22'000 Musizierende verwandeln Biel in eine Festhochburg
Vom 14. bis 17. Mai steigt in Biel das Eidgenössische Musikfest. OK-Präsidentin Nadja Günthör spricht über Emotionen, Zeitdruck und Herausforderungen.

Das Wichtigste in Kürze
- Erstmals seit zehn Jahren findet wieder ein Eidgenössisches Musikfest (EMF) statt.
- Vom 14. bis 17. Mai werden in Biel rund 22'000 Musizierende erwartet.
- OK-Präsidentin Nadja Günthör spricht über dieses aussergewöhnliche Fest.
Vom 14. bis 17. Mai geht in Biel eine der grössten Kulturveranstaltungen der Schweiz über die Bühne: das 35. Eidgenössische Musikfest (EMF).
Über 500 Blasmusikvereine und 22'000 Musizierende sowie ein umfassendes Rahmenprogramm bringen die Stadt in Ausnahmezustand. OK-Präsidentin Nadja Günthör spricht über dieses aussergewöhnliche Fest.
BärnerBär: Wie würden Sie das 35. Eidgenössische Musikfest beschreiben?
Nadja Günthör: Das 35. Eidgenössische Musikfest ist der grösste Anlass der Schweizer Blasmusikszene, der nur alle fünf Jahre stattfindet und Tausende Musikantinnen und Musikanten aus der ganzen Schweiz zusammenbringt.
Im Zentrum steht der musikalische Wettbewerb, bei dem sich die Vereine in verschiedenen Kategorien und Stärkeklassen messen und um den Titel des Schweizer Meisters spielen. Gleichzeitig lebt das Fest aber auch von Begegnungen, der Kameradschaft und dem gemeinsamen Erlebnis über Sprach- und Regionsgrenzen hinweg.

BärnerBär: Was macht das EMF Ihrer Meinung nach so besonders?
Günthör: Die einzigartige Mischung aus musikalischer Höchstleistung, Emotionen, Tradition und Feststimmung. Das EMF ist weit mehr als ein Wettbewerb – es ist ein nationales Treffen der Blasmusikfamilie. Zudem ist das Fest nicht nur für Blasmusik-Insider attraktiv, sondern begeistert auch Menschen ohne direkten Bezug zu dieser Musikform.
BärnerBär: Wie kam das Fest nach Biel?
Günthör: Das EMF wurde im November 2024 nach rund zehn Jahren Vorbereitungszeit vom damaligen OK Interlaken an den Schweizer Blasmusikverband zurückgegeben. Der Verband stand damit vor der schwierigen Frage, ob ein Anlass dieser Grössenordnung in so kurzer Zeit überhaupt noch organisiert werden kann.
Persönlichkeiten des Schweizer Blasmusikverbands haben sich bewusst dafür entschieden, das EMF trotz des sehr kurzen Zeitfensters durchzuführen. Der Entscheid fiel schliesslich auf das zweisprachige Seeländer Regionalzentrum Biel/Bienne, insbesondere aufgrund der bestehenden Infrastruktur, der zentralen Lage sowie der kurzen Gehdistanzen zwischen den Wettbewerbslokalen und dem Festgelände.
BärnerBär: An welchen Schauplätzen wird das EMF stattfinden?
Günthör: Das Fest wird in der ganzen Stadt präsent sein – unter anderem im Kongresshaus, auf der Esplanade, in verschiedenen Konzertlokalen, Kirchen, Aulen, Turnhallen sowie auf öffentlichen Plätzen und entlang der Festmeile.

