Trotz Studium ohne Arbeit: Warum ein Diplom nicht mehr genügt
Obwohl immer mehr junge Erwachsene einen Hochschulabschluss haben, finden viele keine Arbeit. Hier erfahren Sie die wichtigsten Gründe dazu.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Zahl der arbeitslosen Hochschulabsolvierenden steigt in der Schweiz weiter an.
- Praktika sind oft der Einstieg: Viele Hochschulabsolvierende starten zunächst befristet.
- Der Berufseinstieg kann finanzielle Sorgen und psychischen Stress auslösen.
Die Lage am Arbeitsmarkt für Hochschulabsolvierende ist angespannt. Im September 2025 lag die Arbeitslosenquote laut Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) in der Schweiz bei 2,8 Prozent. Auffällig: Rund 34 Prozent der Arbeitslosen hatten einen Hochschulabschluss.
Laut einer Studie des Bundesamts für Statistik (BFS) beginnen 36 Prozent der Hochschulabsolvierenden nach dem Studium ein Praktikum – oft ohne direkte Perspektive auf eine Festanstellung.

Trotz Motivation, Ausbildung und frischem Know-how finden viele Hochschulabsolvierende keine Arbeit. Und das wird sich voraussichtlich nicht so schnell ändern.
Schon im letzten Studienabschnitt zeigt sich für viele Studierende, wie begrenzt die Jobchancen derzeit sind. Speziell für junge Menschen kann das zunehmend belastend sein – psychische Erkrankungen und finanzielle Engpässe sind deshalb keine Seltenheit.
Warum viele Hochschulabsolvierende keine Arbeit finden
Die Gründe für die schwierige Lage junger Hochschulabsolvierender sind zunehmend struktureller Natur. Immer mehr junge Erwachsene in der Schweiz absolvieren laut dem «BFS» einen Hochschulabschluss. 2025 hatten 48 Prozent aller 25- bis 64-Jährigen einen Hochschulabschluss oder eine höhere Berufsbildung – dies sei insbesondere auf die Ausweitung der Fachhochschulen in den letzten Jahren zurückzuführen. Dadurch ist das Hochschuldiplom heute weit verbreitet und hat teilweise an Wert verloren.
Gleichzeitig führt die hohe Zahl an Absolvierenden zu einem stärkeren Wettbewerb um die wenigen Einstiegsstellen, was Unsicherheit bei den jungen Erwachsenen verstärkt.
Laut Prognosen des BFS wird das Bildungsniveau in der Schweiz weiter steigen.
Kostendruck und höhere Anforderungen
Höhere Anforderungen und steigender Kostendruck betreffen viele Unternehmen. Das jährliche NZZ-KMU-Barometer zeigt, dass insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zunehmend unter wachsendem Kostendruck stehen. Dieser ist unter anderem auf geopolitische Unsicherheiten sowie einen zunehmenden Handlungs- und Anpassungsdruck zurückzuführen.
Gleichzeitig berichtet die «NZZ», dass vor allem Bundes- und staatsnahe Betriebe mit einer sehr hohen Zahl an Bewerbungen konfrontiert sind. In der Folge haben viele Arbeitgeber ihre Anforderungen im Rekrutierungsprozess deutlich verschärft.
Technologischer Fortschritt
Auch die technologische Entwicklungen verschärfen die Lage. Eine Studie des KOF-Instituts der ETH Zürich zeigt, dass sich die Arbeitsmarktlage in stark KI-geprägten Berufen seit 2023 verschlechtert hat. Besonders stark spüren dies Fachkräfte in der Softwareentwicklung, aber auch im Bereich Werbung und Marketing.

Kommt hinzu: Junge Menschen legen heute mehr Wert auf Sinnhaftigkeit und Selbstverwirklichung bei der Arbeit. Sie suchen nach Tätigkeiten, die nicht nur ein Einkommen sichern, sondern auch persönliche Erfüllung bieten und ihren Werten entsprechen. Viele Stellen erfüllen diese Erwartungen jedoch nicht, was die Jobsuche zusätzlich erschwert und den Einstieg ins Berufsleben komplizierter macht.
Folgen für Studierende
Für viele Hochschulabsolviernde bedeutet diese Entwicklung Unsicherheit und Frustration. Die Lücke zwischen Ausbildung und den Anforderungen des Arbeitsmarkts führt nicht nur zu finanziellen Engpässen, sondern kann auch die psychische Gesundheit belasten. Viele junge Menschen fühlen sich überfordert und wissen nicht genau, welche Schritte sie als Nächstes unternehmen sollen. Wer frühzeitig praktische Erfahrung sammelt, sei es durch Praktika, Nebenjobs oder freiwillige Projekte, und sein Profil gezielt schärft, hat bessere Chancen – doch das gelingt längst nicht allen.
Trotz der derzeit schwierigen Lage beim Berufseinstieg stehen Hochschulabsolvierende verschiedene Unterstützungsangebote zur Verfügung. So bietet etwa die Berner Fachhochschule mit Fachveranstaltungen wie dem «CareerBooster» Plattformen zum Austausch und vermittelt praxisnahe Impulse für den Übergang in die Arbeitswelt.













