Papst

    Wegen Abtreibung: Papst löst diplomatische Krise mit Belgien aus

    Nikolaus Führmann
    Nikolaus Führmann

    Belgien,

    In Belgien hat Papst Franziskus unter anderem Abtreibungsärzte als «Auftragsmörder» bezeichnet. Nun hat die Regierung den Botschafter des Vatikans einbestellt.

    Papst auf Petersplatz
    Mit seinen Worten zur Abtreibung hat Papst Franziskus eine diplomatische Krise mit Belgien ausgelöst. (Archivbild) - Keystone

    Scharfe Worte des Papstes gegen Abtreibung haben eine diplomatische Krise zwischen Belgien und dem Vatikan ausgelöst. Wie «La Repubblica» berichtet, nannte Belgiens Ministerpräsident Alexander De Croo die Aussagen des Papstes «inakzeptabel».

    Papst Belgien De Croo
    Belgiens Ministerpräsident De Croo reagierte empfindlich auf die Aussagen von Papst Franziskus. (Archivbild) - Keystone

    Franziskus hatte während seiner Belgien-Reise Abtreibung als «Mord» und beteiligte Ärzte als «Auftragsmörder» bezeichnet. De Croo forderte daraufhin Respekt für die Entscheidungsfreiheit von Frauen über ihren Körper, wie unter anderem «kirche-und-leben.de» zitiert.

    Der Papst hatte zudem belgische Abtreibungsgesetze als «kriminell» kritisiert. Laut «kath.ch» lobte er explizit den belgischen König Baudouin, der 1990 kurzzeitig abdankte, um ein Abtreibungsgesetz nicht unterzeichnen zu müssen.

    Eskalation nach Papstbesuch

    Die nun eskalierten Spannungen waren bereits während des päpstlichen Besuchs in Belgien deutlich geworden. So hatte De Croo den auch die belgische Kirche betreffenden Missbrauchsskandal bei der Begrüssungszeremonie in ungewöhnlicher Deutlichkeit angeprangert.

    Papst Belgien De Croo
    Bereits bei der Begrüssungszeremonie wurden Spannungen zwischen De Croo (r.) und dem Papst deutlich. (Archivbild) - Keystone

    Das Oberhaupt der Katholischen Kirche war daraufhin vom Redemanuskript abgewichen und hatte um Vergebung gebeten. Auf dem Rückflug wiederholte er dann seine harte Kritik an Abtreibung, wie «kirche-und-leben.de» berichtet.

    De Croo erklärte im Parlament, es sei inakzeptabel, dass ein ausländisches Staatsoberhaupt belgische Gesetze so kritisiere. «Der Standard» zitiert ihn: «Die Zeit, in der die Kirche das Gesetz diktierte, ist vorbei.»

    De Croo bestellt Botschafter ein

    Als Reaktion auf die päpstlichen Äusserungen zitierte De Croo den Vatikan-Botschafter zu sich. Erzbischof Franco Coppola musste sich die Kritik der belgischen Regierung anhören.

    Der Besuch des Papstes am Grab von König Baudouin sei «rein privat» gewesen, betonte De Croo. Franziskus hatte dort für Baudouins Seligsprechung plädiert und dessen Haltung zur Abtreibung gelobt.

    Die Wortwahl des Papstes löste eine neue Debatte im belgischen Parlament aus. Obwohl Franziskus solche Formulierungen schon früher verwendete, sorgen sie nun für diplomatische Verstimmungen.

    Papst gegen Verhütung und Abtreibung

    Papst Franziskus vertritt in Sexualfragen die traditionelle katholische Lehre. Er lehnt Abtreibung, künstliche Verhütung und gleichgeschlechtliche Ehen strikt ab.

    Gleichzeitig betont er die Würde der Frau und fordert ihre stärkere Beteiligung in der Kirche. In Einzelfällen befürwortet er einen barmherzigen Umgang mit Geschiedenen und Homosexuellen.

    Für wie wichtig hältst du die Meinung des Papstes zu gesellschaftlichen Themen?

    Kommentare

    User #3532 (nicht angemeldet)

    Wenn ich Flamingos sehen will gehe ich in den Vatikan und schaue die Schweizergarde an.

    User #6223 (nicht angemeldet)

    Wofür sollte man Baudouin selig sprechen? Etwa für seine Verstrickung in die Causa Lumumba?

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