Infektiologe kritisiert Covid-Impf-Kommunikation
Ein Infektiologe kritisiert die Corona-Kommunikation als «einseitig positiv zugunsten der Impfung». Der Bund hätte Unsicherheiten mitteilen sollen.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Corona-Impf-Kommunikation des Bundes wird kritisiert.
- Der Bund habe mit Risiken gerechnet, darüber aber nicht informiert.
- Ein Infektiologe rät zu einer nuancierten Kommunikation.
Kürzlich veröffentlichte der Bund die ungeschwärzten Verträge mit den Herstellern der Corona-Impfstoffe. Katja Braendle zeigt sich gegenüber «SRF» fassungslos. Denn «die Verträge zeigen, dass der Bund die Hersteller geschützt hat». Er habe die Haftung übernommen und so auf die Bevölkerung abgewälzt.
Braendle ist Vizepräsidentin des Vereins Post-Vakzin-Syndrom Schweiz, der sich für die Interessen von Personen mit Schäden durch die Corona-Impfung einsetzt. Der Bund habe mit Risiken gerechnet, sagt sie. Doch davon sei nie etwas gesagt worden, in der Kampagne sei die Impfung immer als sicher und wirksam beworben worden.
Unterstützung erhält Brändle von Philipp Tarr, einem Infektiologen der Uni Basel. Er leitete von 2017 bis 2022 das Nationale Forschungsprogramm zu Impfskepsis. Die Corona-Impfkampagne zu Beginn des Jahres 2021 bezeichnet er als «einseitig positiv zugunsten der Impfung». Das BAG habe gesagt, dass das Virus das Problem sei und nicht die Impfung.
In den Studien zu den Vakzinen gebe es keine schweren Risiken, so Tarr. Doch in solchen Studien sehe man seltene Nebenwirkungen, die einmal in 100'000 Anwendungen vorkämen, nicht. «Das ist die Unsicherheit, die man hätte kommunizieren können.» Der Bund habe sich dagegen entschieden, da er gefürchtet habe, dass die Menschen skeptisch werden könnten.
BAG: Regelmässig über Nebenwirkungen informiert
Studien aus Skandinavien hätten gezeigt, dass man «nuanciert kommunizieren darf und soll». So werde das Vertrauen in die Behörden gestärkt.
Das Bundesamt für Gesundheit rechtfertigt sich gegenüber «SRF»: Man habe während der Pandemie «regelmässig» über allfällige Nebenwirkungen der Impfung informiert. Etwa mit Faktenblättern für die Bevölkerung oder Fachpersonen sowie in den Impfzentren selbst.
Und auch die Impfschäden nehme man ernst: «Gesuche bezüglich Entschädigungen oder Genugtuungen bei schweren Nebenwirkungen werden geprüft.»
Katja Braendle aber kritisiert, dass sich viele Impfgeschädigte im Stich gelassen fühlten. Sie fordert: «Faire und vor allem unbürokratische und angemessene Unterstützung für Menschen, die gesundheitliche und finanzielle Folgen aus dieser Impfkampagne tragen müssen.»















