Im Kampf gegen das Coronavirus dürfen Arbeitgeber ab Montag ein Zertifikat von ihren Mitarbeitern verlangen. Firmen zeigen sich noch zurückhaltend.
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Ab Montag dürfen Arbeitgeber ein Zertifikat von ihren Mitarbeitern verlangen. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Ab dem 13. September darf auch am Arbeitsplatz eine Zertifikatspflicht gelten.
  • Die meisten Firmen verzichten derzeit noch auf eine Einführung.
  • Ein Basler Restaurant ist dem Bundesrat schon zuvorgekommen.

Ab Montag dürfen auch Schweizer Arbeitgeber im Rahmen von Schutzmassnahmen oder Testkonzepten von ihren Mitarbeitenden ein Covid-Zertifikat verlangen. Die Gewerkschaft Unia äussert sich dazu zurückhaltend: Man nehme den Bundesratsentscheid zur Kenntnis, so Mediensprecher Serge Gnos auf Nau.ch-Anfrage.

Für Ungeimpfte erzeugt die mögliche Zertifikatspflicht noch mehr Druck. Werden nun die Mitarbeitenden von Firmen zum Impfen gezwungen?

Nein – zumindest vorerst noch nicht, zeigt eine Umfrage von Nau.ch. Dies hat unterschiedliche Gründe: Bei Swisscom etwa arbeite der grösste Teil der Mitarbeitenden noch im Homeoffice, erklärt Mediensprecherin Annina Merk.

Coronavirus
Bisher verzichten die meisten Schweizer Unternehmen auf eine Zertifikatspflicht für ihre Mitarbeiter.
Homeoffice
Viele Firmen zählen weiter auf die Homeoffice-Empfehlung.
Credit Suisse
Die Credit Suisse führt seit Februar freiwillige Corona-Tests durch.
Migros
Für die Migros kommt eine Zertifikatspflicht nicht infrage.

Um das Ansteckungsrisiko zu minimieren, setzen die beiden Banken Raiffeisen und die Credit Suisse ebenfalls weiterhin auf die Homeoffice-Empfehlung. Raiffeisen-Mediensprecher Jan Söntgerath präzisiert: «Auf physische Meetings soll, wenn immer möglich, weiterhin verzichtet werden. Sollte dies nicht möglich sein, kommt das Zertifikat zum Einsatz.»

Falls nicht alle Meeting-Teilnehmenden ein Zertifikat besitzen würden, könnten Schnelltests auf das Coronavirus durchgeführt werden. Auch hybride Meetings seien eine Option, so Söntgerath weiter.

Rechnen Sie mit einer Zertifikatspflicht in Ihrem Betrieb?

Die Credit Suisse verzichtet derzeit auf ein Zertifikats-Obligatorium, da sich die bisherigen Schutzmassnahmen bis anhin bewährt hätten. Das sagt Sprecher Ronnie Y. Petermann. Konkret meint er Massnahmen wie das Social Distancing, ein freiwilliges Testkonzept und das Tragen von Masken.

Etwas weniger eindeutig tönt es bei der SBB und der Post. Beide Unternehmen wollen den Bundesratsentscheid zunächst analysieren und dann entsprechende Massnahmen verordnen. Post-Mediensprecher Oliver Flüeler betont, dass das Unternehmen es begrüsse, wenn möglichst viele Mitarbeitende «so bald wie möglich» geimpft seien. «Das begünstigt die Rückkehr in einen normalen Alltag.»

Coronavirus: Für Migros ist Zertifikatspflicht kein Thema

Deutliche Töne kommen aus dem Detailhandel. So erklärt Marcel Schlatter von der Migros: «Eine Zertifikatspflicht ist für uns kein Thema», sagt Mediensprecher Marcel Schlatter. Bei Coop werde ein Anpassungsbedarf der Schutzkonzepte geprüft, so Melanie Grüter.

Aus der Gastronomie sticht derzeit ein Restaurant aus Basel heraus: Das L'Ambasciatore hat bereits am Dienstag eine Zertifikatspflicht für seine Gäste eingeführt.

Restaurant
Das Basler Restaurant L'Ambasciatore ist mit der Zertifikatspflicht dem Bundesrat zuvorgekommen. - Facebook & Instagram/lambasciatore

Wie Loris Costacurta, Marketing-Verantwortlicher des Restaurants, Nau.ch sagt, galt die Zertifikatspflicht für Mitarbeitende ebenfalls schon vor dem Bundesratsentscheid. Man habe aber mit der schriftlichen Bekanntmache der Pflicht noch gewartet, bis alle Mitarbeitenden geimpft sind.

«Glücklicherweise haben sich alle freiwillig impfen lassen», so Costacurta. «Nun können wir alle ohne Masken unsere Gäste bedienen.»

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