Arbeit: zwei Anstellungen kombinieren

Angestellte Schweiz
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Olten,

Die Flexibilisierung der Arbeitswelt führt dazu, dass immer mehr Menschen mehrere Stellen besetzen.

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In der Schweiz gibt es immer mehr Angestellte mit mehreren Arbeitgebenden. - zVg

Das Wichtigste in Kürze

  • In der Schweiz ist die Zahl der Arbeitnehmenden mit mehreren Anstellungen gestiegen.
  • Manche tun dies aus Leidenschaft, andere aus finanzieller Notwendigkeit.
  • Bei einer Doppelbeschäftigung gibt es laut dem Arbeitsrecht bestimmte Regeln zu beachten.

Im Jahr 1991 widmeten sich 96 Prozent der Arbeitnehmenden einem einzigen Arbeitsverhältnis. Im Jahr 2025 gibt das Bundesamt für Statistik bekannt, dass 8,1 Prozent der Erwerbstätigen zwei oder mehr Arbeitgebende haben. Betrachtet man die weibliche Erwerbsbevölkerung, steigt dieser Anteil sogar auf 10,5 Prozent.

Das Phänomen nimmt also zu – so sehr, dass es inzwischen einen Anglizismus für diese neue Arbeitsform gibt: das «Slashing», abgeleitet vom englischen «to slash» – «schneiden, kürzen».

Der Traum, von seiner Leidenschaft zu leben

Unter den «Slashern» ist das klassischste Szenario folgendes: Personen, die ihre Leidenschaft neben einem Brotjob entwickeln möchten. Heutzutage gewinnen Konzepte wie Sinnhaftigkeit der Arbeit und persönliche Entwicklung an Bedeutung. Das bewegt viele dazu, eine zweite Tätigkeit aufzunehmen, die besser zu ihren Interessen und Erwartungen passt.

Dies bleibt eine Herausforderung, was die mentale Belastung betrifft. Anfangs ist die Hauptbeschäftigung oft noch ein Vollzeitpensum.

Ein eigenes Unternehmen nebenbei aufzubauen, kostet viel Energie – und wenn die zweite Anstellung tragfähig wird, ist es häufig eine grosse Erleichterung, sich ihr vollständig widmen zu können.

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Lust, dich kreativ auszutoben? «Slasher» suchen oft nach mehr Sinnhaftigkeit nebst der klassischen Arbeitsstelle. - zVg

Als Angestellte an zwei Orten

Für Slasher, die den Angestelltenstatus behalten, sind die Herausforderungen oft finanzieller Natur. Sophie arbeitete zu 50 Prozent bei einer Versicherung. Dieses Teilzeitgehalt reichte nicht aus, um den Bedarf ihrer Kinder zu decken, als diese mit dem Studium begannen.

Ihr Arbeitgeber konnte ihr keine zusätzlichen Stunden anbieten – also suchte sie eine Nebentätigkeit. Sie arbeitet nun jeweils zu 40 Prozent und 50 Prozent an zwei Orten als kaufmännische Angestellte. Eine Lösung, die ihr ursprünglicher Arbeitgeber akzeptierte, solange die zweite Stelle nicht bei einem Konkurrenzunternehmen war.

Seither schätzt sie die Abwechslung dieser Situation. Möglich ist diese Kombination jedoch nur mit verständnisvollen Arbeitgebenden. Sie muss ihre Ferien koordinieren und ihre Arbeitszeiten abstimmen können – insbesondere, wenn sie Kolleginnen oder Kollegen vertreten oder an ausserordentlichen Sitzungen teilnehmen muss.

Was sagt das Arbeitsrecht?

Gemäss dem Obligationenrecht darf die Nebentätigkeit weder mit der anderen Anstellung konkurrieren noch gegen die Treuepflicht verstossen – zum Beispiel, indem sie die Mitarbeitenden daran hindert, ihre vertraglichen Pflichten vollumfänglich zu erfüllen.

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Wer eine zweite Tätigkeit ausüben möchte, muss einige Regeln beachten. - zVg

Unternehmen sind jedoch frei, strengere Regeln festzulegen. Es gibt Personalreglemente, in denen Nebentätigkeiten einer Bewilligungspflicht unterstellt sind.

Zudem müssen Slasher, wenn nötig in Absprache mit den Unternehmen, das Arbeitsgesetz in Bezug auf die maximale Arbeitszeit und die Ruhezeiten einhalten. Langfristig ist eine Sechs-Tage-Woche ebenso wenig zulässig wie eine Woche mit mehr als 45 oder 50 Stunden. Und wer nachts arbeitet, darf tagsüber keine zweite Tätigkeit ausüben, ohne die gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit einzuhalten.

Kannst du dir vorstellen, zwei Arbeitgeber zu haben?

Ein Trend mit Wachstumspotenzial

Mit der Verbreitung der Plattformarbeit ist davon auszugehen, dass das Slashing weiter zunimmt. Eine positive Entwicklung, wenn es den Angestellten ermöglicht, ihr Einkommen zu steigern und sich zu entfalten. Doch Arbeitgebende müssen mitspielen.

Wenn sie Teilzeit-Arbeitnehmende einstellen möchten, sollten sie den möglichen weiteren Anstellungen der einzustellenden Person besondere Aufmerksamkeit widmen. Und sicherstellen, dass die Doppelbeschäftigung die gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten nicht beeinträchtigt.

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