Nach seinem Rücktritt von seinem Uno-Posten doppelt der Russe Boris Bondarew nach und erklärt seine Beweggründe.
Ukraine Krieg
Der russische UN-Diplomat Boris Bondarew (rechts) ist offiziell von seinen Posten zurückgetreten. - Twitter

Das Wichtigste in Kürze

  • Der russische UN-Diplomat Boris Bondarew gab am Montag seinen Rücktritt bekannt.
  • Nach seiner lauten Kritik an seiner Heimat plagen den 41-Jährigen Zukunftssorgen.
  • Er hofft auf die Hilfe der Schweizer Regierung.

Er löste am Montag eine grosse mediale Schockwelle aus: Der Russe Boris Bondarew gab seinen Rücktritt als Berater bei der russischen Uno-Mission in Genf bekannt. Gemäss eigener Darstellung ist er der weltweit erste russische Diplomat, der seinen Rücktritt aus dem diplomatischen Dienst öffentlich verkündet. Der 41-Jährige räumte keineswegs leise seinen Platz – im Gegenteil.

In seinem Abschiedsbrief schiesst er scharf gegen sein Heimatland. 20 Jahre lang habe er als Diplomat gearbeitet und verschiedene auslandpolitische Richtungsänderungen gesehen. Aber «noch nie habe ich mich so für mein Land geschämt wie am 24. Februar dieses Jahres.» Der Ukraine-Krieg sei «nicht nur ein Verbrechen gegen das ukrainische Volk, sondern vielleicht ein ebenso schweres Verbrechen gegen das russische Volk».

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Der Uno-Diplomat Boris Bondarew arbeitete 20 Jahre für Russland. Nun hat er wegen des Ukraine-Kriegs seinen Rücktritt eingereicht. - Twitter

Gegenüber den «Tamedia Zeitungen» vertiefte Bondarew am Montag seine Beweggründe, philosophierte darüber, ob er vielleicht «eine Dummheit» begangen habe und doppelte mit seiner Kritik nach: «Endlich kann ich wieder sagen, was ich denke!» Der 41-Jährige Politiker erklärte, dass die Zentrale in Moskau ihm und seinen Botschaftskollegen schon im letzten Jahr auferlegt habe, «immer aggressivere Positionen zu vertreten». Das sei für ihn zu einem immer grösseren Problem geworden.

«Ich vertrete in Genf mein Land, aber muss als Diplomat mit den Organisationen vor Ort gleichzeitig versuchen, gemeinsame Lösungen zu finden.» Er habe intern Gegenvorschläge gemacht, aber es sei alles beiseitegeschoben und ignoriert worden. «Im Dezember hielt ich es nicht mehr aus und stellte intern die Frage: Wollt ihr Krieg

Russen-Diplomat hofft auf Hilfe der Schweizer Regierung

Bondarew stellte klar, dass er nach seiner Kündigung und der öffentlichen Kritik besorgt sei und auch Angst habe. «Ich weiss auch nicht, wie es in meinem Leben weitergeht.» Er bekomme Hilfe von Diplomatenkollegen anderer Länder. «Ich muss irgendwo bleiben für eine gewisse Zeit, werde aber sicher nicht nach Russland gehen.»

Sollte die Schweiz dem russischen UN-Diplomaten Asyl anbieten?

Der Diplomat hofft auch auf die Hilfe der Schweizer Regierung. Bundespräsident Ignazio Cassis wurde am Montag in Davos auf den Fall angesprochen und meinte, er sei darüber informiert worden. Ob Bondarew mit Asyl rechnen könne, wollte Cassis nicht direkt bestätigen: «Jeder Mensch hat das Recht, ein Asylgesuch zu stellen. Das Gesuch wird dann individuell geprüft.»

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