Coronavirus: Forscher warnen vor «Diabetes-Pandemie»

    Anna Baumert
    Anna Baumert

    Grossbritannien,

    Britische Experten befürchten «einen Tsunami von Diabetes-Diagnosen». Denn bereits jetzt nehmen die Fälle aufgrund des Coronavirus zu, auch in Deutschland.

    diabetes mellitus coronavirus
    Blutprobe für einen Blutzuckertest: Dies ist nun auch aufgrund des Coronavirus häufiger nötig. - dpa

    Das Wichtigste in Kürze

    • Britische Studien deuten auf einen Zusammenhang zwischen Corona und Typ-2-Diabetes hin.
    • Zudem legten viele Menschen während der Pandemie an Gewicht zu.
    • Ärzte befürchten nun eine deutliche Zunahme der Diabetes-Diagnosen.

    Wegen der Verbreitung des Coronavirus hat sich der Alltag für viele auf einen Schlag geändert: Nun befürchten britische Experten, dass es aufgrund der Corona-Pandemie zu einer Häufung von Typ-2-Diabetes-Fällen kommen könnte.

    Denn: Während der Krise nahmen die Briten dem National Health Service zufolge im Durchschnitt knapp 1,4 Kilo zu. Und Fettleibigkeit gilt als Hauptauslöser für Typ-2-Diabetes.

    Zudem wurde die Krankheit bei vielen wohl aufgrund fehlender persönlicher Arzttermine nicht diagnostiziert. Darüber hinaus gibt es nun Hinweise darauf, dass das Coronavirus selbst bei Gefährdeten Auslöser für Diabetes sein kann. Dies schreibt die «Daily Mail».

    Coronavirus: Nach Infektion mit Diabetes diagnostiziert

    Andrew Boulton, Präsident der International Diabetes Federation, sagt gegenüber der Zeitung: «Ich befürchte, dass wir in den nächsten zwei Jahren einen Tsunami von Diabetes und seinen Komplikationen erleben werden.»

    Auch Hausarzt Kevin Fernando stellt fest: «Die neuen Erkenntnisse zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen den beiden Erkrankungen auf.»

    Aus Studien geht nämlich hervor: Bei einem von 20 im Spital behandelten Corona-Patienten wird nach der Infektion innerhalb von fünf Monaten Typ-2-Diabetes diagnostiziert. Ärzte gehen davon aus, dass bis Ende 2022 in Grossbritannien 200'000 neue Fälle entdeckt werden. Dies entspricht im Vergleich zu einem durchschnittlichen Jahr dem Doppelten.

    Arzt
    Offen ist, ob es zu Anzeigen gegen den mutmasslich fehlbaren Arzt kommt. (Symbolbild) - dpa

    Dean Eggitt, ebenfalls Hausarzt, verzeichnet bei sich in der Praxis seit Beginn der Pandemie ebenfalls mehr Fälle von Typ-2-Diabetes: Diese hätten um 56 Prozent zugenommen.

    Dies führt er auf Homeoffice und Co. zurück: «Menschen, die früher jeden Tag zu Fuss zur Arbeit gingen, begannen plötzlich von ihrer Küche aus zu arbeiten. Wo sie den ganzen Tag mit Naschen verbrachten.»

    «Diabetes-Pandemie» auch in Deutschland

    Auch in Deutschland wird die Krankheit jetzt öfter diagnostiziert. Diabetologe Baptist Gallwitz sagt gegenüber der «Bild»: «Wir sehen in Deutschland eine ähnliche Entwicklung wie in England. Die Fälle von Diabetes Typ 2 nehmen zu. Zwar auch schon vor der Pandemie, aber jetzt besonders.»

    Er würde dies als «Diabetes-Pandemie» bezeichnen. Den Grund für die Zunahme sieht Gallwitz unter anderem in der Gewichtszunahme während der Corona-Pandemie. Zudem hätten viele Menschen in dieser Zeit Arztbesuche auf später verschoben.

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