Ohne Tierleid: Wie Reisende Tiere in den Ferien respektvoll erleben
Ob Safari, Walbeobachtung oder die Begegnung mit einem Strassenhund: Tiere gehören zu vielen Ferien oft dazu. Wie gelingt tierfreundliches Reisen ohne Tierleid?

Das Wichtigste in Kürze
- Tierfreundliches Reisen verbindet eindrückliche Ferien mit echtem Respekt vor Tieren.
- Wer Wildtiere aus Distanz beobachtet und seriöse Angebote wählt, vermeidet Tierleid.
- Verzichten Sie auf den Besuch von Wildtiermärkten sowie auf den Kauf lebender Tiere und Souvenirs aus tierischen Materialien.
Ein Ritt auf einem Elefanten oder ein Selfie mit einem Tigerbaby: Solche Angebote locken viele Reisende an. Hinter den vermeintlich harmlosen Erlebnissen steckt jedoch oft Tierleid, das Feriengäste auf den ersten Blick kaum erkennen.
Dabei lassen sich Tierschutz und Tourismus durchaus miteinander vereinbaren. Tierfreundliches Reisen bedeutet, Begegnungen bewusst zu wählen und die Bedürfnisse der Tiere zu respektieren.
Wer einige Grundregeln beachtet, kann faszinierende Einblicke gewinnen, ohne fragwürdige Attraktionen zu unterstützen. Die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN gibt Hinweise, worauf Sie bei der Planung und vor Ort achten können.
Strassenhunde: Mit Abstand beobachten
In einigen Feriengebieten begegnen Reisende beispielsweise frei laufenden Hunden und Katzen. Hier kommt schnell der Wunsch auf, zu helfen. Doch sinnvoll ist vor allem Unterstützung, die über den eigenen Aufenthalt hinausreicht.

Werden Tiere während der Ferien regelmässig gefüttert, kann diese Nahrungsquelle nach der Abreise plötzlich wegfallen. Stimmen Sie Hilfe deshalb möglichst mit einer lokalen Tierschutzorganisation ab. Diese setzt sich für Kastrationsprogramme, medizinische Versorgung und langfristige Lösungen ein.
Begegnen Sie fremden Hunden ruhig, halten Sie Abstand und vermeiden Sie hektische Bewegungen. Besonders Kinder sollten Tiere nicht bedrängen oder ungefragt anfassen.
Tierschutz und Tourismus: Abstand halten
Besonders eindrückliche Begegnungen ergeben sich häufig im natürlichen Lebensraum der Tiere. Halten Sie ausreichend Abstand, bleiben Sie auf markierten Wegen und beachten Sie Schutzgebiete sowie örtliche Vorschriften.
Locken Sie Tiere weder mit Futter noch mit Geräuschen an. Ein Fernglas ermöglicht spannende Einblicke, ohne näher heranzugehen.

Auf Safaris sollten Fahrzeuge die vorgesehenen Wege nutzen und Tiere weder verfolgen noch umzingeln. Gute Guides halten Abstand und verhindern, dass sich zu viele Fahrzeuge um einzelne Tiere drängen.

Informieren Sie sich vor der Buchung darüber, wie der Anbieter den Schutz der Tiere sicherstellt. Eine verständliche Einführung, klare Verhaltensregeln und deren konsequente Umsetzung vor Ort sind gute Anzeichen. Verantwortungsvolle Veranstalter akzeptieren auch, dass Tiere manchmal Abstand halten oder sich gar nicht zeigen. Fehlen klare Regeln zum Schutz der Tiere oder werden diese nicht eingehalten, sollte das Angebot kritisch hinterfragt werden.
Warum Abstand zu Wildtieren wichtig ist
Auch wenn Wildtiere auf Fotos zutraulich wirken, sagt das wenig über ihr Wohlbefinden oder die Sicherheit einer Begegnung aus. Hinter Angeboten zum Reiten, Streicheln oder Posieren können problematische Haltungsbedingungen und belastende Trainingsmethoden stehen.

