Wegen Corona: Eltern sperrten Kinder vier Jahre lang ein - Knast!
Ein deutsches Elternpaar ist in Spanien unter anderem wegen psychischer Gewalt gegen seine drei Kinder zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt worden.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein deutsches Elternpaar in Spanien muss wegen psychischer Gewalt fast drei Jahre in Haft.
- Vom schwereren Vorwurf der Freiheitsberaubung wurden die beiden jedoch freigesprochen.
- Ihre drei Kinder waren dreieinhalb Jahre im «Horrorhaus» von Oviedo eingesperrt.
Das Provinzgericht in Oviedo hat ein deutsches Elternpaar zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt. Der 54-jährige Mann und seine 49-jährige Frau wurden wegen psychischer Gewalt gegen ihre drei Kinder und wegen Vernachlässigung schuldig gesprochen.
Vom schwerwiegenderen Vorwurf der Freiheitsberaubung sprach das Gericht die beiden frei. Damit ging das Paar einer deutlich längeren Strafe aus dem Weg.
Die Staatsanwaltschaft hatte bei der mündlichen Verhandlung im März für den Deutschen und die Deutsch-Amerikanerin je 25 Jahre und vier Monate Haft gefordert.
Dreieinhalb Jahre im Müllhaus
Das Paar hatte seine Kinder gemäss Behörden dreieinhalb Jahre lang in einem Haus voller Müll eingesperrt. Die Eltern beteuerten ihre Unschuld. Sie hätten ihre Kinder vor der Aussenwelt isoliert, um sie vor einer Ansteckung mit Krankheiten wie Corona zu schützen.
Die Kinder, damals acht Jahre alte Zwillinge und ein zehnjähriger Junge, wurden Ende April 2025 befreit. Eine Nachbarin hatte zuvor die Polizei alarmiert. Ermittler sprachen später von einem «Horrorhaus».
Die Zustände waren laut Anklage erschütternd. Beamte fanden in den Räumen benutzte Windeln und Hygieneartikel sowie Tierkot auf den Arbeitsflächen. Die Zwillinge schliefen in Gitterbetten, deren Stäbe sie zerbrochen hatten, um ein- und aussteigen zu können.
Der ältere Bruder schlief in einem für sein Alter viel zu kleinen Bett. An den Innenseiten der Gitterbetten fand die Polizei verstörende Zeichnungen der Kinder: Monster mit spitzen Zähnen, gemalt in roter Farbe.
Kinder konnten nicht lesen und schreiben
Die gesundheitlichen Folgen für die Kinder sind massiv. Die Mädchen und der Junge gingen gebeugt, hatten verkrümmte Beine und litten unter Hautirritationen sowie Nagelpilz.
Aufgrund der dauerhaften Nutzung von Windeln hatten sie Probleme, Blase und Darm zu kontrollieren. Den letzten Arztbesuch hatten die Kinder im Jahr 2019.
In die Schule gingen die drei nie. Die jüngeren Kinder konnten zum Zeitpunkt ihrer Befreiung weder lesen noch schreiben. Nach Polizeiangaben kniete eines der Kinder nach der Befreiung im Garten nieder und berührte das Gras voller Staunen.
Nachbarin als «forensische Detektivin»
Auf das Schicksal der Kinder wurde eine Universitätsprofessorin aufmerksam, die im Quartier wohnt. Sie führte über Wochen akribisch Buch über jede Bewegung im Haus. Schliesslich übergab sie ihr Dossier den Behörden.
Auffällig waren laut spanischen Medien die grossen Mengen an Windeln, die regelmässig geliefert wurden. Ohne diese Hinweise wären die Kinder wohl noch jahrelang unentdeckt geblieben.

Zusätzlich zur Haftstrafe untersagte das Gericht den Eltern für drei Jahre und vier Monate die Ausübung der elterlichen Sorge. Sie dürfen sich ihren Kindern nicht auf weniger als 300 Meter nähern. Jedem der drei Kinder müssen sie eine Entschädigung von 30'000 Euro zahlen.
Die Kinder leben inzwischen in einer Einrichtung des regionalen Sozialdienstes. Ihre Grosseltern mütterlicherseits reisten aus den USA an, um sie zu besuchen.


















