So stark dürften die Krankenkassen-Prämien 2027 steigen
Für 2027 rechnet Comparis mit einem Prämienanstieg von 3,7 Prozent. Damit würde sich der Aufwärtstrend nach mehreren heftigen Jahren weiter abschwächen.

Das Wichtigste in Kürze
- 2027 dürften die Krankenkassenprämien laut Comparis um 3,7 Prozent steigen.
- Der Anstieg wäre damit schwächer als in den letzten vier Jahren.
- Comparis sieht darin eine Rückkehr zu mehr «Kostenwahrheit».
Die Prämien in der obligatorischen Grundversicherung dürften 2027 weniger stark steigen als in den Vorjahren. Der Internet-Vergleichsdienst Comparis rechnet für das kommende Jahr mit einem durchschnittlichen Anstieg von 3,7 Prozent, wie Er am Dienstag mitteilt.
Damit würde sich der Aufwärtstrend weiter abschwächen. Zum Vergleich: Für 2023 waren die Prämien um 6,6 Prozent gestiegen, für 2024 um 8,7 Prozent. Für 2025 waren es sechs Prozent und für 2026 4,4 Prozent.
Comparis sieht eine Rückkehr zur Kostenrealität
Comparis-Krankenkassenexperte Felix Schneuwly sieht darin eine Rückkehr «in Richtung Kostenwahrheit». Die starken Erhöhungen der vergangenen Jahre seien nicht primär auf ein aussergewöhnliches Kostenwachstum zurückzuführen gewesen.
Vielmehr hätten Krankenversicherer nach politisch erzwungenen Reservensenkungen und zu tiefen Prämien zwischen 2019 und 2022 ihre Reserven wieder aufbauen müssen.
Ein Risiko für die weitere Entwicklung sieht Comparis an den Finanzmärkten. Für die Prämien seien nicht nur die Kosten der versicherten Leistungen entscheidend, sondern auch die Kapitalerträge der Krankenkassen.
Diese hätten 2025 mit 5,4 Prozent oder 807 Millionen Franken über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre gelegen. Laut Schneuwly könnten sie sich jedoch rasch verschlechtern.
Eine gewisse Unsicherheit besteht laut Comparis auch wegen des neuen Tarifsystems Tardoc für ambulante ärztliche Leistungen. Dieses hat Anfang 2026 den bisherigen Tarmed abgelöst.
Schneuwly geht aber nicht von einem starken Kostenschub aus. Er verweist auf die vom Bundesrat vorgegebene Kostenneutralität: Steigen die Kosten ohne plausible Gründe um mehr als 2,5 Prozent pro Jahr, müssen die Tarife gesenkt werden.
Die Gesundheitskosten steigen weiter an
Die Comparis-Prognose stützt sich auf eine Gesundheitskostenprognose des KOF-Instituts. Demnach stiegen die gesamten Gesundheitskosten in der Schweiz 2025 um 3,7 Prozent. Für 2026 wird ein Plus von 3,6 Prozent erwartet, für 2027 eines von 3,5 Prozent.
Nach Angaben von Comparis wachsen die für die Krankenkassenprämien relevanten Kosten allerdings etwas stärker als die gesamten Gesundheitskosten. Grund dafür sei, dass der Leistungskatalog der Grundversicherung laufend erweitert werde.
Als Beispiele nennt Comparis die psychologische Psychotherapie, Abnehmspritzen und die Angehörigenpflege.
Spitex und Psychotherapie treiben die Kosten besonders
Besonders stark gestiegen sind gemäss BAG-Kostenmonitoring zuletzt die Kosten bei Spitex-Organisationen. Sie nahmen im vergangenen Jahr um 13 Prozent auf 173 Franken pro versicherte Person zu.
Dahinter folgen psychotherapeutische Leistungen von Psychologinnen und Psychologen mit einem Plus von 9,8 Prozent auf 86 Franken pro versicherte Person.















