Auch im neuen Jahr gehen zahlreiche Gegner der Corona-Massnahmen auf die Strasse. Überwiegend bleibt es friedlich, in mehreren Bundesländern kommt es jedoch zu Ausschreitungen.
Zu der allwöchentlichen Demonstration gegen die Corona-Massnahmen haben sich in Rostock wieder mehrere tausend Menschen eingefunden. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa
Zu der allwöchentlichen Demonstration gegen die Corona-Massnahmen haben sich in Rostock wieder mehrere tausend Menschen eingefunden. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Zehntausende Menschen haben am Montagabend bundesweit gegen die Corona-Massnahmen demonstriert - oft bei nicht genehmigten sogenannten Spaziergängen.

Allein in Baden-Württemberg gingen geschätzt rund 50.000 Menschen auf die Strassen. Diese Zahl nannte Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU). Das wären deutlich mehr Menschen als bisher angenommen. Rund 2500 Polizeibeamte seien im Einsatz gewesen.

Auch in vielen anderen Bundesländern gab es ähnliche Proteste. In Sachsen dürfte die Zahl der Teilnehmer nach Behördenangaben ebenfalls in die Zehntausende gehen. Bei teils unangemeldeten Protesten in den Landkreisen Görlitz und Bautzen mit insgesamt rund 5500 Teilnehmern wurden nach Angaben der Polizei 37 Straftaten und 140 Ordnungswidrigkeiten aufgenommen. In Lichtenstein im Landkreis Zwickau wurden insgesamt 14 Beamte verletzt. «Eine Person versuchte, einem Beamten die Dienstwaffe zu entreissen und ein Polizist erlitt eine Bissverletzung durch einen Teilnehmer der Versammlung», teilte die Polizei mit.

In Thüringen waren laut Polizei rund 17.000 Menschen unterwegs. In Mecklenburg-Vorpommern beteiligten sich rund 12.000 Menschen in mehr als 20 Städten an angemeldeten «Lichterspaziergängen», Kundgebungen sowie nicht angemeldeten Schweigemärschen. In bayerischen Städten und Gemeinden versammelten sich etwa 10.000 Menschen. Dabei blieb es grösstenteils friedlich. Auch gab es zahlreiche Aufzüge von Gegendemonstranten, die in Städten wie Trier und Rostock Position bezogen.

In Berlin begann der grösste Demonstrationszug laut Polizei mit knapp 400 Menschen am Alexanderplatz und zog über die Strasse Unter den Linden. Dabei wurde vor dem ZDF-Hauptstadtstudio eine Kundgebung abgehalten und es wurden Parolen wie «Lügenpresse» gerufen. Der Deutsche Journalisten-Verband sprach auf Twitter von einer «kleinen radikalen Minderheit der Impfgegner, Querdenker, Corona-Leugner, Medienhasser und Demokratiefeinde».

In Sachsen-Anhalt und Hessen kam es bei Protesten gegen die staatlichen Beschränkungen ebenfalls zu Ausschreitungen. Die Polizeiinspektion in Magdeburg berichtete von durchbrochenen Polizeiketten, Flaschenwürfen auf Beamte und Pyrotechnik. Nach ersten Erkenntnissen wurden aber keine Polizisten verletzt. In der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt hatten sich laut Polizei etwa 2500 Menschen versammelt. Die Versammlung sei wie die meisten im Gebiet der Polizeiinspektion nicht angezeigt gewesen.

In Nürnberg demonstrierten rund 4200 Menschen gegen die Corona-Politik - deutlich mehr als erwartet. Zwischenfälle gab es nicht. In Bamberg trafen sich laut Polizei rund 2150 Menschen zu einem angemeldeten «Spaziergang». Viele Städte hatten nicht ortsfeste Kundgebungen verboten und den Teilnehmern unangemeldeter Demonstrationen Bussgelder angedroht.

In Mecklenburg Vorpommern kamen etwa 3000 Menschen weniger als vor einer Woche zusammen. Vereinzelt kam es zu Gegenkundgebungen - nennenswerte Zwischenfälle gab es laut Polizei nach ersten Erkenntnissen nicht. In Rostock registrierten die Sicherheitskräfte rund 4000 Protestierende, in Schwerin zogen rund 2000 Menschen durch die Stadt, in Neubrandenburg rund 1800.

Pfefferspray eingesetzt

Auch in Brandenburg gingen die Proteste von Kritikern der Corona-Massnahmen und Impfgegnern im neuen Jahr landesweit weiter. Vielerorts waren Gegenaktionen angekündigt. So hatte in der Landeshauptstadt am Montag das Bündnis «Potsdam bekennt Farbe» dazu aufgerufen, den Gegnern der Corona-Massnahmen nicht die Stadt zu überlassen.

Die Polizei im hessischen Fulda löste eine Versammlung auf. Dabei habe ein Teilnehmer die Einsatzkräfte angegriffen, sagte ein Polizeisprecher. Die Beamten hätten Pfefferspray eingesetzt, die Person sei festgenommen worden. Die Versammlung wurde laut Polizei aufgelöst, da keine Masken getragen und keine Abstände eingehalten wurden.

Die Polizeiinspektion in Nienburg und Schaumburg in Niedersachsen meldete insgesamt 1000 Demonstranten, die sich auf die beiden Landkreise verteilten. In weiteren Städten des Bundeslandes wie in Braunschweig zählte die Polizei rund 1100 Menschen auf den Strassen. Nach Angaben der Polizei kam es in Braunschweig neben Beleidigungen auch zu Angriffen auf Beamte durch einzelne Teilnehmer. Die Angreifer seien in Gewahrsam genommen worden.

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