Der Bundesrat hat seinen Fahrplan für den Ausstieg aus den Massnahmen wegen des Coronavirus vorgestellt. Doch die Eventbranche tappt weiterhin im Dunkeln.
Coronavirus
Die Eventbranche hat bereits konkrete Vorstellungen, wie Veranstaltungen mit selektivem Zugang nur für Geimpfte, Getestete und Genesene aussehen sollen. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Veranstaltungsbranche klagt über die weiterhin mangelnde Planungssicherheit.
  • Die finanziellen Hilfen müssten nun ausgedehnt und konkretisiert werden.
  • Für eine Umsetzung der Beschränkung auf Gäste mit einem Covid-Zertifikat sei man gerüstet.

Am Mittwoch hat der Bundesrat über die weiteren Massnahmen im Kampf gegen das Coronavirus beraten. Im Vorfeld hatte sich abgezeichnet, dass den Kantonen ein Plan für das Durchführen von Grossveranstaltungen vorgelegt werden würde. Doch es kam anders: Der vorgestellte Drei-Stufen-Plan sieht keine solchen Events vor.

Alain Berset bestätigte zwar, es hätten Diskussionen stattgefunden. Doch man müsse realistisch und nicht naiv handeln. Auch Pilotveranstaltungen seien «ziemlich kompliziert» auf die Beine zu stellen.

Zur Durchführung solcher Pilotveranstaltungen stehen «die Türen der Schweizer Nachtkulturunternehmen offen». Dies schreibt die Schweizer Bar und Club Kommission (SBCK) in einer Medienmitteilung. Dank den daraus resultierenden Erkenntnissen soll für die gesamte Veranstaltungsbranche eine Perspektive entwickelt werden können.

Weitere Festivals werden wohl wegen Coronavirus abgesagt

Der Branchenverband der professionellen Schweizer Konzert-, Show- und Festivalveranstalter (SMPA) zeigt sich enttäuscht. «Dieser Plan gibt der Veranstaltungsbranche nicht die erhoffte Perspektive», schreibt Geschäftsführer Stefan Breitenmoser auf Anfrage. «Wir tappen weiterhin im luftleeren Raum.»

Coronavirus - Test-Konzert
Menschen mit Mund-Nasen-Bedeckung zum Schutz vor dem Coronavirus besuchen ein Musikkonzert. Der Pilotversuch in Barcelona mit fünftausend Musikliebhaber soll zeigen, welche Wirksamkeit Corona-Tests bei grossen kulturellen Veranstaltungen haben. Foto: Emilio Morenatti - DPA

Es gehe dabei nicht nur um den Sommer, sondern auch um die Planungssicherheit für den Herbst und Winter. Es sei zu befürchten, «dass weitere Festivals in den nächsten Tagen die Reissleine für 2021 ziehen müssen». In diesem Punkt sind sich SMPA und SBCK einig. Und beide betonen, dass es eine nationale Lösung brauche.

«Entschädigungsmassnahmen müssen ausgebaut werden»

Nun müssten die Entschädigungsmassnahmen ausgebaut und noch länger beibehalten werden, so Breitenmoser weiter. «Auch zum Schutzschirm haben wir Konkretisierungen erwartet. Nach wie vor ist unklar, wie er eingeführt wird und die Zeit läuft uns davon.»

Festival
Stefan Breitenmoser vom Branchenverband der professionellen Schweizer Konzert-, Show- und Festivalveranstalter. - SMPA

Das Parlament hat im Covid-19-Gesetz einen Schutzschirm für abgesagte oder verschobene Veranstaltungen beschlossen. Bund und Kantone können dadurch ab 1. Juni die ungedeckten Kosten übernehmen, wenn Events wegen des Coronavirus abgesagt oder verschoben werden müssen.

Mit Covid-Zertifikat – aber ohne weitere Corona-Regeln

Grundsätzlich sollen Lösungen mit herkömmlichen Schutzkonzepten weiterhin möglich sein, fordert Breitenmoser. Dies etwa, wo Abstand oder Maskenpflicht eingehalten werden könne.

Die Verbandsmitglieder seien aber durchaus für eine Umsetzung der Zutrittsbeschränkungen gewappnet. Vorausgesetzt, das Covid-Zertifikat werde praxistauglich umgesetzt. Breitenmoser nennt die wichtigen Eckpunkte aus Sicht der Branche.

Begrüssen Sie die geplante Einführung des «Covid-Zertifikats»

Die SMPA erwarte, dass die Beschränkungen nur während einer klar definierten Übergangsphase gelten. Ausserdem müssten Genesene, Getestete und Geimpfte gleich behandelt werden. Darüber hinaus sollten für Künstler und Personal dieselben Regeln gelten, wie für die Gäste.

Bei Veranstaltungen mit selektivem Zugang erwarte man ausserdem, dass keine weiteren Beschränkungen gelten würden. Also die Nutzung der vollen Kapazität möglich sei und auch keine Maskenpflicht gelte.

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