Antikörper gegen saisonale Grippe schützen auch vor Vogelgrippe
Die gewöhnliche Wintergrippe könnte gegen die Vogelgrippe helfen: Ein Forschungsteam zeigt, dass verbreitete Grippe-Antikörper auch Vogelgrippeviren bremsen.

Das Wichtigste in Kürze
- Gewisse Grippe-Antikörper können das Vogelgrippevirus erkennen und teilweise bekämpfen.
- Das zeigt eine neue Studie der Universität Genf.
- Die Wirksamkeit dieses Schutzes ist laut den Forschenden unterschiedlich.
Ein Team der Universität Genf (Unige) hat nachgewiesen: Gewisse Antikörper, die nach Infektionen mit saisonalen Grippeviren im Körper vorhanden sind, können das Vogelgrippevirus erkennen und teilweise bekämpfen.
Diese Antikörper bieten keinen vollständigen Schutz, könnten aber die Ausbreitung des Virus im Körper verlangsamen.
Damit können sie den Krankheitsverlauf abschwächen, wie die Universität Genf am Dienstag mitteilt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift «Nature Communications» veröffentlicht.
Vogelgrippe zirkuliert auch in der Schweiz
Die Vogelgrippe zirkuliert seit Jahren vor allem unter Wild- und Nutzvögeln. Auch in der Schweiz. Zuletzt kam es auch zu vereinzelten Übertragungen des Virus auf Menschen. Damit wächst die Sorge vor einer Pandemie.
Die Studie zeigt, dass sogenannte kreuzreaktive Antikörper, die bei der «normalen» Grippe entstehen, auf den Stamm des Vogelgrippe-Virus abzielen.
Sie greifen also nicht den sich häufig verändernden «Kopf» des Vogelgrippe-Virus an, sondern dessen «Stiel». Diesen hat es mit saisonalen Grippeviren gemeinsam.
Die Wirksamkeit dieses Schutzes ist laut den Forschenden von Person zu Person unterschiedlich. Menschen, die 2009 während der H1N1-Pandemie mit einem Wirkverstärker-Impfstoff (Adjuvans) geimpft wurden, weisen heute höhere Konzentrationen kreuzreaktiver Antikörper auf.
Bei Personen mit herkömmlicher saisonaler Grippeimpfung ohne Adjuvans zeigte sich dieser Anstieg nicht.
Auch das Geburtsjahr spiele eine Rolle: Wer vor 1965 geboren wurde, hat im Schnitt höhere Antikörperspiegel gegen die Vogelgrippe. Vermutlich wegen früherer Kontakte mit Influenzasubtypen H1 oder H2 in der Kindheit.
Später Geborene seien anderen Subtypen ausgesetzt gewesen und hätten daher einen geringeren Basisschutz, so die Forschenden.
Grippe-Impfung könnte im Pandemie-Fall helfen
Aus den Ergebnissen leiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine mögliche Strategie für den Fall einer Vogelgrippe-Pandemie ab.
Eine Impfung gegen die saisonale Grippe mit einem Adjuvans könnte die Immunantwort in der Bevölkerung erweitern.
Dies hätte den Vorteil, dass im Ernstfall pro Person eine deutlich geringere Menge des bereits verfügbaren Vogelgrippe-Impfstoffs benötigt würde. Dadurch könnte die gesamte Impfkapazität bei gleichem Produktionsniveau erhöht werden.





















