In einem Pflegeheim im Kanton Zug wurden Bewohner zweimal gegen das Coronavirus geimpft. Wie konnte es also kurz danach zum erneuten Ausbruch kommen?
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In einem Schweizer Pflegeheim werden Impfungen gegen das Coronavirus verabreicht. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • In einem Schweizer Pflegeheim wurden Bewohner gegen das Coronavirus geimpft.
  • Kurz nach Verabreichung der zweiten Dosis kam es zu einem Krankheitsausbruch.
  • Fast die Hälfte aller Geimpften war Corona-positiv.

In einem Zuger Pflegeheim infizierte sich am 11. Februar ein Bewohner mit dem Coronavirus. Schwere Symptome und ein Spitalaufenthalt waren die Folge.

Sechs Tage danach wurden alle fünfzehn Kontaktpersonen auf das Virus getestet. Das Ergebnis war erschreckend.

Schwere Krankheitsverläufe verhindert

Acht der getesteten Personen trugen das Coronavirus in sich. Dabei waren fünf von ihnen bereits vollständig geimpft worden, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Genau zwei Wochen vor dem Antikörper-Test hatten die Bewohner die zweite Dosis des Impfstoffs von Pfizer/Biontech erhalten. Von Immunität nach der Impfung also keine Spur.

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Eine Frau bereitet eine Impfung gegen das Coronavirus vor. - Keystone

Gründe für die Infektion trotz Impfung gibt es mehrere. Klar ist, dass die Impfung die Bewohnerinnen und Bewohner nicht signifikant vor einer Infektion geschützt hat. So schreiben dies auch die beiden untersuchenden Ärzte in einem Untersuchungsbericht, welcher der Zeitung vorliegt. Es sei allerdings davon auszugehen, dass schwere Krankheitsverläufe verhindert werden konnten.

Coronavirus im hohen Alter gefährlicher?

Vermutlich hätten sich die Geimpften bereits früh nach der Impfung angesteckt, so die These vom Zuger Kantonsarzt Rudolf Hauri. Zum Zeitpunkt, als die Immunantwort noch nicht vollständig ausgebaut war. Möglich wäre aber auch, dass die Impfung gegen das Coronavirus bei den ältesten Gruppen keinen 94-prozentigen Schutz erreicht.

Nach wie vor sei die Datenlage bei sehr hohem Alter limitiert, schreiben die Experten im Bericht. Viren-Immunbiologe Christian Münz von der Universität Zürich hegt die Theorie über einen Superspreader. «Eine infizierte Person könnte eine sehr hohe Viruslast gehabt und damit trotz robuster Immunantwort eine Infektion ausgelöst haben.»

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Ein Risikopatient wird im Kanton Freiburg gegen das Coronavirus geimpft. - Keystone

Klar sei, dass die Impfung keine sterilisierende Immunität aufweisen würde. Corona-Antikörper würden sich im Blut und Gewebe bilden, nicht aber in den Schleimhäuten. «Das Virus kann bei Immunisierten aber dennoch den Rachenraum infizieren», sagt Münz zur Zeitung. Dort werde es nach einer gewissen Zeit durch Antikörper und Immunzellen neutralisiert.

Unerkannte Ausbrüche wahrscheinlich

«Mit hoher Wahrscheinlichkeit» wird im Zuger Pflegeheim die britische Virusmutation als Ursache ausgeschlossen. Der Zuger Kantonsarzt Rudolf Hauri weist darauf hin, dass die «Zuger Studie» im betroffenen Altersheim nicht von Signifikanz sei. Die Fallzahlen seien zu klein, um daraus gesicherte Aussagen ableiten zu können, wie der «Tages-Anzeiger» zitiert.

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Wegen des Coronavirus gab es rigorose Massnahmen in Pflegeheimen. - AFP

Vergleichsfälle gibt es in der Schweiz bisher nicht. Im deutschen Landkreis Osnabrück allerdings ereignete sich ein ähnlicher Fall. Auch dort konnte das Vakzin von Pfizer/Biontech schwere Krankheitsverläufe verhindern. Viele solcher Ausbrüche dürften in Zukunft unerkannt bleiben, da immunisierte Personen meist asymptomatisch auf das Coronavirus reagieren.

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