BärnerBär: Welches Rahmenprogramm ist geplant?
Günthör: Geplant sind zahlreiche Konzerte mit verschiedenen Bands und Formationen aus der ganzen Schweiz sowie aus dem Ausland. Neben klassischen Blasmusikformationen treten auch moderne Ensembles auf, die unterschiedliche Stilrichtungen abdecken und so neue Zielgruppen ansprechen. Ergänzt wird das Programm durch Unterhaltung für Familien, kulinarische Angebote sowie vielfältige Begegnungsorte.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt zudem auf unserem Jugendprojekt «Zusammenspiel». Dabei erhalten junge Musikerinnen und Musiker die Möglichkeit, gemeinsam mit erfahrenen Formationen aufzutreten und erste grosse Bühnenerfahrungen zu sammeln. Als besonderer Höhepunkt der Schlussfeier am Sonntag, 17. Mai, ist zudem ein Überraschungskünstler vorgesehen, der dem Fest einen emotionalen und unvergesslichen Abschluss verleihen wird.
BärnerBär: Was waren aus organisatorischer Sicht die grössten Herausforderungen?
Günthör: Es war besonders herausfordernd, die komplexen Themen wie Infrastruktur, Logistik, Unterkünfte, Sicherheit und Mobilität zuverlässig aufeinander abzustimmen und gleichzeitig die Qualität eines Grossanlasses sicherzustellen.
Hinzu kam die zeitliche Dimension: Während ein solches Fest normalerweise über viele Jahre vorbereitet wird, hatten wir deutlich weniger Zeit. Gleichzeitig gehört auch die Realität dazu, dass bei einem Anlass dieser Grösse trotz sorgfältigster Planung immer wieder Unvorhergesehenes passieren kann.
BärnerBär: Gibt es so kurz vor der Veranstaltung noch Unsicherheiten?
Günthör: Kurz vor einem Grossanlass gibt es immer letzte Anpassungen und Herausforderungen. Unser Fokus liegt aktuell auf der Feinabstimmung aller Abläufe, damit wir den Teilnehmenden und Gästen ein unvergessliches Erlebnis bieten können.
Eine besondere Stärke in dieser Phase sind unsere vielen engagierten Helferinnen und Helfer. Sie tragen entscheidend dazu bei, dass vor Ort alles reibungslos funktioniert.

BärnerBär: Was hat sich im Vergleich zur letzten Veranstaltung vor zehn Jahren verändert?
Günthör: Die Erwartungen der teilnehmenden Vereine sind heute insgesamt höher – insbesondere in Bezug auf Infrastruktur, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Gleichzeitig ist auch das Bedürfnis nach Begegnung und gemeinsamen Erlebnissen gewachsen. Auch das Thema Sicherheit ist anspruchsvoller geworden und erfordert heute deutlich umfassendere Konzepte sowie eine noch engere Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden und Partnern.
Mir war von Beginn weg wichtig, das Eidgenössische Musikfest bewusst anders und zeitgemässer zu denken als in früheren Ausgaben. Gemeinsam im OK-Trio haben wir deshalb entschieden, neue Wege zu gehen und das Fest moderner, offener und näher an den heutigen Bedürfnissen der Vereine und Besucherinnen und Besucher auszurichten.

BärnerBär: Worauf freuen Sie sich persönlich besonders?
Günthör: Ich freue mich vor allem darauf, dass das Fest endlich losgeht, wir diese intensive Vorbereitungszeit hinter uns lassen und gemeinsam mit so vielen Menschen aus der ganzen Schweiz starten dürfen.
Im Zentrum stehen für mich die emotionale Atmosphäre, die Begegnungen zwischen Menschen aus allen Sprachregionen und natürlich die vielen musikalischen Höhepunkte.
BärnerBär: Wie wird es nach dem Musikfest für Sie weitergehen?
Günthör: Zunächst werde ich sicher einmal durchatmen, die vielen Eindrücke Revue passieren lassen und das Ganze zusammen mit meinem OK-Team bei einem kühlen Bier oder einem guten Glas Wein sacken lassen.
Danach freue ich mich wieder auf etwas ruhigere Tage – mehr Luft im Kalender, Zeit für meinen Mann, meinen Beruf und persönliche Projekte. Die Musik wird mich dabei weiterhin begleiten. Und wer weiss, was danach noch kommt – ich bin eher jemand, der Dinge auf sich zukommen und sich gerne überraschen lässt.








