Während die meisten Länder strenge Massnahmen gegen das Coronavirus eingeführt haben, setzte Schweden auf Freiwilligkeit. Dieser Entscheid wird nun kritisiert.
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In Schweden galten lange keine strengen Ausgangsbeschränkungen aufgrund des Coronavirus. - afp

Das Wichtigste in Kürze

  • Die schwedischen Behörden stehen in der Kritik.
  • Ihnen wird vorgeworfen, zu langsam auf den Ausbruch der Corona-Pandemie reagiert zu haben.
  • Demnach seien keine gesetzlichen Voraussetzungen für Massnahmen geschaffen worden.

Die schwedischen Behörden haben zu langsam auf den Ausbruch der Corona-Pandemie reagiert. Dies hat eine Kommission zum Umgang Schwedens mit der Pandemie kritisiert. «Die in der Frühphase der Pandemie ergriffenen Massnahmen konnten ihre Ausbreitung im Land nicht stoppen oder gar wesentlich begrenzen». Dies heisst es in einem am Freitag vorgestellten Zwischenbericht.

Während die meisten europäischen Länder versuchten, die Verbreitung des Corona-Virus zu bremsen, hatte Schweden auf Freiwilligkeit und Eigenverantwortung gesetzt.

Kritik an zögerlicher Infektionsverfolgung

Ob das ein vernünftiger Weg war, will die Kommission erst in ihrem Abschlussbericht im Februar 2022 bewerten. Es sei jedoch davon auszugehen, dass die Infektionsausbreitung im März 2020 deutlich dramatischer war. Dies im Vergleich zu den von den Behörden vorgelegten Daten.

Die Kommission kritisierte zudem das anfängliche Zögern bei der Infektionsverfolgung. «Die Kommission ist der Auffassung, dass (...) die späte Infektionsverfolgung die Bekämpfung der Pandemie erschwert hat», heisst es. Auch mit dem Testen habe man viel zu spät begonnen.

Als weiteres Hindernis sieht die Kommission, dass die gesetzlichen Voraussetzungen für strengere Massnahmen nicht früher geschaffen wurden. «Schon während der ersten Welle hätte klar sein müssen, dass die Instrumente des Gesetzes unzureichend waren.»

Strengere Massnahmen erst während zweiter und dritter Welle

Erst während der zweiten und dritten Welle führten die Regierung und die Behörden neue und strengere Massnahmen ein. Diese hatten sie während der ersten Welle abgelehnt oder ausdrücklich unterlassen. Dazu zählten Einschränkungen für Restaurants oder Familienquarantäne.

Hinzu kommen Massnahmen zur Vermeidung von Menschenmassen im Einzelhandel und Empfehlungen zum Tragen von Masken im öffentlichen Verkehr. Diese Kehrtwende habe in der Bevölkerung vermutlich für Verwirrung gesorgt.

Im Laufe der Pandemie haben sich rund 1,2 Millionen Menschen in Schweden mit dem Corona-Virus angesteckt, rund 15'000 starben. Schweden hat etwas mehr als 10 Millionen Einwohner.

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