Die deutschen Kinderärzte blicken mit Erleichterung auf die bevorstehende Zulassung eines Corona-Impfstoffs für Kinder unter zwölf Jahren, rechnen aber erst im kommenden Jahr mit einer allgemeinen Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko).
Spritze mit Biontech-Impfstoff
Spritze mit Biontech-Impfstoff - AFP/Archiv

Das Wichtigste in Kürze

  • Spahn: Impfung für unter Zwölfjährige soll noch vor Stiko-Empfehlung möglich sein.

«Wir sind sehr froh, dass der Impfstoff für die Fünf- bis Elfjährigen bald zugelassen wird», sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Jörg Dötsch, den Zeitungen des Redaktions-Netzwerks Deutschland (RND) vom Freitag.

«Das ist ein grosser Moment für den Schutz von Kindern, der Sicherheit bedeutet, weil es dann keine rechtlichen Grauzonen mehr gibt», erklärte Dötsch. Nach der Zulassung durch die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) wüssten die Kinderärzte, mit welcher Dosis und Darreichungsform die Impfstoffe an die Kinder verimpft werden könnten.

Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte am Freitag in Berlin, er gehe von einer Zulassungsentscheidung der EMA am 25. oder 26. November aus. Deutschland und die anderen EU-Länder würden die ersten Impfdosen für die Fünf- bis Elfjährigen aber erst rund um den 20. Dezember erhalten, da der geringer dosierte Impfstoff für diese Altersgruppe zuvor noch eigens produziert werden müsse.

Deutschland werde in einer ersten Lieferung rund zwei Millionen Dosen erhalten, sagte Spahn. Er gehe davon aus, «dass wir die Erstnachfrage, die es geben wird, dann auch mit dieser Dosenzahl sehr gut werden beantworten können».

Eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) für Kinder unter zwölf Jahren soll laut Spahn nicht abgewartet werden. Wenn die Zulassung der EMA vorliege, solle es möglich sein, «nach individueller Entscheidung» und Beratung mit dem Arzt Kinder aus der Altersgruppe zu impfen. «Wenn dann noch eine Empfehlung hinzutritt, umso besser», fügte Spahn hinzu.

Auch DGKJ-Präsident Dötsch verwies auf die spezielle Darreichungsform des Impfstoffs für Kinder. «Die unter Zwölfjährigen bekommen nur ein Drittel der Dosis, die Jugendliche erhalten.» So eine kleine Menge lasse sich nicht gut mit einer Spritze aus den herkömmlichen Ampullen aufnehmen. «Für jüngere Kinder ist also eine eigene Darreichungsform nötig, die gut verimpfbar ist», ergänzte er.

Auch die Empfehlung der Stiko erwarten die Mediziner erst in einigen Monaten. «Ich sehe keine Chance für eine Stiko-Empfehlung in diesem Jahr», sagte der Kinderarzt und Sprecher des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Jakob Maske. Für die gesunden Kinder werde sich die Stiko schwerer tun und mehr Daten sowie Zeit brauchen.

Für Jüngere mit schweren chronischen Erkrankungen erwartet Maske hingegen eine schnellere Empfehlung. «Die meisten Kinderärzte werden auf die Empfehlung der Stiko warten», sagte der Mediziner. Die Nachfrage nach Impfungen für unter Zwölfjährige sei in den Kinderarztpraxen zudem aktuell noch sehr gering.

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