchte Impftermine ab.
- Die Nachfrage übersteigt laut einem Pharmakonzern die geplanten Impfstoffmengen.
- Wer sich jetzt gegen die Grippe impfen lässt, muss trotzdem mit einer Ansteckung rechnen.
Die Grippewelle erfasst die Schweiz früh. Bereits im Dezember setzt sie viele Menschen ausser Gefecht.
Auch im Januar stagniert die Grippewelle auf hohem Niveau. Entspannung ist nicht in Sicht.
Zurzeit überrollt eine Grippe-Welle den Kanton Basel-Stadt. Rund 60 Fälle verzeichnet das Bundesamt für Gesundheit (BAG) dort pro 100'000 Einwohnende.
Auch Italien kämpft mit vielen Grippekranken. «Die Grippewelle ist wie ein Tsunami», sagt Matteo Bassetti, Infektiologe am Universitätsspital San Martino in Genua.
Und jetzt auch noch das: Apotheken und Arztpraxen kämpfen mit Engpässen beim Grippe-Impfstoff.
«Kann ich mir für meine Arbeit nicht leisten»
Nau.ch sind mehrere Fälle bekannt, in denen Apotheken und Arztpraxen gebuchte Impftermine abgesagt haben.
Sie habe sich impfen lassen wollen, da sie seit Corona immer wieder krank geworden sei, sagt eine Zürcher Patientin. «Das kann ich mir für meine Arbeit nicht leisten.»
Auch ein Zürcher Student wollte sich vor dem Militärdienst noch gegen die Grippe impfen lassen. Mangels Impfstoffs musste er darauf verzichten.
Mit Vaxigrip ist vorerst Schluss
«Die aktuelle Grippesaison verläuft aussergewöhnlich stark und hat die gesamte Branche überrascht.» Dies teilt der Pharmakonzern Sanofi auf Anfrage mit. Und bestätigt: «Dadurch übersteigt die Nachfrage die ursprünglich geplanten Mengen sowie die zusätzlichen Reserven bei Standarddosis-Impfstoffen.»
Sanofi bietet jedoch weiterhin ihren Hochdosis-Impfstoff an. Dieser Impfstoff ist laut Sanofi vorzugsweise für Patienten ab 65 Jahren mit Risikofaktoren empfohlen.
Dasselbe gilt für Patienten über 75 Jahren. «Dieser Impfstoff kann weiterhin für die laufende Saison 2025/26 bestellt werden.»
Nicht mehr impfen lassen kann man sich mit Vaxigrip. «Unser Standarddosis-Impfstoff wird wieder in der kommenden Grippesaison 2026/27 verfügbar sein», teilt der Pharmakonzern mit.
«Impfzeit ist aber schon vorbei»
Die Toppharm See-Apotheke im zürcherischen Männedorf überbrückt mit einem anderen Grippe-Impfstoff.
«Wir hatten vorher Schwierigkeiten», sagt Apothekerin Leila Bjeliza zu Nau.ch. In ihrer Apotheke stellt sie im Januar eine leicht erhöhte Nachfrage nach Grippeimpfungen fest.
«Die Impfzeit ist aber schon vorbei», sagt Leila Bjeliza. Sie empfehlen nicht, die Grippeimpfung jetzt noch nachzuholen. «Denn es dauert zwei Wochen, bis die Immunität aufgebaut ist.»
Produktion startet im Februar
Dass Grippeimpfstoff aktuell nicht mehr in Hülle und Fülle vorhanden ist, soll keinen Anlass zur Sorge geben. Die Herstellerfirmen liefern laut BAG in der Regel in praktisch alle Länder eine genügend grosse Anzahl an Grippeimpfstoff-Dosen. Auf diese Weise reichten diese für eine Saison gut für die erwartete Gesamtnachfrage im Spätherbst aus.
Mit Beginn des neuen Jahres hätten die Herstellerfirmen nur noch wenige Grippe-Impfstoffdosen vorrätig oder könnten solche ausliefern. Dies sagt BAG-Mediensprecherin Céline Reymond. «Das ist im Jahresverlauf normal.»
Bereits im Februar beginne jeweils die Herstellung der Grippe-Impfstoffe für die nächste Saison.
Nachfrage sei zurückgegangen
Auch das BAG merkt an, dass das Immunsystem knapp zwei Wochen benötigt, um einen Impfschutz gegen Influenza aufzubauen. In der Regel hält dieser Schutz maximal sechs Monate lang an.
Wer sich demnach jetzt gegen die Grippe impfen lässt, schützt sich für die falsche Saison. Denn: Im Frühling und im Sommer kursieren weniger Grippeviren als im Herbst und Winter.
Die Amavita Bahnhof Apotheke am Zürcher Hauptbahnhof spürt jedoch bereits eine Entspannung. «Die Nachfrage nach einer Grippe-Impfung ist seit zirka sieben bis zehn Tagen stark zurückgegangen», sagt Yves Platel. Er ist Co-Geschäftsführer der Apotheke.
«Auch Grippefälle gibt es in der Apotheke weniger zu behandeln.»

Die Apotheke verfügt laut Platel weiterhin über einen kleinen Vorrat an Grippe-Impfstoffen. «Gewisse Grippe-Impfstoffe sind weiterhin bestell- und lieferbar, da zum Glück mehrere Hersteller auf dem Markt verfügbar sind.»
Arztpraxen und diverse Apotheken bestellten aufgrund der sinkenden Nachfrage jedoch keine Impfstoffe mehr. «Oder diese werden nicht mehr geliefert.»



















