Auf Telegram verkaufen Betrüger gefälschte Pässe, die eine Impfung gegen das Coronavirus bescheinigen. Das Ganze unter dem Motto «Wir lassen uns nicht impfen».
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Ein Pass zur Bescheinigung der Impfung gegen das Coronavirus in einem deutschen Impfzentrum. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • In ganz Deutschland werden gefälschte Impfpässe verkauft.
  • Auf Telegram verlangen die Kriminellen bis zu 150 Euro für die Fake-Dokumente.
  • Die Pässe werden im Namen von Impfzentren und Ärzten ausgestellt.

Ein deutscher Arzt staunt nicht schlecht, als ihm ein gefälschter Impfpass präsentiert wird: Kriminelle haben ihn in seinem Namen ausgestellt und auf Telegram verkauft. Unter dem Hashtag «Wir lassen uns nicht impfen» werden auf der Plattform zahlreiche dieser Fake-Dokumente angeboten. Sie bescheinigen fälschlicherweise eine Impfung gegen das Coronavirus.

Weil der Impfpass in Deutschland immer mehr an Bedeutung gewinnen dürfte, wird er fleissig gefälscht. Für den Wisch müssen Kunden zwischen 100 und 150 Euro hinblättern. Gegen Bitcoins erhalten sie ihn dann nach drei bis vier Wochen.

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Kritiker und Skeptiker des Coronavirus bevorzugen die App Telegram. - Keystone

Die Pässe sind leicht nachzuahmen: Laut dem Hessischen Landeskriminalamt sei die Druckvorlage frei verkäuflich. Sie würden erst zur Urkunde, wenn ein Arzt unterschreibt und der nötige Kleber angebracht wird. Er enthalte auch keine Sicherheitsmerkmale – Fälschungen lassen sich kaum von Originalen unterscheiden.

Machen Geld mit dem Coronavirus – Arzt will Kriminelle anzeigen

Kaufen lassen sich die Pässe mit Stempeln der Impfzentren Frankfurt, Frankenthal, München und dem Kölner Impfarzt Johannes Nolte. Nolte hat die deutsche «Bild» dann auch ein solches Papier vorgelegt.

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Der Kölner Arzt Johannes Nolte führt in seiner Praxis Impfungen gegen das Coronavirus durch. - Praxis Dr. med. Johannes Nolte

Von der Betrugs-Aktion wusste er nichts: «Mich wird jemand bei Google als Kölner Impfarzt gefunden und sich das dann schnell als Stempel gebastelt haben.» Auf dem Fake-Dokument stimmen demnach auch die Schriftart und Zusammensetzung nicht mit dem Original überein.

Verstehen Sie Leute, die sich nicht impfen lassen wollen?

Nolte sorgt sich nun um den Ruf seiner Praxis. Er könne zwar in seinem System nachvollziehen, wer tatsächlich bei ihm gegen das Coronavirus geimpft worden sei. «Unsere Patienten könnten sich aber Sorgen machen, dass ihre Impfungen weniger wert sind als die von anderen.»

Eines der betroffenen Impfzentren hat bereits Anzeige gegen die Telegram-Kriminellen erstatten. Das will Impfarzt Nolte nun auch tun.

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