Wer auf Streicheln, Füttern und inszenierte Selfies verzichtet, schützt deshalb die Tiere und sich selbst. Beobachten und Fotografieren aus angemessener Distanz ermöglichen dagegen Begegnungen, bei denen die Tiere ihren Freiraum behalten.
Souvenirs und Aktivitäten mit Tieren kritisch prüfen
Tierfreundliches Reisen betrifft auch die Mitbringsel für Familie und Freunde. Auf Souvenirs aus Elfenbein, Korallen, Schildkrötenpanzern, Reptilienleder oder Fellen sollten Sie aus Tierschutzgründen verzichten.

Hinzu kommt, dass je nach Art und Erzeugnis die Einfuhr in die Schweiz verboten oder nur mit den erforderlichen Bewilligungen erlaubt ist. Für bestimmte Souvenirs gelten eng begrenzte Ausnahmen.
Problematische Tierattraktionen erkennen
Nicht jedes fragwürdige Angebot lässt sich sofort erkennen. Begriffe wie «Schutzzentrum» oder «Sanctuary» allein garantieren noch keine artgemässe Haltung.
Einige Fragen helfen Ihnen, eine Einrichtung vor der Buchung einzuschätzen: Dürfen Gäste Wildtiere anfassen, auf ihnen reiten oder mit ihnen baden? Müssen die Tiere in Shows auftreten?
Werden Jungtiere zum Streicheln, Flaschenfüttern oder für Erinnerungsfotos angeboten? Können sich die Tiere jederzeit vor den Blicken der Besucher zurückziehen?

Solche Kontaktangebote und fehlende Rückzugsmöglichkeiten sind Gründe, genauer hinzuschauen. Auch auffällige Verhaltensweisen wie dauerhaftes Hin-und-her-Laufen sollten Anlass für Nachfragen sein.
Seriöse Anbieter erklären nachvollziehbar, woher ihre Tiere stammen, wie sie versorgt werden und welchen Schutzregeln Besuche unterliegen.
Was tun bei Tierleid auf Reisen?
Wer auf Reisen leidende Tiere oder fragwürdige Attraktionen sieht, fühlt sich häufig hilflos. Bleiben Sie ruhig und vermeiden Sie Handlungen, die Sie oder die Tiere zusätzlich gefährden könnten.

Informieren Sie eine lokale Tierschutzorganisation. Bei akuter Tierquälerei oder mutmasslichem illegalem Wildtierhandel kommt auch die örtliche Polizei als Anlaufstelle infrage.
Wurde der Ausflug über einen Reiseveranstalter gebucht, sollten Sie den Vorfall zusätzlich dort melden.
VIER PFOTEN gibt geretteten Wildtieren ein Zuhause dank Schutzzentren
Schutzzentren nehmen Wildtiere auf, die aus nicht-tiergerechter oder tierquälerischer Haltung gerettet wurden und nicht mehr ausgewildert werden können. Sie benötigen dauerhaft einen geschützten Lebensraum, der ihren Bedürfnissen entspricht.
Dort finden Bären, Grosskatzen und andere Wildtiere ein artgemässes, naturnahes Zuhause. Die Einrichtungen geben ihnen die Möglichkeit, sich von den Folgen ihrer Vergangenheit zu erholen.

Zu den Projekten gehören unter anderem das Arosa Bärenland in der Schweiz, der BÄRENWALD Müritz in Deutschland, der BÄRENWALD Arbesbach in Österreich, das Grosskatzenschutzzentrum FELIDA in den Niederlanden und das Grosskatzenschutzzentrum LIONSROCK in Südafrika, das unter anderem geretteten Löwen, Tigern und Leoparden ein dauerhaftes Zuhause bietet.

Seriöse Schutzzentren können eine Alternative zu problematischen Tierattraktionen bieten. Statt auf direkten Kontakt mit Tieren setzen sie auf Tierschutz, Aufklärung und artgemässe Haltung.
Besucherinnen und Besucher erhalten dort Einblicke in die Tierschutzarbeit und die Geschichten der Tiere und können diese beobachten, ohne dass diese für Unterhaltung oder direkte Begegnungen eingesetzt werden.
Schutzzentren von VIER PFOTEN
Wer diese Arbeit unterstützen möchte, kann beispielsweise eine Patenschaft übernehmen. Informationen zu den einzelnen Einrichtungen und ihren tierischen Bewohnern finden Sie auf der Übersichtsseite der VIER PFOTEN Tierschutzzentren. Dort lassen sich auch die verschiedenen Projekte näher kennenlernen.






