Höhepunkt erreicht? Grippewelle stagniert auf hohem Niveau
Obwohl die ganze Schweiz mit Grippe im Bett zu liegen scheint, ist nicht klar, ob der Höhepunkt schon erreicht ist.

Das Wichtigste in Kürze
- Zurzeit leiden sehr viele Menschen in der Schweiz an der Grippe.
- Ob die Grippewelle schon ihren Höhepunkt erreicht hat, ist laut BAG unklar.
- Auch die Spitäler spüren die Grippewelle.
Die Nase läuft, der Hals kratzt, die halbe Schweiz scheint unter der Wintergrippe zu leiden.
Die gemeldeten Fallzahlen gingen in der vergangenen Woche zwar leicht zurück. Ob der Höhepunkt bereits erreicht ist, kann gemäss BAG aber noch nicht beurteilt werden.
Die Grippewelle stagniert derzeit jedenfalls auf hohem Niveau: In der vergangenen Woche wurden in der Schweiz und Liechtenstein 27,51 laborbestätigte Grippefälle je 100’000 Einwohnerinnen und Einwohner gemeldet.
Das sind 24,5 Prozent weniger als in der Vorwoche. Wie aus den Zahlen des Bundesamt für Gesundheit (BAG) vom Mittwoch hervorgeht. Gemeldet wurden insgesamt 2501 Influenza-Fälle.
Regional gab es die höchste Anzahl bestätigter Fälle auf 100'000 Personen in den Kantonen Basel-Stadt (60,08), Jura (45,43) und Solothurn (43,13). Die tiefste in den Kantonen Schwyz (10,66), Obwalden (12,61) und Zug (14,21).
Akute respiratorische Infektionen wieder angestiegen
Im Abwasser-Monitoring stagniere die Viruslast auf hohem Niveau, hiess es in der Situationsbeurteilung des BAG. Nur in Genf und Lugano sinke sie. Und die ambulanten Konsultationen aufgrund von akuten respiratorischen Infektionen seien nach dem Rückgang über die Festtage wieder angestiegen.
Auch die in vielen Ländern neu aufgetretene Subklade K des Subtyps H3N2 zirkuliere in der Schweiz. Doch es gebe im Moment noch keine Hinweise auf einen erhöhten Schweregrad bei Infektionen mit dieser Subklade.
Das Inselspital spürt die Grippewelle
Philipp Jent, stellvertretender Chefarzt und Leiter Infektionsprävention und -kontrolle, bekommt die Grippewelle hautnah im Inselspital Bern zu spüren: «Die Bettenbelegung ist wie üblich in der Grippesaison unter anderem aufgrund von Grippeerkrankungen und Lungenentzündungen hoch. Die vermehrten bakteriellen Lungenentzündungen treten oft im Nachgang von Grippeerkrankungen auf.»
Kapazitätsengpässe würde es allerdings keine geben, so Jent.
Trotzdem: Das Inselspital habe mehr Hospitalisationen wegen der Grippe. «Die Festtage spielten traditionell eine Rolle im Verlauf der Grippesaison.»
Man treffe sich, sei nahe beisammen und es finde eine stärkere Durchmischung der Altersgruppen statt: «Und damit auch Ansteckungen», gibt Jent zu bedenken.
Zweiwöchiger Vorsprung
Die aktuelle Grippewelle sei vergleichbar mit anderen Grippesaisons: «Hat jedoch einen Vorsprung von zwei Wochen im Vergleich zu den beiden vergangenen Saisons.» Die absolute Zahl der hospitalisierten Patienten mit Influenza A sei im Vergleich zum Dezember 2024 gestiegen.
Der Höhepunkt der Infektionen liege meist bei Ende Januar bis Anfang Februar: «Dies betrifft die Zahl der Ansteckungen.» Und etwa zwei Wochen verzögert, auch die der Hospitalisationen, erklärt der stellvertretende Chefarzt.

Die Insel Gruppe habe bereits am 16. Dezember 2025 eine Maskentragepflicht bei Patientenkontakt eingeführt. Dies aufgrund des Anstiegs der Grippefälle seit Anfang Dezember. Und des erwarteten Grippe-Höhepunkts: «Die Maskenpflicht gilt für Mitarbeitende bei nahem Patientenkontakt, für Besuchende während Patientenbesuchen und in Patientenwarteräumen für alle Personen.»
Zudem werde das Personal mittels Kampagne ermutigt, sich kostenfrei gegen die Grippe impfen zu lassen.
Auch das Universitätsspital Zürich ist mit den Grippe-Patienten beschäftigt. Walter Zingg, Leitender Arzt der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene, erklärt gegenüber Nau.ch: «Wir haben aktuell 30 stationäre Patienten mit Grippe. Das sind etwas mehr als über die Feiertage, aber weniger als noch letzte Woche.»
Die Zahl der schwer erkrankten Grippepatienten bleibe jedoch stabil.
Keine Massnahmen
Deshalb seien auch keine weiteren Massnahmen ergriffen worden, so Zingg: «Wir schliessen nicht aus, im weiteren Verlauf eine generelle Maskenpflicht im direkten Patientenkontakt einzuführen, wenn es die Situation erfordert.»











