Chile hat sich beim Impftempo gegen das Coronavirus an die Spitze gesetzt. Das verdankt das Land einer durchdachten Strategie und der guten Impfinfrastruktur.
Coronavirus Chile Impfungen
Eine Pflegerin spricht am 22. Februar 2021 in Santiago de Chile mit einer Patientin, bevor sie ihr den Impfstoff von Sionvac gegen das Coronavirus injiziert. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Chile hat in den letzten sieben Tagen im Schnitt 1,08 Dosen am Tag pro 100 Einwohner geimpft.
  • Damit liegt das Land beim Impftempo aktuell sogar vor Israel.
  • Dabei setzt Chile vor allem auf seine gute Infrastruktur im Gesundheitswesen.

Kein Land hat in den letzten sieben Tagen im Schnitt mehr Menschen pro 100 Einwohner gegen Corona geimpft als Chile. Dies geht aus Daten des Statistikportals «Our World in Data» hervor.

Damit hat das südamerikanische Land diesbezüglich auch Israel überholt. Chile hat im Durchschnitt der vergangenen sieben Tage 1,08 Dosen am Tag pro 100 Einwohner geimpft, Israel 1,03. «Heute haben wir einen neuen Grund, stolz zu sein», schrieb die Regierung Chiles dazu am Dienstag auf Twitter.

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Diese Grafik zeigt, wie viele Impfdosen gegen das Coronavirus pro 100 Einwohner in den letzten sieben Tagen im Schnitt pro Tag in verschiedenen Ländern verabreicht wurden. - ourworldindata.org

Allein am Montag sollen Medienberichten zufolge 319'014 Menschen gegen das Coronavirus geimpft worden sein. Das entspreche einem neuen Tagesrekord. Mittlerweile haben 4,18 Millionen Menschen mindestens eine Impfstoff-Dosis erhalten, das entspricht mehr als 21 Prozent der Bevölkerung (18 Millionen Einwohner).

Coronavirus: Bis Ende Juni soll 80 Prozent der Bevölkerung geimpft werden

Dabei hat Chile erst am 3. Februar mit den kostenlosen und freiwilligen Massenimpfungen begonnen. Zuvor wurden ab Ende Dezember die ersten 50'000 Dosen an Gesundheitspersonal verabreicht, welches mit Risikopatienten Kontakt hat.

Coronavirus - Chile
ARCHIV – 03.02.2021, Chile, Santiago: Eine Mitarbeiterin des Gesundheitswesens bereitet in einer Klinik in Santiago eine Injektion mit dem Impfstoff von Sinovac gegen das Coronavirus vor. - dpa

Die Impfziele des Staates sind äusserst ehrgeizig: Bis Ende März sollen fünf Millionen besonders gefährdeter Menschen geimpft sein. Bis zum Ende des ersten Halbjahres sollen dann weitere zehn Millionen Menschen folgen. Das wären genügend, um eine sogenannte Herdenimmunität gegen das Coronavirus zu erreichen.

Mit diesem Impftempo lässt der Staat nicht nur die anderen südamerikanischen Länder alt aussehen, sondern auch europäische Staaten. In der Schweiz etwa wurden bis Sonntag insgesamt 951'804 Impfungen durchgeführt. Doch wie schafft es ausgerechnet ein Schwellenland wie Chile, mit den Impfungen so schnell vorwärtszukommen?

Zusammenarbeit mit Sinovac

Das hat mehrere Gründe: Es fängt bereits bei der durchdachten Impfstrategie des Staates an. Chile hatte sich nämlich schon früh viele verschiedene Impfstoffe gegen das Coronavirus gesichert. Die Regierung hat Verträge mit den Impfstoff-Herstellern Biontech/Pfizer, Sinovac, Johnson&Johnson und Astrazeneca abgeschlossen.

Coronavirus - Chile
05.03.2021, Chile, Santiago: Alicia Martinez hält ihren Impfausweis hoch, nachdem ihr auf der Aussenterrasse eines Altenheims eine zweite Dosis des chinesischen Corona-Impfstoffs von Sinovac - dpa

So konnte sich Chile gut 35 Millionen Dosen sichern, von denen zehn Millionen bereits eingetroffen sind. Momentan sind nur die Impfstoffe von Sinovac und Biontech/Pfizer zugelassen.

Wird Chile bis Ende Juni eine Herdenimmunität erreichen?

Der Grossteil der zehn Millionen eingetroffenen Dosen stammen von Sinovac. Mit dem chinesischen Produzenten hat die Regierung die Lieferung von 60 Millionen Impfdosen innert drei Jahren vereinbart. Sinovac darf im Gegenzug zusammen mit der Päpstlichen Katholischen Universität von Chile eine Impfstoff-Studie im Land durchführen.

Grosse Impfkampagnen sind nichts Neues

Zudem hat der chilenische Staat ein gut finanziertes und funktionierendes Gesundheitssystem. Dieses kann auf die jahrelange Erfahrung bei der Durchführung von grossen Impfkampagnen (etwa Immunisierung gegen Influenza-Typen) zurückgreifen.

«Bereits seit 1978 gibt es einen nationalen und ‹stabilen› Impfplan.» Das sagte der chilenische Gesundheitsminister Enrique Paris im Februar der spanischen Tageszeitung «El País». «In Chile wird niemand geimpft, ohne seinen Namen, seinen Personalausweis und den Impfstoff, den er erhalten soll, zu registrieren. So können wir genaue Statistiken führen.»

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08.02.2021, Chile, Osorno: Ältere Menschen warten auf eine Impfung gegen Corona in der Kathedrale, die während der Impfkampagne für diese Risikogruppe als provisorische Station dient. - dpa

Um die Corona-Impfung voranzutreiben, wurden zudem Schulen, Kirchen oder Stadien zu Impfzentren umfunktioniert. Auch wird nicht nur Pflegepersonal zum Impfen eingesetzt, sondern unter anderem kommen Hebammen oder Zahnärzte zum Einsatz.

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